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Lokalsport Aufschwung in der Jugendausbildung
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15:00 07.05.2021
Die Sportfreunde Blau-Gelb Marburg sind für viele Kinder und Jugendliche erste Anlaufstelle, wenn sie in Marburg Fußball spielen wollen.
Die Sportfreunde Blau-Gelb Marburg sind für viele Kinder und Jugendliche erste Anlaufstelle, wenn sie in Marburg Fußball spielen wollen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Andere Vereine, die sich um ihn bemüht hatten, gab es, erzählt Sinan Hinzmann im Gespräch mit der OP. Doch der 15-Jährige wollte gern ins Nachwuchsleistungszentrum des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Also wechselte der gebürtige Wehrdaer im vergangenen Sommer dorthin. „Hier hat es mir am besten gefallen, das Trainingsgelände, das Internat“, zählt Sinan auf.

Bereut hat der junge Kicker die Entscheidung seines Wechsels nicht – im Gegenteil: „Es geht mir sehr gut hier.“ Mit den „Jungfohlen“ tritt Sinan in der höchsten Spielklasse seiner Altersklasse an, der U-15-Regionalliga West. „Da waren wir auch recht gut unterwegs, Tabellenerster, als die Saison abgebrochen wurde.“ Im Spätherbst war dies, seither können Sinan und seine Mitspieler nur unter Hygieneauflagen trainieren. Immerhin, denn: „Man muss glücklich sein, dass man das überhaupt darf“, weiß der ehemalige Schüler der Martin-Luther-Schule, dass viele Gleichaltrige wegen der Corona-Beschränkungen nicht dieses Privileg genießen.

Sinan Hinzmann hat den Traum, den viele junge Fußballer haben: eines Tages professionell Fußball zu spielen. „Das wird schwer“, weiß der 15-Jährige, „aber hier sehe ich mich auf dem bestmöglichen Weg, dieses Ziel zu erreichen.“ Sinan ist der erste Spieler, der es von den Sportfreunden Blau-Gelb (SF BG) Marburg in ein Nachwuchsleistungszentrum geschafft hat. Insgesamt zwei Jahre, in der D- und C-Jugend, war er – nach seinen ersten fußballerischen Schritten beim FV Wehrda – für die SF BG aktiv.

Für die Verantwortlichen des Vereins vom Zwetschenweg ist der Weggang von Sinan nur ein Beweis dafür, dass sich in Sachen Jugendausbildung in den vergangenen Jahren viel getan hat. „Die SF BG müssen sich, was die Jugend angeht, vor dem VfB (Marburg, Anmerkung der Redaktion) überhaupt nicht mehr verstecken“, sagt Sascha Nahrgang. Seit Februar 2020 ist der 34-Jährige Sportlicher Leiter für die Senioren und A-Junioren bei den Sportfreunden, zwischen 2009 und 2014 war er Jugendtrainer beim benachbarten Stadtrivalen. Nahrgang macht seine Behauptung an zwei Aspekten fest: der Ligenzugehörigkeit und der Förderung für junge Fußballer.

„In der Vergangenheit hat der VfB immer über den SF BG gespielt, jetzt spielen beide – bis auf die B-Jugend-Hessenliga, in der der VfB abgeschlagen Tabellenletzter ist – in der gleichen Liga.“ Nahrgang räumt ein, dass dies ein Stück weit eine Momentaufnahme ist. In Sachen Ausbildung sieht er die SF BG gleichwohl auf Augenhöhe. „Bei uns wird weiterhin viel Wert auf Breitensport gelegt. Aber auch talentierte Spieler werden sehr individuell gefördert. Da hat der Verein in den vergangenen vier, fünf Jahren einen extremen Schritt nach vorne gemacht“, meint Nahrgang.

Die Entwicklung lässt sich an Zahlen festmachen: 330 Mädchen und Jungen spielen in 20 Teams, werden von 36 Coaches betreut. Neben dem langjährigen Jugendleiter Thomas Koch sei Kristof Kühn – neben Sascha Ferber einer der Jugendkoordinatoren – eine Triebfeder des Aufschwungs, der sich auch an der Ligenzugehörigkeit ablesen lässt: Erstmals in der Vereinsgeschichte spielen die A-, B- und C-Junioren gleichzeitig in der Verbandsliga – eine Spielklasse, die gut geeignet sei, um Spieler fundiert auszubilden. „Dies ist in der Verbandsliga teilweise besser möglich als in der Hessenliga“, meint Nahrgang, „weil man in der Hessenliga unter enormem Druck steht, dann viele fremde Spieler dazu holt, die nach einem Jahr wieder gehen, eigene Spieler aber blockieren.“ Genau dies wolle man aber nicht – auch mit Blick auf die eigenen Seniorenteams, für die die Kicker ausgebildet werden sollen.

Um Talente wie Sinan Hinzmann besser zu fördern, ging der Verein im Frühjahr 2010 eine Kooperation mit der Talentschmiede TSG Wieseck ein. Inzwischen handele es sich eher um eine „Partnerschaft“, wie Nahrgang sagt. Beide Vereine profitierten gleichermaßen voneinander. Die TSG, die wiederum mit Eintracht Frankfurt kooperiert, nimmt Talente auf – und gibt Spieler, „die es dort nicht schaffen“ (Nahrgang), an die SF BG ab, um sich in Marburg besser zu entwickeln. Möglichkeiten dafür gibt es am Zwetschenweg reichlich.

Ab der U 15 bietet der Verein mannschafts- und jahrgangsübergreifendes Positionstraining sowie Athletik- und Torwarttraining, für die Videoanalyse nutzt er das kostspielige System „Coaching Eye“. Während des Lockdowns bieten die Sportfreunde durchgängig Einzel- beziehungsweise Fördertraining an. „Neben der individuellen Förderung ist uns Vereinsidentifikation, die persönliche Bindung zu den Spielern, zum familiären Umfeld, und der Spaß am Mannschaftssport Fußball wichtig“, sagt Nahrgang. Eine Philosophie, die bei Sinan Hinzmann ankam. „Es gefiel mir dort extrem gut“, sagt er über seinen früheren Verein.

Interessenten können per E-Mail unter info@blaugelb-marburg.de Kontakt aufnehmen.

Von Marcello Di Cicco