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Lokalsport Generalprobe für den neuen Untergrund
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12:58 21.09.2021
Flora Endres (RFV Weißer Stein Wehrda) mit „Dark Dynamite“ im Stilspringwettbewerb beim Reitturnier in Mengsberg.
Flora Endres (RFV Weißer Stein Wehrda) mit „Dark Dynamite“ im Stilspringwettbewerb beim Reitturnier in Mengsberg. Quelle: Thorsten Richter
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Mengsberg

Zwei Jahre können sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Diese Erfahrung machten die Verantwortlichen des RFV Mengsberg, die nach der langen Corona-bedingten Pause am vergangenen Wochenende wieder ein Reitturnier organisieren durften. Der Reit- und Fahrverein richtete die Kreismeisterschaften im Springen Einzel aus und weihte in dem Zuge auch seine modifizierte und ausgebaute Reitanlage ein. Rund 400 Zuschauer besuchten über das Wochenende die Anlage und verdeutlichten, wie sehr der Reitsport vermisst wurde. Die ausgelassene Stimmung schwappte schließlich auf die Teilnehmenden über – so auch auf die beiden Reiterinnen Leni Preisendörfer und Luisa Neubauer.

Die beiden Freundinnen kennen sich schon seit einigen Jahren und teilten sich über das Wochenende Preisendörfers Pferd „Norano“. Was im ersten Moment ungewöhnlich erscheinen mag, ist für Preisendörfer und Neubauer nichts Neues. Die 12-jährigen Reiterinnen teilen sich nicht zum ersten Mal ihr Pferd. „Ich habe angefangen, bei Luisa Reitbeteiligung auszuüben“, erklärte Preisendörfer, während Neubauer ergänzt: „Mein Pferd ist inzwischen 25 Jahre alt. Leni ist das erst mitgeritten, jetzt ist es aber zu alt, um noch weiter geritten zu werden und jetzt reite ich eben ihr Pferd mit.“ Unter einer Reitbeteiligung versteht man – vergleichbar zu einer Fahrbeteiligung – das Nutzungsrecht einer zusätzlichen Person für ein Pferd.

Mit Pferden immer im Kontakt

Die beiden Reiterinnen bringen viel Erfahrung mit – vor allem die Mengsbergerin Luisa Neubauer, die früher auf einem Reithof wohnte und schon von klein auf mit dem Reiten in Kontakt kam. Den besonderen Adrenalinschub gebe es beim Reitsport in erster Linie beim Springen: „Wenn die Sprünge hoch sind, dann ist das wie fliegen“, berichtet Neubauer begeistert. Für Leni Preisendörfer steht vor allem die Beziehung zum Pferd im Vordergrund: „Ich finde die Arbeit mit dem Pferd und mit Tieren allgemein einfach gut.“ Dabei ist es enorm wichtig, die Kontrolle über das Pferd zu behalten, auch in brenzligen Situationen: „Auch wenn es eigentlich schon fast unmöglich ist, muss man versuchen, ruhig zu bleiben und mit dem Pferd zu sprechen“, erläutert Preisendörfer.

Leni Preisendörfer (links) und Luisa Neubauer vom RFV Mengsberg mit ihrem Pferd Norano 2. Quelle: Yann Ruppersberg

Mit ihrem Pferd „Norano“ sind Preisendörfer und Neubauer jedoch nicht bei den Kreismeisterschaften am Sonntag, sondern nur bei den Prüfungen einen Tag zuvor angetreten. Im Springreiterwettbewerb sicherte sich Neubauer beispielsweise den fünften Platz bei einer Punktzahl von 7.1 – um bei den Kreismeisterschaften teilzunehmen, bedarf es aber etwas mehr: „Für die Kreismeisterschaften muss man Springreiter und E-Springen reiten“, schildert Neubauer. Der E-Springwettbewerb unterscheidet sich von dem Springreiterwettbewerb insbesondere in seinem Anspruch, da dort nicht nur die Ausführung, sondern auch die Zeit ein Faktor der Wertung durch die Richter ist.

Die Vorbereitung auf das Turnier

Derweil standen die diesjährigen Kreismeisterschaften in einem besonderen Licht: Erstmals bestand die Möglichkeit, die ausgebaute Reitanlage zu testen. So wurde auch der Boden erstmals beritten. „Unsere Vorbereitung auf das Turnier war dieses Jahr etwas stramm, weil wir das Reitgelände in acht Wochen aus dem Boden gestampft haben“, stellte der Erste Vorsitzende des RFV, Erwin Gabriel, fest. „Angefangen hat das Projekt mit der Aufschüttung für den Abreiteplatz. In der Zwischenzeit haben wir uns Formen gebaut für die Pfosten, die wir selbst gegossen haben. Dann haben wir alles geplant mit Mauerbau zum Festplatz hin, der Umzäunung und der Beregnung“, fügte Gabriel, der seit 1983 den Posten als Vorsitzender innehat, hinzu.

Dass ein solches Projekt ohne die tatkräftige Unterstützung entsprechender Sponsoren nur schwer verwirklicht werden kann, ist grundsätzlich klar. Dennoch bemühte sich der Reit- und Fahrverein, in vielerlei Hinsicht, selbst Hand anzulegen. „Die Firma Hainmüller hat uns mit Erdarbeiten unterstützt, aber den Rest haben wir eigentlich selbst gemacht“, sagte Gabriel. Dennoch sei das Projekt noch nicht abgeschlossen: „Wir müssen noch Ausgleichsmaßnahmen schaffen für versiegelte Flächen und um die Umrandung unten zwischen den Pfosten noch eine Abgrenzung machen, damit der Sand nicht vom Platz runterläuft“, nannte Gabriel noch Baustellen. Die endgültige Einweihung ist für das Pfingstturnier im kommenden Jahr geplant.

Heimische Stadtmeisterin

Bei den Kreismeisterschaften konnten indes einige heimische Teilnehmerinnen überzeugen. So kürte sich beispielsweise Malin Schautes vom RFV Oberlahntal mit ihrem Pferd „Wild One“ zur Stadtmeisterin in der Springprüfung der Klasse L und sicherte sich zudem den dritten Platz in der Stilspringprüfung der Klasse L. Anna Zürz und Anika Koch vom RFV Oberweimar ernannten sich jeweils zu Vizekreismeisterinnen, Zürz in der Stilspringprüfung der Klasse L und Koch in der Punktespringprüfung der Klasse M. Zudem wurde auch Mathilde Klein vom RSV Sterzhausen Zweite in der Springprüfung der Klasse A.

Von Yann Ruppersberg