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Lokalsport Auf dem Weg nach oben
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13:58 23.04.2021
Quelle: Nadine Weigel
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Biedenkopf

Im Gegenteil. In ihrem Heimatverein in Niederdresselndorf, einem Ortsteil von Burbach im Landkreis Siegen-Wittgenstein, kann ihr kaum einer das Wasser reichen – bei den Mädchen schon gar nicht. Alsbald kümmern sich ihre Volleyball-affinen Eltern Dörte und Leif darum, wie denn das Küken der Familie Otto weiter zu fördern sei.

Trainer Volkmar Hauf erkennt schnell ihre Fähigkeiten

Und schon kommt das immerhin 50 Kilometer entfernte Biedenkopf ins Spiel. Dort wird nämlich bei den Biedenkopf-Wetter Volleys (BWV) nicht nur auf höherem Niveau Volleyball gespielt, sondern auch kompetent vermittelt.

„Ich habe also ein Probetraining absolviert und dort in der weiblichen U 13 begonnen“, sagt Line. Ihr Trainer Volkmar Hauf – gut bekannt mit ihrem Vater – erkennt schnell, welch sportliches Juwel ihm da anvertraut wird. „Die Biedenkopf-Wetter Volleys haben unter der Regie von Volkmar Hauf eine hervorragende Struktur für die Talentförderung aufgebaut“, betont Leif Otto. Bei den BWV habe seine Tochter den nächsten Schritt gemacht.

Biedenkopf ist also Lines Sprungbrett für den Weg nach oben. Doch bis dahin ist es zunächst ein weiter und strapaziöser Weg. Ab 2017 heißt es für die Schülerin des Gymnasiums in Neunkirchen bei Siegen, dreimal pro Woche den Weg nach Biedenkopf anzutreten – 50 Kilometer hin, 50 Kilometer zurück für zweimal Training und ein Spiel am Wochenende. Wer das auf sich nimmt, hat eindeutige Ambitionen. Mama und Papa Otto sind sich einig und unterstützen ihr Kind nach Kräften.

14 bis 16 Stunden Training in der Woche

Inzwischen pritscht und baggert Line in der Jugend-U 16-Oberliga, der höchsten Jugend-Spielklasse in Hessen, sowie in der ersten Frauenmannschaft der Volleys – ebenfalls in der Oberliga. Der nächste Karriere-Schritt ist bereits eingeleitet. Die 1,80 Meter große Athletin ist inzwischen 14 Jahre alt und möchte nach der 9. Klasse, die sie im Sommer absolviert haben wird, in Münster ihren schulischen und sportlichen Weg weiter beschreiten. Dort befindet sich in unmittelbarer Nähe einer der fünf bundesweiten Stützpunkte für die weibliche Jugend des Deutschen Volleyballverbandes.

Das Aufnahmeverfahren sieht im März eine Probewoche in dem Internat mit dem Schwerpunktsport Volleyball vor. Line erhält einen der begehrten Plätze für die nächsten drei Jahre. „Die Stützpunkttrainer haben mir im Abschlussgespräch gesagt, sie hätten mich gerne dabei.“ Vor allem habe sie als Zuspielerin und in der Außenannahme gepunktet. Spielen wird sie künftig ab ihrem zweiten Jahr am Stützpunkt beim VC Olympia Münster. Im ersten Jahr wird sie noch in Biedenkopf spielen und so das Wochenende in der Heimat verbringen können.

Der Trainingsumfang wird 14 bis 16 Stunden pro Woche betragen, also mehr als das Dreifache wie bisher. Hinzu kommen die Wettbewerbsspiele und natürlich der schulische Alltag, in dem die Nebenfächer zugunsten ihres Sports auf ein Minimum eingedampft sind und auch sonst der Stundenplan um die Trainingseinheiten herum gebaut wird.

Mehrere hauptamtliche Trainer des Volleyballstützpunktes, einige Co-Trainer sowie medizinische Betreuer kümmern sich um die Nachwuchsspielerinnen. Die Mitarbeiter des Stützpunktes stehen im ständigen Austausch mit den Lehrern des Internats.

Perspektivisch ergibt sich für Line ein klares Bild. „Ich möchte gerne in der 1. Bundesliga spielen und somit als Profi tätig sein“, betont sie, räumt aber gleichzeitig ein: „Im Volleyball befindet man sich finanziell nicht mit dem Kopf über Wasser.“ Deshalb möchte sie sich voraussichtlich ein zweites Standbein schaffen und Grundschullehrerin werden.

Vorerst wird sie bei all der schulischen und sportlichen Belastung wenig Freizeit haben. Das ist ihr durchaus bewusst. „Wenn ich zum Stützpunkt gehe, dann ist meine erste Priorität der Volleyball.“ Aber es werde sicher auch Gelegenheiten geben, sich mit Freundinnen und Freunden zu treffen. Eben nur nicht so oft.

Von Bodo Ganswindt

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