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Lokalsport Auf dem Seitpferd „reitet“ er am liebsten
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11:58 15.05.2021
Andrey Likhovitskiy an seinem Lieblingsgerät – dem Seitpferd. 
Andrey Likhovitskiy an seinem Lieblingsgerät – dem Seitpferd.  Quelle: Jens Schmidt
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Biedenkopf

Wenn vom 23. Juli bis zu 8. August in der japanischen Hauptstadt Tokio das größte Sportfest der Welt über die Bühne geht, möchte er nicht nur dabei sein, sondern auch in seiner Lieblingsdisziplin am Seitpferd eine gewichtige Rolle spielen.

„Mein Wunschtraum ist es, das Finale der besten acht Turner zu erreichen“, sagt er über seine Ambitionen, die durchaus begründet zu sein scheinen. Kann er in dieser Disziplin doch auf etliche Erfolge in seiner langen Karriere verweisen, etwa den 10. Platz bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (2016), Rang drei bei den European Games in Minsk (2019) sowie weitere Topplatzierungen bei Weltmeisterschaften, der Weltcup-Serie und Erfolgen mit der KTV Obere Lahn in der deutschen Bundesliga.

Dass wegen der Corona-Pandemie die Spiele in Japan um ein Jahr verschoben worden sind, kam Likhovitskiy entgegen, zumal er seit 2019 an eine Schulterverletzung laborierte, die eine Operation erforderlich machte. Inzwischen ist seine Schulter wieder so hergestellt, dass sie belastbar ist.

Allerdings fehlt dem Athleten die Wettkampfpraxis auf internationaler Ebene. Derzeit feilt er an seiner Übung für Tokio, wo er auch an Reck und Barren antreten will. Dass ihm im hohen Turneralter das harte Training zunehmend schwerer fällt, räumt er ein, ebenso wie die Tatsache, „dass auch viele andere Turner gut sind“.

Doch am 24. Juli, dem ersten Qualifikationstag für die Turner, will er bereit sein, sich den großen Traum zu erfüllen. Dass er das Startrecht erhielt, ist dem Umstand zu verdanken, dass er sich bereits 2010 dem belarussischen Verband angeschlossen hat, nachdem er sich in Russland nicht für die Top 6 der Nationalmannschaft hatte qualifizieren können.

„2011 habe ich den Pass von Belarus bekommen und im selben Jahr in der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Tokio geturnt“, sagt er, der seit 2012 mit Ehefrau Lubov in Biedenkopf lebt, wo der Sportlehrer für die KTV Obere Lahn in der Bundesliga geturnt hat. Aktuell arbeitet er bei der KTV in fester Anstellung als Trainer des 9- bis 18-jährigen Nachwuchses.

Politische Verhältnisse

nimmt er aus der Ferne wahr

Die politischen Verhältnisse in seiner sportlichen Wahlheimat Belarus, wo Machthaber Alexander Lukaschenko die Opposition niederknüppeln lässt, nimmt Likhovitskiy nur aus der Ferne wahr. „Es ist eine schwierige Situation“, betont er, „man kann nur schwer sagen, was dort wirklich passiert.“

Zwei Wochen vor der Reise nach Tokio wird Likhovitskiy sich mit seinem Coach in ein Trainingslager unter Quarantäne begeben. Corona hat nach wie vor großen Einfluss auf das Sportgeschehen.

„Alle Sportler dürfen nicht früher als fünf Tage vor ihrem Wettkampf nach Tokio kommen und müssen spätestens zwei Tage nach ihrem Wettkampf wieder abreisen“, sagt er. Und weil die Turner recht früh mit ihren Disziplinen dran seien, werde er auch nicht an der Eröffnungszeremonie teilnehmen können.

Von Bodo Ganswindt