Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Anna-Lena Weiershäuser führt ein Leben auf dem Rücken der Pferde
Anna-Lena Weiershäuser führt ein Leben auf dem Rücken der Pferde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 27.12.2021
Distanzreiterin Anna-Lena Weiershäuser auf Shamaal im Euston Park in England.
Distanzreiterin Anna-Lena Weiershäuser auf Shamaal im Euston Park in England. Quelle: Privatfoto
Anzeige
Caldern

Sie wirkt ein wenig reserviert, gleichwohl vermittelt Anna-Lena Weiershäuser souverän und dennoch liebenswürdig etwas davon, was einen großen Teil ihres Lebens ausmacht: der Umgang mit auf Ausdauer trainierten Pferden, das Erleben dieser Tiere bei Ritten über große Distanzen und das Zusammenspiel von Reiterin und Pferden.

Inzwischen sind es 10 000 Kilometer, die die 33-jährige Kauffrau, die bei einem großen Pharmaunternehmen im Personalwesen tätig ist, allein in Wettkämpfen in Deutschland, Europa und Asien mit ihren Pferden absolviert hat. Im Training haben sie leicht die 20-fache Distanz unter die Hufe genommen.

Pferde haben großen Spaß am Laufen

„Beim Distanzreiten handelt es sich um eine Art Marathon zu Pferde“, sagt sie. Dabei werden Strecken von 30 bis zu 160 Kilometern bewältigt – mit Pausen alle 20 bis 40 Kilometer. Die Tiere werden tierärztlich kontrolliert. Jedes Pferd, das sich dabei als nicht fit erweist, wird aus dem Wettbewerb genommen. Überdies finden Überprüfungen vor dem Start und nach der Beendigung des Rennens statt. „Es kann durchaus passieren, dass ein Pferd noch nach dem Wettkampf aus der Wertung genommen wird, wenn sich herausstellt, dass es Schaden erlitten hat“, betont Weiershäuser.

Doch grundsätzlich erlebe sie es so, dass die Tiere großen Spaß am Laufen haben. „Ich habe noch nie ein Pferd treiben müssen. Im Gegenteil, ich muss alle meine Pferde auch bis zum Ziel noch bremsen, und das freudige Wiehern, mit dem sie mir entgegen galoppieren, wenn ich sie von der Weide hole, spricht für sich.“

Allerdings ist es ein langer Prozess, bis ein Pferd so weit ist, dass es über lange Zeit laufen kann. „Es braucht mindestens vier Jahre,“ sagt Weiershäuser, die auf dem Gestüt Birkenhof ihrer Eltern lebt. Im Alter von vier oder fünf Jahren werden die von ihr großgezogenen Tiere eingeritten. „Sie müssen den Sattel dulden.“ Erst dann – mit sechs Jahren – beginnt die eigentliche Ausbildung.

Der Konditionsaufbau erfolgt über Ausritte vor allem in der Gangart Schritt, ehe längere Galopp- und Trabphasen in Angriff genommen werden können. Mit zunehmender Dauer wird die Strecke verlängert und das Tempo erhöht. Die Lahntalerin hat rund um ihren Heimatort Caldern unter anderem eine 45 Kilometer lange Trainingsstrecke gefunden, auf der sie sich mit ihren Pferden bewegt.

Der Wettkampf als solcher stellt noch einmal besondere Ansprüche an Pferde und Reiterin. Doch Weiershäuser und ihre Pferde sind diesen gerecht geworden und haben sich in Deutschland und weit darüber hinaus einen Namen gemacht. „Meine Oldies Jaba (24) und Sharik (22) haben mich Tausende Kilometer im Training und auf Wettkämpfen zu vielen Siegen getragen, sind heute noch bei bester Gesundheit und werden regelmäßig geritten“, sagt sie. Zu Buche stehen im Laufe der vielen Jahre zahlreiche Siege und herausragende Platzierungen (siehe untenstehende Infobox).

Über all die Jahre sind viele freundschaftliche Beziehungen entstanden. So wird etwa 2013 der Cheftrainer aus Abu Dabi auf Weiershäuser aufmerksam, als er gegen sie eine Niederlage einstecken muss. Er lädt sie einen Monat später zu einem Wettkampf in seiner Heimat ein. Inzwischen kann die Deutsche auf mehr als zwei Dutzend Besuche auf der arabischen Halbinsel zurückblicken.

Distanzreiten ist beliebter als der Fußball

„Ich habe dort mehrere Winter gearbeitet und gelebt, Pferde trainiert und Wettkämpfe absolviert.“ Das Distanzreiten sei in Arabien so populär wie der Fußball in Europa und stoße auf ein „riesengroßes Publikumsinteresse“. „Für die meisten Frauen und Männer ist es dort ein Traum, an einem Distanzrennen teilnehmen zu können.

Inzwischen ist Weiershäusers Lebensmittelpunkt wieder in Deutschland, wo sie nach wie vor dem Distanzreiten verbunden ist und bei Wettkämpfen antritt. „Es sind Bewerbe um des Wettkampfes willen“, betont sie. Hohe Geldpreise seien in der Regel nicht zu erwarten. „Der Sport kostet Geld und bringt keines ein“, sagt sie, „deswegen gehe ich arbeiten.“

Von Bodo Ganswindt