Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Das Team hat es ihm angetan
Das Team hat es ihm angetan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:47 23.12.2021
Sonny Weishaupt (rechts, hier gegen die Allgäu Comets) ist Spielmacher bei den Footballern der Marburg Mercenaries – auch in der kommenden GFL-Saison.
Sonny Weishaupt (rechts, hier gegen die Allgäu Comets) ist Spielmacher bei den Footballern der Marburg Mercenaries – auch in der kommenden GFL-Saison. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

In Sonny Weishaupt hat einer der wichtigsten Spieler der Marburg Mercenaries seine Zusage für die kommende Spielzeit in der German Football League (GFL) gegeben. Mit der OP sprach der 29-jährige Quarterback, was passieren muss, damit die nächste Spielzeit besser läuft, über seine Ambitionen in und mit der neu ins Leben gerufenen Football-Nationalmannschaft und den Hype der Sportart hierzulande.

Herr Weishaupt, Sie hatten bereits nach dem letzten Saisonspiel Anfang September kundgetan, dass Sie gerne kommende Saison bei den Mercenaries bleiben würden. Nun kam die offizielle Mitteilung, dass Sie bleiben, knapp drei Monate später. Woran lag das?

Die Entscheidung steht schon länger fest, sie wurde aber jetzt erst öffentlich gemacht. Einen Monat nach Saisonende hatte ich mit Carsten (Dalkowski, Mercenaries-Präsident, Anmerkung der Redaktion) ein längeres Gespräch. Darin sind wir uns relativ schnell einig geworden. Ich hatte natürlich auch ein paar Bedingungen geäußert – etwa die Entscheidung zu einem neuen Offense Coordinator, da Tim Bishop uns verlassen hat. Ich hoffe und vertraue darauf, dass dies bald geschehen wird, dass bald jemand Kompetentes kommt, damit wir schnellstmöglich an die Arbeit gehen können. Darin bestand vergangene Saison das größte Manko.

Lagen Ihnen auch konkrete Angebote anderer Vereine vor?

Ja, die gab es. Aus dem europäischen Ausland hatte ich viele Angebote. Mit meiner privaten und beruflichen Situation sind sie aber nicht kompatibel. Ich mache gerade meinen Master in Sportmanagement an der TU Darmstadt und bin in einem großen Darmstädter Sportverein in multipler Funktion tätig, unter anderem beauftragt für Inklusion und Integration, ich betreue die Schul-AGs mit und arbeite im Gesundheitszentrum. Außerdem habe ich hier eine schöne Wohnsituation. Die Fahrt nach Marburg zum Training und zu Spielen ist machbar, am Ausland hatte ich aber kein Interesse.

Was hat Sie aus sportlicher Sicht bewogen, bei den Marburg Mercenaries zu bleiben?

Das Team vor allem, die Arbeit mit vielen Spielern. Hervorzuheben sind mein langjähriger Freund und Wegbegleiter Martin Aab sowie Merlin Det­roy, mit dem ich als Teamkapitän viel zusammengearbeitet habe. Zu nennen sind aber auch Niklas Fengler, Philipp Eichhorn oder Matthias Koch. Das sind Spieler, mit denen es unheimlich viel Spaß macht zusammenzuarbeiten und mit denen ich etwas bewegen will – wohlwissend der widrigen Umstände in diesem Jahr mit Corona, des Wechsels des Offense Coordinators vor der Saison oder des Verletzungspechs bei den Importspielern.

Was sind Ihre Ziele für die kommende Saison in der GFL?

Auf jeden Fall die Playoffs. Das muss unser Ziel sein, war es ja auch in diesem Jahr schon. Es gab zwar herbe Niederlagen gegen Schwäbisch Hall oder die Saarland Hurricanes, aber unabhängig davon wäre für uns mehr drin gewesen. Das wollen wir nächstes Jahr zeigen.

Was muss passieren, damit das möglich wird?

Der Trainerstab muss ausgeweitet werden, der war in diesem Jahr schon einer der kleinsten der gesamten Liga, was in erster Linie der Corona-Situation geschuldet war. Aber in diesem jungen Team brauchen wir optimale Coaching-Bedingungen, ein Trainer kann nicht alles alleine machen. Was das Team angeht, können junge Spieler, die sich schon bewiesen haben, noch ein, zwei Schippen drauflegen und sich etablieren. Wenn wir dann von Verletzungen verschont bleiben, würde es schon viel helfen. Wenn Marcus Cox gespielt hatte, war er einer der Top-Runningbacks der Liga, er war aber nur in fünf Spielen voll einsatzfähig. Aber als Import nur 50 Prozent der Spiele zu absolvieren, reicht eben nicht.

Wie sieht die Vorbereitung in der Off-Season aus?

In erster Linie zählt körperliche Fitness, dafür ist jeder Spieler zunächst selbst verantwortlich – wenngleich wir einen sehr guten Team-Trainingsplan haben. Mit Beginn des neuen Jahrs werden wir nach und nach wieder zusammenkommen, um erste Einheiten zu bestreiten. Deshalb ist es auch so wichtig, den Vertrag mit einem neuen Offense-Coach zu finalisieren. Denn je früher wir ein System lernen können, desto mehr Zeit haben wir, es zu verinnerlichen.

Lassen Sie uns auf die deutsche Nationalmannschaft zu sprechen kommen, die nach vier Jahren „wiederbelebt“ wurde. Freut sie dies als deren letzter Quarterback besonders?

Ich sehe dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit einem weinenden, weil es vier Jahre Spielmöglichkeit gewesen wäre, die es nun nicht gab. In dieser Zeit hätte ich mich in einer Führungsposition etablieren und mehr Länderspielerfahrungen sammeln können. Mit einem lachenden Auge sehe ich es, weil es nun wieder die Möglichkeit gibt, sich bald wieder auf internationaler Bühne messen zu können. Das ist eine wunderbare Möglichkeit für jeden Sportler.

Wie lief das erste Sichtungscamp der Nationalmannschaft für Sie in Schwäbisch Hall?

Es hatte etwas von Familientreffen-Atmosphäre, weil ich einige Spieler schon seit zwölf Jahren aus der Jugend-Nationalmannschaft kenne. Sich in so einem elitären Rahmen zu treffen, ist einfach schön. Insgesamt waren unfassbar viele Spieler mit unfassbar viel Talent dabei. Ganz objektiv gesehen, dürfte aber klar sein, wen die Trainer im Auge haben. Moritz Böhringer (früherer Spieler der NFL-Teams Minnesota Vikings und Cincinnatti Begals, Anm. d. Red.), um mal einen prominenten Namen zu nennen, wird sich wohl keine Sorge um seine Nominierung für den Kader der deutschen Nationalmannschaft machen müssen.

Sonny Weishaupt

Machen Sie sich denn sorgen um Ihre Nominierung?

Gar nicht – aber nicht, weil ich überheblich an die Sache herangehe. Ich kann es aber nicht kontrollieren. Ich habe mir aber eine Vita und einen Namen aufbauen können und bin mega-heiß, das fortzuführen und erfolgreich zu spielen. Ich werde mir deswegen aber nicht den Kopf zerbrechen. Ich würde mich aber freuen, wenn es so kommt.

Also Sie würden schon gerne ein wichtiger Teil des Teams werden?

Auf jeden Fall. Wenn es sich ergibt, nehme ich die Aufgabe extrem gerne und mit Ehre an.

Ist die Football-Weltmeisterschaft, die 2023 in Deutschland stattfinden wird, ein zusätzlicher Ansporn für Sie?

Grundsätzlich ist es immer eine Ehre, für sein Land zu spielen. Ich habe die Erfahrung noch nie machen dürfen, für Deutschland in Deutschland zu spielen, insofern wäre es schön – wahrscheinlich dann auch im Rhein-Main-Gebiet. Das Stadion in Frankfurt ist wunderbar, dort herrscht eine tolle Kulisse. Ich habe ja dort schon ein paar Mal spielen dürfen. Ich wäre aber auch nicht böse, wenn die Weltmeisterschaft in Österreich oder Italien stattfinden würde – so oder so wäre es eine Riesenehre, dabei zu sein.

Hat eine Heim-WM das Potenzial, den Football-Hype hierzulande zu verstärken – oder eher die NFL-Spiele, die ab kommendem Jahr in Deutschland ausgetragen werden?

Wünschenswert wäre eine Verbindung aus beidem. Es ist eine Frage der Vermarktung. Bei der Heim-EM 2010 war ich noch als Zuschauer in den Stadien und überrascht von der mangelnden Werbung. Letzten Endes waren dort nur die Football-affinen Fans, weil sie die besten Spieler Deutschlands sehen wollten. Es wurde einfach nicht genügend Werbung geschaltet. Bei den NFL-Spielen in Deutschland können wir uns hingegen sicher sein, dass es medial sowas von ausgeschlachtet werden wird, dass jeder – egal, ob mit oder ohne Bezug zum Football – wissen wird: ,Da findet heute ein NFL-Spiel statt.’

Wie sieht eigentlich Ihre langfristige Karriereplanung aus?

Das hängt mit meiner beruflichen Situation zusammen – je nach dem, wie schnell ich mit dem Master durchkomme. Körperlich fühle ich mich fit und hätte nichts dagegen, wenn ich – wie schon mal gesagt – meine Karriere in Marburg ausklingen lassen könnte. Wie viele Saisons es letztlich werden, kann und will ich aber noch gar nicht sagen.

Von Marcello Di Cicco

Spieltermine der Mercenaries in der kommenden GFL-Saison

Die Saison 2022 in der German Football League (GFL) startet für Quarterback Sonny Weishaupt und die Marburg Mercenaries am Wochenende 21./22. Mai mit einem Auswärtsspiel gegen die Munich Cowboys. Den Heim-Auftakt bestreiten die „Söldner“ am 4./5. Juni mit dem Hessenderby gegen Frankfurt Universe.

Weitere Spiele der Mercenaries in der GFL-Saison 2022:
11./12. Juni: Saarland Hurricanes (A).
25./26. Juni: Munich Cowboys (H).
2./3. Juli: Straubing Spiders (A).
16./17. Juli: Schwäbisch Hall Unicorns (H).
23./24. Juli: Allgäu Comets (A).
30./31. Juli: Saarland Hurri­canes (H).
20./21. August: Frankfurt Universe (A).
27./28. August: Ravensburg Razorbacks (H).

GFL-Rahmenterminplan für die Saison 2022:
21./22. Mai: Erster Hauptrunden-Spieltag
9./10. Juli und 3./4. September: Nachholtermine
27./28. August: Letzter Hauptrunden-Spieltag
10./11. September: Viertelfinale
10./11. September und 24./25. September: Relegation
17./18. September: Halbfinale
2. Oktober: Endspiel um den German Bowl XLII mdc