Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Sonny Weishaupts Vorfreude auf die GFL-Saison
Sport Lokalsport Lokalsport Sonny Weishaupts Vorfreude auf die GFL-Saison
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 05.02.2021
Sonny Weishaupt im Jahr 2017 in einem Spiel der Frankfurt Universe gegen Marburg. In der Saison 2021, die im Juni beginnen soll, spielt der Quarterback selbst bei den Mercenaries, mit denen er in die Play-offs einziehen will.
Sonny Weishaupt im Jahr 2017 in einem Spiel der Frankfurt Universe gegen Marburg. In der Saison 2021, die im Juni beginnen soll, spielt der Quarterback selbst bei den Mercenaries, mit denen er in die Play-offs einziehen will. Quelle: imago/Eibner
Anzeige
Marburg

Kansas City Chiefs oder Tampa Bay Buccaneers? Am Sonntag, nach deutscher Zeit in der Nacht auf Montag (Kick-off um 0.30 Uhr), treffen der Titelverteidiger und das Heimteam im Super Bowl, dem Finale der National Football League aufeinander. 22.000 Fans können trotz Corona-Pandemie im Stadion dabei sein, weltweit werden Hunderte Millionen vor dem Fernseher zuschauen, viele auch in Deutschland – wie Sonny Weishaupt.

Der Quarterback der Marburg Mercenaries freut sich „einfach auf ein gutes Spiel“, sagt er im Gespräch mit der OP. Anhänger einer Mannschaft – der Chiefs, der Bucs oder eines anderen NFL-Teams – ist er nicht: „Ich habe die Liga immer nur aus Sportlersicht verfolgt, dem Fankult bin ich nie verfallen.“

Eher ein Quarterback wie Brady, aber athletischer

Fan ist er eher von einzelnen Spielern. Zu denen, die ihm imponieren, gehören Tom Brady und Patrick Mahomes, die Spielmacher der Bucs und der Chiefs: Der 43-jährige Brady, mit den New England Patriots bereits sechsfacher Super-Bowl-Champion, gilt als größter Spieler aller Zeiten – dem 18 Jahre jüngeren Mahomes, im Vorjahr erstmals Titelträger, wird zugetraut, irgendwann an diesem Status rütteln zu können. „Er hat das Quarterbacking noch mal auf ein ganz anderes Level gehoben“, sagt Weishaupt über den 25-Jährigen. „Er schafft es aus der Bewegung nach links als Rechtshänder aus dem Handgelenk noch einen Pass über gefühlt 60 Yards zu werfen, das ist krass.“

Und welchem Spielertyp entspricht er selbst eher? Eine besondere Fähigkeit Bradys ist es, ein Spiel lesen zu können und Möglichkeiten zu erkennen – darin sieht auch Weishaupt eine seiner Stärken. Er sei aber, „ein gutes Stück athletischer, als es Brady auch zu seinen besten Zeiten war. Er ist nie ein besonders mobiler Quarterback gewesen“, sagt der 28-Jährige, betont: „Dabei spreche ich von europäischen Standards. Die NFL ist insgesamt eine ganz andere Hausnummer, das Niveau ist nicht zu vergleichen.“

Rückkehr nach Marburg mit viel Erfahrung

2012 begann Weishaupts Karriere in der German Football League – bei den Mercenaries, die er 2013 in Richtung Vereinigte Staaten, in Richtung eines Colleges in Iowa verließ. „Der Kreis schließt sich“, sagt er. Bereits 2020 stand er bei den „Söldnern“ unter Vertrag, die Saison wurde Corona-bedingt abgesagt. Nun hofft er, dass tatsächlich ab Juni gespielt wird, dass er auf dem Feld unter Beweis stellen kann, dass es die richtige Entscheidung der Vereinsverantwortlichen gewesen ist, ihn als Starter, als Stamm-Quarterback zurückzuholen.

„Ich bin kein Youngster mehr. Ich freue mich, in die Veteran-Rolle reinzukommen“, sagt er, will die Erfahrung, die er in den USA, dann in der zweiten Liga in Darmstadt, in der GFL in Mannheim, in Frankfurt und in Braunschweig, zwischendurch in Frankreich bei den Grenoble Centaures und auch in der deutschen Nationalmannschaft gesammelt hat, einbringen, jungen Spielern helfen, besser zu werden. Er ist jetzt ein Anführer. „Das ist für mich eine neue Rolle und eine Herausforderung, auf die ich mich aber sehr freue.“

Training auf dem Platz ist durch nichts zu ersetzen

Die Vorbereitung hat bereits begonnen – überwiegend läuft sie bislang virtuell: „Man kann zu zweit ein paar Würfe machen. Und man versucht, sich individuell so gut es geht fit zu halten“, erzählt Weishaupt. „Aber Spielzüge kann man aktuell nur in Online-Meetings besprechen. Die Theorie muss man irgendwann auch in Praxis umsetzen. Man muss am Timing arbeiten, muss die Automatismen reinbekommen. Das geht nur mit Training auf dem Platz.“ Das läuft in Marburg noch nicht. „Bei den anderen Teams ist es aber nicht anders. Wichtig ist, dass alle die gleichen Rahmenbedingungen haben.“

Die Marburger Mannschaft sei zwar im Umbruch, erklärt Weishaupt, aber es stecke „eine Menge Potenzial“ in ihr. Das Erreichen der Play-offs sei ein „realistisches Ziel“. Bis zum geplanten GFL-Saisonstart Anfang Juni dauert es noch einige Zeit. Ungleich näher ist das NFL-Finale. Wer gewinnt es? Einen klaren Favoriten hat der Mercenaries-Quarterback nicht: „Wenn ich mich entscheiden müsste“, sagt er, „würde ich auf die Chiefs setzen.“

Von Stefan Weisbrod