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Lokalsport Nadine Nurasyid ist die erste Cheftrainerin in der GFL
Sport Lokalsport Lokalsport Nadine Nurasyid ist die erste Cheftrainerin in der GFL
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10:59 25.06.2022
Sie hat bei den Munich Cowboys das Sagen: Nadine Nurasyid.
Sie hat bei den Munich Cowboys das Sagen: Nadine Nurasyid. Quelle: Harald Bremes/imago
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München / Marburg

Läuft bislang gut für die Munich Cowboys. Drei Saisonspiele hat das Münchner Team bislang in der German Football League bestritten, alle drei gewonnen: zuletzt mit 28:21 gegen die Saarland Hurricanes, davor mit 79:8 bei der Frankfurt Universe, zum Auftakt mit 19:7 gegen die Marburg Mercenaries. Am Sonntag kommt es zum Rückspiel gegen die „Söldner“, diesmal in Marburg. „Das wird ein offenes Ding. Wir erwarten ein hartes Spiel“, sagt Nadine Nurasyid. Sie ist Headcoach der Cowboys – als erste und bislang einzige Frau in der German Football League. Die 36-Jährige hat Geschichte geschrieben, schreibt sie weiterhin.

Stört es sie, darauf angesprochen zu werden? „Nein, gar nicht“, sagt Nurasyid im Gespräch mit der Oberhessischen Presse. „Es ist eben ein Novum und erregt eine gewisse mediale Aufmerksamkeit.“ Dass sich das irgendwann ändert, dass es „normal wird, dass Frauen diese Rolle bei Footballteams und auch in anderen Sportarten haben“, wünscht sie sich. „Vielleicht ist es in ein paar Jahren nicht mehr so ein Thema.“ Eventuell gilt sie dann als Vorreiterin; sie hätte „absolut nichts dagegen“.

Vom Balett über Kampfsport bis zum Fußball

Erst mit 27 Jahren hatte sie zum American Football gefunden, im Frauenteam in München begonnen. Auch vorher hatte sich die Sportwissenschaftlerin und Athletiktrainerin sportlich betätigt, in vielfältiger Weise: vom Ballett über den Kampfsport bis zum Fußball. „Seitdem ich zum Football gekommen bin, gibt es für mich auch nur noch Football“, erzählt sie. Sie spielte selbst im Club und bald auch im Nationalteam, vorzugsweise als Safety oder Outside Linebacker, fing zudem nach einer Zeit mit dem Coaching an. Es wurde zu ihrer Leidenschaft. Bei den Straubing Spiders war sie für Spieler einzelner Positionen zuständig, dann, 2018, als Defensive Coordinator für die gesamte Verteidigung des damaligen Zweitligisten.

Sie kehrte zurück nach München, wo sie in der vergangenen Spielzeit die Verantwortung für die Defensive trug. Die hat sie weiterhin inne – und eben nun auch die als Headcoach, als Chefin des gesamten Trainerteams. Es sei ihr Traum gewesen, irgendwann einmal in eine solche Position zu kommen. Dafür hat sie gelernt, ist auch in die USA gereist, um sich Tipps und Inspirationen zu holen – 2018 schon einmal, vor wenigen Monaten dann nochmals, war Gast an der University of Alabama, deren Coach Nick Saban eine Reihe von späteren NFL-Stars geformt hatte. Saban hat sich mehrfach für Frauen im Football stark gemacht. Trainerinnen, meinte er, hätten einen anderen Blick auf den Sport, das sei ein großer Vorteil.

Ziel: möglichst erfolgreich sein

Ist das so? Nurasyid kann es nicht sagen; sie habe „ja nicht den direkten Vergleich“. Sie hat Aufgaben, die will sie bestmöglich erfüllen: ein Team aufzubauen und zu entwickeln, möglichst erfolgreich zu sein. Der Start in die Saison hätte besser kaum sein können – auch „wenn es sicher noch einiges zu verbessern gibt“. Vor allem Punkte aus den Heimspielen gegen die Mercenaries und die Hurricanes könnten „am Ende sehr wertvoll“ werden, sieht sie doch beide als direkte Konkurrenten. In welchem Bereich? „Schwäbisch Hall wird am Ende ziemlich sicher oben stehen, Frankfurt wahrscheinlich unten. Dazwischen ist alles offen.“

Dazwischen, das ist der Bereich, in dem es um drei weitere Tickets für die Playoffs geht. Die wollen sowohl die Cowboys als auch die Mercenaries erreichen. Entsprechend wichtig ist die bevorstehende Partie, weiß auch Nurasyid: „Wir haben eine lange Anreise und Marburg hat die Fans im Rücken. Das macht es für uns umso schwerer, aber wir wollen auch dieses Spiel gewinnen.“

Von Stefan Weisbrod