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09:49 13.10.2021
Ein GFL-Spiel der Mercenaries gegen Allgäu Comets. Das Marburger Team hatte die Playoffs dieses Jahr klar verpasst.
Ein GFL-Spiel der Mercenaries gegen Allgäu Comets. Das Marburger Team hatte die Playoffs dieses Jahr klar verpasst. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

In den Vereinigten Staaten hat die National Football League (NFL) Fahrt aufgenommen, seit rund einem Monat läuft die Saison. In den europäischen Topligen ist die Spielzeit hingegen zu Ende. Am vergangenen Wochenende sicherten sich die Dresden Monarchs erstmals den Titel in der German Football League (GFL), zwei Wochen zuvor gewann die Frankfurt Galaxy das erste Finale der European League of Football (ELF). Es sieht so aus, dass es auch im nächsten Jahr zwei Ligen auf ähnlichem sportlichen Niveau nebeneinander geben wird.

Carsten Dalkowski, nicht nur Präsident der Marburg Mercenaries, sondern auch Vorsitzender des GFL-Ligaverbunds, ist „erst einmal froh, dass wir die Saison durchgespielt haben“. Das sei in Anbetracht der Pandemie das Wichtigste gewesen. „Die Bilanz fällt daher durchaus positiv aus“, sagt er wenige Tage nach dem German Bowl und einer Versammlung der Verantwortlichen der GFL-Clubs. „Es war ein riesiger Aufwand, damit wir die Spiele austragen konnten. Wir sind froh, dass er sich gelohnt hat, dass wir es geschafft haben, den Sport und die Liga am Leben gehalten zu haben.“ Die Saison 2020 war Corona-bedingt komplett ausgefallen.

Kritik: ELF profitiert, ohne sich an Kosten zu beteiligen

Die Zuschauerzahlen lagen an allen Standorten unter dem Niveau von 2019, berichtet Dalkowski – diese Entwicklung gibt es aber auch in anderen Sportarten, selbst in der Fußball-Bundesliga sind zuletzt häufig trotz reduzierter Kapazitäten Tickets unverkauft geblieben. Auch der „Mitbewerber“, wie der Marburger die ELF nennt, macht es der GFL und ihren Clubs „nicht leichter“, sagt Dalkowski offen, verbunden mit klarer Kritik an der neuen Liga, die außerhalb des organisierten Sportsystems steht: „Da wird versucht, von unserer Arbeit zu profitieren. Bei uns gibt es ein Solidarsystem, bei dem jeder Geld einzahlt und die Kosten trägt, die durch das System entstehen. Die ELF setzt sich daneben und wartet, was sie aus dem System abschöpfen können, ohne sich an den Aufwendungen dafür zu beteiligen.“ Versuche, darüber mit den Verantwortlichen der ELF zu sprechen, seien gescheitert: „Die wollen nur ihr eigenes Ding machen und sich mit dem Rest offenbar nicht beschäftigen.“

Gelitten hätten darunter vor allem Vereine aus Städten und Regionen, in denen ELF-Franchises entstanden sind: In Frankfurt etwa wechselte ein Großteil der Spieler und Trainer der Universe zur Galaxy. In Stuttgart entstand Surge, bediente sich bei GFL-Club Scorpions, dessen unerfahrene Mannschaft nun abgestiegen ist, nachdem sie Letzter der Südgruppe geworden war und auf die Relegationsspiele verzichtete. Und die Elmshorn Fighting Pirates hätten 2020 erstmals in der GFL spielen sollen. Die Saison fiel aus, danach schloss sich fast das komplette Personal den Hamburg Sea Devils an. Dalkowski dazu: „Die Vereinsarbeit über viele Jahre ist auf einen Schlag dahin gewesen.“

Die ELF und ihre Franchises wurden mit Investorengeld aufgebaut. „Solange das fließt, wird es die Liga geben“, ist Dalkowski bewusst, erwartet, dass es ein Zuschussgeschäft bleibt. „Die Frage ist, wie lange da jemand jedes Jahr drauflegen will“, sagt er, spricht von einem „Millionengrab“. Die GFL und ihre Vereine werden absehbar weiter mit der ELF um Spieler, Trainer, Fans und Sponsoren auf dem nicht allzu großen europäischen beziehungsweise deutschen American-Football-Markt konkurrieren, müssen die Herausforderung annehmen.

Das gilt auch für den AFV Marburg Mercenaries. Finanziell ist der dank Corona-Hilfen bislang „mit einem hellblauen Auge“, wie es Vereinspräsident Dalkowski ausdrückt, durch die Pandemie gekommen. Sportlich lief die Saison 2021 auch aufgrund zahlreicher Verletzungen alles andere als gut, gab es nur zwei Siege, aber acht Niederlagen. Am Kader fürs nächste Jahr wird bereits gearbeitet. „Dann werden wir wieder die Playoffs angreifen“, kündigt Dalkowski an.

Von Stefan Weisbrod