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Lokalsport Amanda-Nora Kosich ist Karateka aus Leidenschaft
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15:00 24.11.2021
Amanda-Nora Kosich (rechts) vom Karate-Dojo Marburg holte bei den Deutschen Meisterschaften die Bronzemedaille.
Amanda-Nora Kosich (rechts) vom Karate-Dojo Marburg holte bei den Deutschen Meisterschaften die Bronzemedaille. Quelle: Fotos: Alexej Scheffler
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Marburg

Ein junges Mädchen läuft fast jeden Tag an einer Kampfsporthalle vorbei. Meistens hält sie kurz inne. Schaut durch die Glasscheibe die Menschen mit ihren weißen Karate-Gi und den bunten Gürteln genau an. Erst dann geht es weiter zum Wohnhaus der Großmutter. So erinnert sich Amanda-Nora Kosich, die mittlerweile 20 Jahre alt ist und aufgrund ihres Pharmazie-Studiums seit zwei Jahren in Marburg lebt, an die Anfänge ihrer Karate-Zeit.

Die Faszination am Sport lässt die gebürtige Leipzigerin auch nach knapp zehn Jahren nicht los. „Ich fand Karate gleich interessant. Die sich synchron bewegenden Kämpfer haben mich gleich gefesselt. Ich habe mich allerdings nicht getraut, mal reinzugehen und nach einem Probetraining zu fragen“, erinnert sich Kosich.

Irgendwann stand die damals Zehnjährige wieder vor der Scheibe und der Karate-Trainer winkte ihr zu. „Ich bin so schnell es ging nach Hause gerannt und habe es meinem Papa erzählt. Danach ist er mit mir in die Halle gegangen und hat mich zum Probetraining angemeldet“, sagt Kosich, die ergänzt, dass dem Coach aufgefallen sei, dass sie öfter vor der Halle gestanden habe und er ihr mit dem Winken signalisieren wollte, dass sie in das Training kommen könnte.

Ein Teil des Bundeskaders

Bereits dieser Verein praktizierte das traditionelle japanische Shôtôkan-Karate, weshalb sich die Studentin bei ihrem Umzug nach einem Dojo umschaute, das diese Art von Karate trainierte. Im Karate-Dojo Marburg wurde sie fündig. „Seit Februar 2020 bin ich auch ein Teil des Bundeskaders. Um an internationalen Wettkämpfen teilnehmen zu können, muss man vom Bundestrainer immer wieder zum Training eingeladen werden. Dabei sind selbstverständlich die Platzierungen bei Wettkämpfen enorm wichtig“, erklärt Kosich, die sich bei einem Sichtungstag empfehlen konnte.

Ihr Debüt beim ersten internationalen Wettkampf hätte die Studentin bei der JKA-Championship im Oktober dieses Jahres in England gegeben. „Es war schade, dass es kurzfristig aufgrund der Corona-Lage abgesagt werden musste. Aber es wird neue Möglichkeiten für mich geben, bei internationalen Turnieren, die im Ausland ausgetragen werden, dabei zu sein“, sagt Kosich, die sich in diesem Monat beim internationalen Turnier des DJKB in Bottrop, dem JKA-Cup, den dritten Platz bei den Juniorinnen sicherte. Neben deutschen Karateka traten auch Sportlerinnen und Sportler aus Frankreich, Norwegen sowie der Schweiz an.

Wegen eines Unfalls und dem daraus resultierenden Staus verpasste das Karate-Dojo Marburg fast die Deutschen Meisterschaften in Bochum, weshalb das Team beim JKA-Cup eine Stunde früher losfuhr. „Die Deutschen Meisterschaften waren uns eine Lehre, nachdem wir zwei Stunden im Stau standen. Dort gab es einen festen Zeitplan und nach unserer einstündigen Verspätung musste ich direkt – ohne mich warm zu machen – in den Kampf“, sagt Kosich, die anfangs Schwierigkeiten hatte, in den Rhythmus des Kampfes hineinzukommen.

„Vielleicht war das aber auch nicht schlecht, weil ich so nicht viel nachdenken konnte“, merkt die Karateka an, die sich die Bronzemedaille bei den Junioren sicherte.

Der Sport und das Studium

„Da seit knapp zwei Jahren keine Turniere stattgefunden haben, wusste man nicht, ob sich die Gegnerinnen verbessert haben, und man selbst konnte seine Leistungen auch schwierig einschätzen“, merkt Kosich an, die während des nicht stattfindenden Trainings mehr für die Uni lernte. Ihre Noten verbesserten sich dadurch jedoch nicht.

„Der Sport ist meine Balance zu meinem Studium. Man muss sich seine Zeit zwar gut einteilen, weil ich bis auf zwei Tage in der Woche jeden Tag im Dojo bin. Das Studium ist meine Zukunft, aber den Sport brauche ich auch in meinem Leben“, sagt die 20-Jährige, die auch Jugendtrainerin im Verein ist und nebenbei ins Fitnessstudio geht. „Meinem Trainer (Dustin Deißler, Anm. d. Red.) war es wichtig, dass wir im Jugendbereich zwei Trainer und zwei Trainerinnen haben. Damit vermitteln wir den Mädchen auch das Gefühl, dass sie im Karate alles schaffen können, was sie wollen. Außerdem sind Trainerinnen in manchen Situationen sensibler“, sagt Kosich, die auch schon andere Sportarten in ihrer Kindheit ausprobiert hat, ehe sie zum Karate kam.

„Ich habe früher zum Beispiel Handball, Kanu, Tischtennis und sogar mal Ballett ausprobiert. Aber das war mir alles zu eintönig, weil man die Verbesserung der Leistungen nicht sehen konnte, da es ein Übergang war. Bei Karate sieht man das an den Gürteln, wenn man sich verbessert“, sagt Kosich, die sich mit ihrem ersten Blick durch die Glasscheibe in die Kampfsporthalle in Leipzig in die Sportart Karate verliebte.

Von Leonie Rink