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Lokalsport Als Julian Nagelsmann in der A-Klasse aushalf
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10:58 04.04.2021
Na, erkannt? Vor zehn Jahren half Julian Nagelsmann (hinten, Dritter von links) als Spieler beim FC Issing aus, schaffte mit seinem Heimatverein den Aufstieg. Am Samstag trifft der 33-Jährige mit RB Leipzig im Bundesliga-Spitzenspiel auf den FC Bayern München.
Na, erkannt? Vor zehn Jahren half Julian Nagelsmann (hinten, Dritter von links) als Spieler beim FC Issing aus, schaffte mit seinem Heimatverein den Aufstieg. Am Samstag trifft der 33-Jährige mit RB Leipzig im Bundesliga-Spitzenspiel auf den FC Bayern München. Quelle: Privat
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Roßdorf

Hans-Peter Wagner erinnert sich noch gut: Mit Freunden saß er eines frühen Nachmittags am Vereinsheim des FC Issing und schaute über das Sportgelände. „Dort sah ich einen jungen Mann in voller Montur von Sechzig (TSV 1860 München, Anmerkung der Redaktion) aufs Tor schießen“, erzählt der Roßdorfer.

Weitere Jungs stießen hinzu, „kickten lustig vor sich hin“. „Ich fragte dann, wer der Junge im Trikot sei“, erzählt Wagner. Dieser Junge war Julian Nagelsmann, seit Juli 2019 Cheftrainer von RB Leipzig, das an diesem Samstag (18.30 Uhr/ Sky) im Topspiel der Fußball-Bundesliga als Tabellenzweiter den Spitzenreiter FC Bayern München fordert.

Alles ein Zufall

Dass „der Julian“, wie Wagner gern sagt, als Jugendlicher regelmäßig auf dem Rasenplatz in dem kleinen oberbayerischen Ort unweit von Landsberg am Lech und vom Ammersee kickte, war genauso wenig Zufall wie die Tatsache, dass ihm ein Roßdorfer dabei zuschaute. Aus beruflichen Gründen zog es Wagner, der zuvor acht Jahre Vorsitzender des RSV Roßdorf war, 2002 mit seiner Familie nach nach Bayern. „Ich wollte dort sportlich irgendwas machen“, erzählt der 67-Jährige. Also schaltete er eine Anzeige in der lokalen Tageszeitung.

Unter anderem meldete sich daraufhin der FC Issing – der Heimatverein von Nagelsmann, dessen Familie aus Issing stammt und im Verein bestens bekannt war. „Julians Vater saß öfters im Biergarten des FC Issing, seine Mutter war Übungsleiterin in der Gymnastik-Abteilung. Hin und wieder habe ich mal nachgefragt, was der Julian macht“, erinnert sich Wagner. Der junge Nagelsmann ging nämlich schon früh seinen eigenen sportlichen Weg.

Mit 20 Jahren hörte die Profikarriere auf

Nach der E-Jugend zog es ihn von Issing zunächst zum FC Augsburg, ab der U 17 zum TSV 1860. Bei den Münchner „Löwen“ blieb er bis 2007, wechselte wieder nach Augsburg, in die zweite Mannschaft des FCA – und musste dort bereits 2008 als 20-Jähriger seine aktive Laufbahn verletzungsbedingt beenden. Dies hinderte ihn jedoch nicht daran, noch mal das Trikot seines Heimatvereins überzustreifen.

In der Saison 2010 / 11, als Wagner bereits vier Jahre Vorsitzender und Fußball-Abteilungsleiter des FC Issing war, „hat sich Julian angeboten, uns zu helfen. Er war zu dem Zeitpunkt U-17-Trainer der TSG Hoffenheim. Wenn er mit seinem Team samstags spielte, kam er sonntags und kickte bei uns mit.“ Und dies ziemlich erfolgreich. Mit Spielgestalter Nagelsmann schafften die Issinger als Meister den ersehnten Aufstieg von der ­A-Klasse in die Kreisklasse, die der hessischen Kreisoberliga entspricht.

Nagelsmann feiert Aufstieg auf dem Traktor mit

Und wie auch in Hessen vielerorts üblich, zogen die Issinger nach dem Meisterstück mit dem Traktor durch die Nachbarorte und feierten ausgiebig – mit Julian Nagelsmann, der „dabei aber keinen Alkohol trank“, verrät Wagner. „Er hat sich danach geduscht und ist noch am selben Abend mit dem Auto zurück nach Hoffenheim gefahren“, erzählt der Roßdorfer, der bis 2014, als es ihn beruflich ins Ausland zog, Vorsitzender des Vereins blieb und der den inzwischen berühmten Coach so wahrnahm, „wie er sich auch jetzt gibt: höflich und hochintelligent. Er hatte schon damals erzählt, dass, wenn er selbst kein Profispieler werden kann, er an der Seitenlinie arbeiten will.“ Dies ist Nagelsmann gelungen.

Der heute 33-Jährige wurde 2016 bei der TSG Hoffenheim jüngster Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte und erreichte in der Spielzeit 2019 / 20 mit RB Leipzig als jüngster Coach aller Zeiten die K.-o.-Runde der Champions League. Sogar den Posten des Bundestrainers traut dem gebürtigen Issinger so mancher Experte zu.

Der Kontakt zum FC Issing ist noch da

Während der RSV Roßdorf, bei dem sich Wagner inzwischen wieder engagiert, seit einigen Jahren eine Vereinsfreundschaft zum FC Issing pflegt, hält Nagelsmann noch Kontakte zu seinem Heimatverein, lud Mitglieder bereits nach Hoffenheim ein oder besuchte 2016 ein Spaßturnier des FC Issing.

„Wenn sich – wie bei einem solchen Turnier – die Chance ergibt, alte Bekannte zu treffen und kurz zu plaudern, dann nutze ich sie“, sagte Nagelsmann seinerzeit in einem Imagefilm bei „achtzehn99tv“ der TSG 1899 Hoffenheim.

Von Marcello Di Cicco

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