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Lokalsport Als Hünfeld einen Tick stärker war
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17:46 28.04.2021
Die Mannschaft des TSV Eintracht Stadtallendorf im Hessenpokalfinale 1963: Alfred Weitzel (von links), Torhüter Helmut Gerhard, Norbert Schlick, Heinrich Immel, Bernhard Sohn, Rainer Schmidt, Dieter Rose, Gerhard Sohn, Edgar Schlosser, Karl Heinz Wischniowski und Erwin Schug. Es fehlen: Walter Gareis und Bertram Hisserich. Foto: Privatarchiv Schlick
Die Mannschaft des TSV Eintracht Stadtallendorf im Hessenpokalfinale 1963: Alfred Weitzel (von links), Torhüter Helmut Gerhard, Norbert Schlick, Heinrich Immel, Bernhard Sohn, Rainer Schmidt, Dieter Rose, Gerhard Sohn, Edgar Schlosser, Karl Heinz Wischniowski und Erwin Schug. Es fehlen: Walter Gareis und Bertram Hisserich.  Quelle: Privatarchiv Schlick
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Stadtallendorf

Als Spieler damals dabei: Norbert Schlick. Der 80-Jährige ist mit Hermann Weitzel 2. Vorsitzender der Fußball-Abteilung und Teammanager des Regionalligisten, der heute (19 Uhr) gegen den FSV Frankfurt um den Einzug ins Halbfinale kämpft (siehe Infobox).

Am 28. Juli 1963 spielte die Eintracht – nach einem Erstrundensieg gegen den Frankfurter Bezirkspokalsieger Phönix Düdelsheim (3:2) und anschließendem Freilos – unter Trainer Erich Klein in Lauterbach im Endspiel gegen den klassenhöheren Hünfelder SV aus der 1. hessischen Amateurliga um die Trophäe. „Wir waren am Tag zuvor angereist und haben in einem Hotel in Lauterbach übernachtet“, erinnert sich Schlick. „Man muss wissen: Die Allendorfer waren zu dieser Zeit ein fußballverrücktes Volk, geradezu von Fußball besessen“, erzählt der gebürtige Ludwigshafener, der ab 1961 – bis auf eine Saison – für die Eintracht spielte. 1974 beendete er seine aktive Laufbahn.

„Dieses Spiel ist 
ein Highlight für uns“

Ein Korso von drei Bussen mit je 50 Fans sowie 25 bis 30 Autos, geschmückt mit den Vereinsfarben Grün und Weiß, fuhren laut Schlick gen „Lauter-Kampfbahn“, um beim bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte dabei zu sein. Insgesamt sahen knapp 2 500 Personen – darunter auch der damalige Stadtallendorfer Bürgermeister Heinz Lang – ein „Spiel auf Augenhöhe“, wie Schlick resümiert. „Leider haben wir an diesem Tag unsere Chancen nicht genutzt. Hünfeld hat eine Klasse höher gespielt, das hat am Ende den Ausschlag gegeben“, meint der frühere Linksaußen. Nach einem 0:2-Rückstand gelang Bernhard Sohn der verdiente 1:2-Anschlusstreffer für den TSV (70.) – es war zugleich der Endstand aus Sicht der Herrenwälder, bei denen in Walter Gareis der etatmäßige Mittelstürmer sowie in Bertram Hisserich der Torwart fehlten und bei denen unter anderem Heinrich Immel, Vater von Ex-Nationalspieler Eike Immel, im Aufgebot stand.

Norbert Schlick ist Teammanager des TSV Eintracht Stadtallendorf.  Foto: Julian Kasseckert

Waren seinerzeit der SV Rennertehausen (7:1), Nordgruppenmeister FV Breidenbach (3:1) und im Finale der amtierende Hessenmeister VfB Gießen (3:1) die Hürden, die der TSV Eintracht im Bezirkspokal nehmen musste, um in den Hessenpokal zu kommen, heißt der Gegner auf dem Weg ins Finale heute FSV Frankfurt – im Halbfinale womöglich SV Wehen Wiesbaden (3. Liga). „Ich bin sehr optimistisch, dass wir weiterkommen“, sagt Schlick und tippt auf einen 2:1-Sieg seiner Eintracht. „Dieses Spiel ist sehr wichtig, ein Highlight für uns“, sagt Schlick, der zeitweilig auch Boxer und Tennisspieler war. Die Mannschaft von Trainer Dragan Sicaja steht bereits als Absteiger aus der Regionalliga Südwest fest, kann sich also ganz auf den Pokal konzentrieren. 

Auch aus finanziellen Gründen sei der Wettbewerb attraktiv, fügt Schlick an. Im vergangenen Jahr erhielt der Finalist etwa 8 000 Euro, der Sieger knapp 116 000 Euro und das Ticket für die erste DFB-Pokal-Hauptrunde. Für dieses Jahr habe der Deutsche Fußball-Bund zwar noch keine Siegprämie bekannt gegeben, erläutert Matthias Bausch auf OP-Anfrage; im sechsstelligen Bereich dürfte sie aber erneut liegen, lässt der Pokalspielleiter durchblicken.

Von Marcello Di Cicco

Ausblick

Viermal in Folge ​zwischen 1995 und 1998 stand Dragan Sicaja als Spieler mit dem damaligen Regionalligisten SC Neukirchen im Finale des Hessenpokals, zweimal gewann er es. Nun hofft der Kroate als Trainer mit dem TSV Eintracht Stadtallendorf auf den großen Coup. „Wir werden alle Kräfte mobilisieren und die Partie mit unserem besten Aufgebot angehen“, verspricht Sicaja vor dem Heimspiel am 28. April um 19 Uhr in der Runde der letzten Acht gegen Ligakonkurrent FSV Frankfurt. Die vergangenen sieben Duelle konnte die Eintracht gegen die Bornheimer nicht gewinnen – von einem Angstgegner will der TSV-Coach aber nicht sprechen. „Es waren immer knappe Spiele“, hofft Sicaja, dass das Glück diesmal aufseiten der Herrenwälder ist. Am 11. März des vergangenen Jahres trafen beide Regionalligisten zuletzt im Hessenpokal aufeinander, der FSV gewann die Halbfinal-Partie seinerzeit mit 2:0.  (mdc)