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Lokalsport Als Fritz Walter in Kirchhain spielte
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15:58 15.11.2020
Einlauf der Mannschaften – mit Fritz Walter (links vorn) voraus: Am 2. August 1952 spielte der 1. FC Kaiserslautern in Kirchhain gegen Hessen Kassel. 12 000 Zuschauer waren dabei. Quelle: Privatfoto
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Kirchhain

„So etwas hat Kirchhain noch nicht erlebt“, schrieb die Oberhessische Presse am 4. August 1952. So etwas erlebte die Ohm-Stadt auch seitdem nicht mehr. 12.000 Zuschauer waren zu einem Fußballspiel gekommen, zu einem Freundschaftsspiel – aber es stand auch nicht irgendjemand auf dem Platz. Die Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern war zu Gast und mit ihr der populärste Spieler seiner Zeit: Fritz Walter.

Es muss eine unglaubliche Atmosphäre geherrscht haben. Vor acht Jahren erinnerte sich Walter Baumann, mittlerweile verstorben, in einem Gespräch mit der OP an das Spiel, berichtete, wie laut es war – so laut, „dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte“. Er war 28, als der FCK im Freundschaftsspiel auf den damaligen Zweitligisten Hessen Kassel traf.

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Der Weltmeister auch später in Kirchhain zu Gast

Richard Maciossek stand am 2. August 1952 selbst auf dem Feld – im Vorspiel, das die erste Kirchhainer Mannschaft vor der beeindruckenden Zuschauerkulisse gegen Teutonia Watzenborn-Steinberg (3:5) bestritt. 2012 berichtete auch der einstige TSV-Kapitän, der am 24. Oktober im Alter von 90 Jahren gestorben ist, von seinen Erlebnissen auf dem Sportgelände. Direkt auf dem Platz habe es keinen Kontakt zu Fritz Walter und Co. gegeben – später im Vereinslokal aber sehr wohl: Allüren hätten die bekannten Gäste keine, sich sehr volksnah gezeigt. Und offenbar hätten sie viel Spaß gehabt: Erst morgens um fünf Uhr sei der Rückweg mit dem Mannschaftsbus in Richtung Pfalz angetreten worden.

Bodo Ganswindt hatte den OP-Artikel vor gut acht Jahren verfasst, mit den Zeitzeugen gesprochen. Selbst ist er in dem Jahr, in dem das Spiel stattfand, geboren worden – Erinnerungen an Fritz Walter hat der langjährige OP-Redakteur dennoch, auch wenn er den Weltmeister-Kapitän von 1954 nicht persönlich traf. Fritz Walter hatte sich mit Fritz Kempe angefreundet. In dessen Uhren- und Schmuckgeschäft in Kirchhain arbeitete Bodo Ganswindts Mutter – auch, als Fritz Walter einmal dort zu Gast war, lange nach Ende seiner aktiven Karriere. „Es muss in den 1970ern gewesen sein“, meint Bodo Ganswindt, der bis heute stolz darauf ist, Autogramme des DFB-Ehrenspielführers, der am 31. Oktober 100 Jahre alt geworden wäre, zu Hause zu haben.

Horst Eckel erzielte nach 30 Sekunden das erste Tor

Auch Herbert Schildwächter, damals fünf Jahre alt, war selbst kein Besucher des Spiels anlässlich der 600-Jahr-Feier der Stadt – „leider“, wie er sagt. Und dennoch ist der frühere Fußballer des TSV Kirchhain fasziniert davon, überhaupt von der Historie des Kirchhainer Fußballs, hat darüber ein Fotobuch veröffentlicht. Zudem Videosequenzen gesammelt, auch vom Kaiserslauterner Gastspiel, hat sie in einem Video zusammengestellt.

Sie lassen zumindest erahnen, was vor mehr als 67 Jahren am und auf dem TSV-Platz losgewesen sein muss. Das Team vom Betzenberg führte durch ein Tor von Horst Eckel, dem einzigen noch lebenden 1954er-Weltmeister, schon nach 30 Sekunden mit 1:0. Der FCK dominierte, lag zur Pause mit 4:0 vorn, Fritz Walter hatte per Elfmeter den dritten Treffer erzielt. Später ließ es das Team, das ein Jahr zuvor erstmals Deutscher Meister geworden war, etwas ruhiger angehen, bot aber in der zweiten Hälfte so manches Kabinettstückchen, wie sich die Zeitzeugen erinnerten.

Das Video mit Spielszenen, zusammengestellt von Herbert Schildwächter, ist auf der Interseite der Fußballabteilung des TSV Kirchhain, erreichbar unter www.tsv-kirchhain-fussball.de, zu finden.

Von Stefan Weisbrod