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Lokalsport Adrian Röhr ist Kartfahrer aus Leidenschaft
Sport Lokalsport Lokalsport Adrian Röhr ist Kartfahrer aus Leidenschaft
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21:38 22.06.2022
Adrian Röhr aus Cölbe mit seinem Trainingskart.
Adrian Röhr aus Cölbe mit seinem Trainingskart. Quelle: Marcello Di Cicco
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Cölbe

Angst? Nein, Angst habe er nicht, wenn er mit seinem Kart auf den Rennstrecken Deutschlands Vollgas gibt. Doch wundern würde es auch nicht, wenn Adrian Röhr etwas bange wäre. Schließlich sitzt der 13-Jährige regelmäßig in einem knapp 30 PS-starken Boliden, erreicht damit eine Spitzengeschwindigkeit von gut 120 Kilometern pro Stunde, kämpft nicht selten im dichten Gedränge mit der teilweise schon etwas älteren Konkurrenz und nur paar Zentimeter oberhalb des harten Asphalts um Plätze, Medaillen, Pokale. Adrian ist Kartfahrer aus Leidenschaft – er hat Benzin im Blut, wie man in der Motorsportszene sagen würde.

Mit einem Ausflug auf die Kartbahn fing alles an

Nur ein paar Hundert Meter von seinem Zuhause in Cölbe entfernt, nur einen Steinwurf von dort, wo sein Vater Lothar seit knapp 40 Jahren einen Autohandel betreibt, könnte Adrian auf Sand Beachvolleyball spielen oder ein paar Meter weiter Fußball auf sattem Grün. Kurzzeitig schnürte der Siebtklässler der Martin-Luther-Schule Marburg auch beim FV Cölbe die Fußballschuhe, doch das Kicken packte ihn nicht so wie der motorisierte Sport. „Für mich macht die Geschwindigkeit diesen besonderen Reiz aus“, sagt Adrian – und schiebt hinterher: „Und die Herausforderung, auf der Rennstrecke mit Gegnern zu kämpfen.“

Seit knapp drei Jahren tut er dies nun. Adrian ist in Sachen Motorsport also ein Spätzünder, denn nicht wenige Nachwuchsfahrer sitzen hierzulande schon im Kindergartenalter im Kart. Bei Adrian war erst ein Ausflug mit Papa auf die Kartbahn in Oppenrod bei Reiskirchen nötig, damit er so richtig durchstarten konnte. Als Lothar Röhr im Herbst 2018 seinen Filius bei der Fahrt im Doppelsitzer lenken ließ, weil Adrian noch zu jung war, um allein zu fahren, merkte der heute 66-Jährige schnell, dass Adrian talentiert ist – und beim Kartfahren so richtig aufblüht. Also meldete sich Adrian für eine Sichtung des Kartvereins Oppenrod, bei der er im Frühjahr 2019 unter knapp 20 Teilnehmern zu den Top-Drei-Talenten gehörte.

Kartfahrer Adrian Röhr aus Cölbe. Quelle: Nina Megger

Noch im selben Jahr nahm Adrian an der Miniserie der Trophy Blau-Weiß teil, immer mit Unterstützung seines Vaters. Der gebürtige Sauerländer ist selbst dem Rennsport zugeneigt, fuhr Ende der 1980er-Jahre bei Deutschen Motorradmeisterschaften mit. An sein erstes Kartrennen im bayerischen Wackersdorf erinnert sich Adrian noch genau – vor allem daran, wie er sich fühlte. „Ich war schon ziemlich aufgeregt, weil es komplett neu für mich war, gegen andere ein Rennen zu fahren“, sagt Adrian. Doch er schlug sich wacker – mehr noch, richtig stark! An dem Rennwochenende fuhr er gleich zwei Siege ein.

Seit dem vergangenen Jahr fährt Adrian für den Rennstall Kraft Motorsport aus Beckum, 25 Wettkämpfe hat er in seiner kurzen Rennsportlaufbahn bereits absolviert, inzwischen ist er in der Rotax-Klasse unterwegs. Wenn es die Zeit zulässt, sind Vater und Sohn viel unterwegs – von Kerpen in Baden-Württemberg über Mülsen in Sachsen bis hin zu Genk in Belgien, wo auch schon Max Verstappen als Junior fuhr. Der amtierende Formel-1-Weltmeister ist Adrians Vorbild, ihm eifert der Cölber nach – wobei, nicht so ganz. „Mein Ziel ist es, irgendwann mal Porsche-Supercup zu fahren“, verrät Adrian. Denn zum Automobilhersteller aus Zuffenhausen bestünden bereits Kontakte, die er und sein Vater in seiner kurzen Zeit im Rennzirkus geknüpft haben. Talent zahlt sich eben manchmal aus.

Von Marcello Di Cicco