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Lokalsport Achim Bendel will beim TSV Kirchhain kürzer treten
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11:00 05.05.2022
Achim Bendel im heimischen Garten im Trikot der 60er.
Achim Bendel im heimischen Garten im Trikot der 60er. Quelle: Foto: Bodo Ganswindt
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Kirchhain

Als Zehnjähriger steigt er ein in die Kirchhainer Handballszene, mit der er bis heute noch immer verwoben ist. Als Aktiver oder Mann für alle Fälle macht sich Achim Bendel all die Jahrzehnte für die Abteilung des TSV Kirchhain mehr als verdient. Jetzt hält er die Zeit für gekommen, sich aus offiziellen Funktionen zu verabschieden.

Mit den Schülern des TSV wird er Kreismeister – damals wird noch auf dem Kleinfeld im Freien gespielt. Als 18-Jähriger setzt er für zwei Jahre mit Lok Kirchhain – der dritten Mannschaft – erste Akzente bei den Senioren. Unvergessen sein entscheidendes Tor zum 7:6 gegen Buchenau: Er fängt einen Steilpass des Gegners ab, dribbelt durch dessen Abwehr und vollendet mit dem Schlusspfiff. Fortan gilt es, sich auch im ersten Team zu beweisen. Zehn Jahre hütet er deren Tor, schafft mit ihr zwei Aufstiege und mehrere Kreispokalsiege sowie zahlreiche Turniere im In- und Ausland zählen zu den Höhepunkten.

Doch Bendel bleibt Realist in der Einschätzung seines Leistungsvermögens. „Ich war ein Keeper, der schon mal tolle Spiele machen konnte, aber ich war eher eine gute Nummer zwei“, räumt er ein. Später – in der legendären dritten Mannschaft – ist er die klare Nummer eins.

Schon seinerzeit engagiert er sich als Trainer der Junioren, dann des zweiten Teams und übernimmt dann Funktionen im Vorstand. Zwischenzeitlich trainiert er den VfL Neustadt, ehe er 1990 nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn die Verantwortung für Kirchhains Erste übernimmt. Zunächst mit Erfolg. „Wir sind Meister geworden und in die Bezirksoberliga aufgestiegen“, sagt er, „mussten allerdings in der nächsten Saison wieder absteigen, weil uns viele Spieler von Bord gegangen waren.“

Spielersitzungen auf der eigenen Terrasse

Das hindert den Umtriebigen allerdings nicht, sich weiter für seine Handballer, wie im Jugendbereich, zu engagieren. Doch als im Alter von 63 Jahren seine Achillessehne reißt, bedeutet dies auch das Ende seiner Trainerkarriere.

Bendel bleibt den Handballern als Männerwart erhalten, erlebt in den Jahren 1994 bis 1996 ein Wechselbad der Gefühle, als die TSV-Handballer zwei Jahre erfolgreich in der Oberliga agieren und im dritten in finanzielle Turbulenzen geraten. „Irgendwie habe ich mich verpflichtet gefühlt, die Leitung der Abteilung zu übernehmen und zu versuchen, den Handball in Kirchhain zu erhalten“, sagt er. Es dauert gut vier Jahre, bis sich die Abteilung konsolidiert. Er habe in dieser Zeit so manche schlaflose Nacht gehabt. Doch Bendel bringt das Handball-Schiff wieder auf Kurs. „Das geht allerdings nur, wenn andere mitmachen und ebenfalls bereit sind, Verantwortung zu tragen.“ Und diesbezüglich habe der Verein Großes geleistet.

Auch Bendels Frau Anne macht gute Miene zum Spiel in dieser Zeit. „Sie hat einiges auf sich genommen“, sagt der Rentner. Die Woche ist vom Handballgeschehen geprägt. Spielersitzungen finden auf Bendels Terrasse statt, und die Frau des Hauses serviert den Kuchen. „Das ging ihr manchmal gewaltig auf den Keks.“ Überdies zieht Bendel auch als Schiedsrichter an den Wochenenden über die Handball-Lande. Mehr geht kaum.

Geld in klamme Kasse

2003 informiert er den Verein, dass er den Vorsitz nicht mehr haben wolle. Er arbeitet aber weiterhin im Vorstand mit, ehe ihn 2010 gesundheitliche Probleme dazu zwingen, sich ganz aus dem Vereinsgeschäft zurückzuziehen. Vier Jahre später, zwei Jahre nach einer komplizierten Herz-Operation, nimmt er dann auf Bitten des damaligen Vorsitzenden Harald Hertel wieder an Vorstandssitzungen teil.

Gefragt sind vor allem sein Organisationstalent und Ideenreichtum, die dazu beitragen, Geld in die klamme Kasse des Vereins zu spülen. Seine schauspielerischen und dramaturgischen Fähigkeiten mögen etwa Aufführungen des Watzmanns nach Wolfgang Ambros belegen.

1977 ruft er das Handballturnier für Jedermann ins Leben, das jeweils am Buß- und Bettag stattfindet, bis jener als Feiertag abgeschafft wird. „Als größtes Teilnehmerfeld registrierten wir in einem Jahr 42 Teams“, berichtet Bendel. Inzwischen gehören weitere Events der Handballer zum Kirchhainer Veranstaltungskalender. So etwa der Schlager- und Oldie-Dämmerschoppen auf dem Marktplatz – natürlich moderiert von Achim Bendel, der zuletzt Redakteur und Moderator beim Hessischen Rundfunk ist und davor in Diensten der Oberhessischen Presse steht.

In der Vorweihnachtszeit hat seit 2016 die After-Work-Glühweinbude in der Fußgängerzone einen festen Platz. Bendel hat noch immer Dampf unterm Hut, weil er sich und anderen gerne Freude bereitet. Inzwischen nimmt er sich auch Zeit fürs Badminton spielen mit Freunden.

Etwas Leidensfähigkeit muss jedoch sein. Als eingetragenes Mitglied beim TSV 1860 München bleibt ihm wenig erspart. Aber zuweilen findet er Entspannung nicht nur während der Spaziergänge mit seiner Frau, sondern auch bei der Musik der Brachial-Rocker von Motörhead.

Durchweg anerkennend äußert sich Lars Grothe, der langjährige Mannschaftskapitän, über Bendel: „Achim war immer jemand, der den Verein als Ganzes gesehen hat. Seine Vereinsarbeit war geprägt von hoher Kreativität. Und immer wieder hat er großen Humor bewiesen.“

Von Bodo Ganswindt