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Lokalsport Del-Angelo Williams muss warten
Sport Lokalsport Del-Angelo Williams muss warten
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18:00 28.03.2020
Del-Angelo Williams (links) schießt an Torwart Finn Dahmen und Ahmet Gürleyen (rechts) vom FSV Mainz 05 II vorbei. Der Ball fliegt in dieser Szene jedoch über das Tor. Quelle: imago
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Marburg

Angesichts der Coronavirus-Pandemie beschäftigt eine Frage derzeit Profi- wie Amateurfußballer: Soll die Saison abgebrochen werden? Del-Angelo Williams hat dazu eine klare Meinung. „Das wäre absoluter Schwachsinn“, sagt der gebürtige Marburger, wenngleich er weiß: „Egal, welche Entscheidung die Funktionäre treffen: Jeden wird man nicht glücklich machen können.“

Vor allem die Teams, die sich im Aufstiegskampf in Lauerstellung hinter dem Spitzenreiter befinden, würden in die Röhre schauen, wenn die Runde abgebrochen würde und der aktuelle Tabellenerste aufsteigt. Eine Situation, von der Williams mit seiner Mannschaft negativ betroffen wäre. Denn seit vergangenem Sommer spielt der frühere Stürmer des TSV Eintracht Stadtallendorf für die SV Elversberg in der Regionalliga Südwest. Die „Elv“ ist mit sechs Punkten Rückstand erster Verfolger von DFB-Pokal-Schreck 1. FC Saarbrücken und hat noch realistische Chancen auf die Drittliga-Rückkehr. „Es ist kein Geheimnis, dass wir hoffen, Saarbrücken noch abfangen zu können“, sagt Williams forsch.

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Nur wenig Einsatzzeit bei Hansa Rostock

Für die Saarländer wäre es die erste Rückkehr in die Drittklassigkeit seit der Saison 2013/14 – für Williams die Wiederkehr nach einem Jahr Abstinenz. Zur Spielzeit 2018/19 wechselte der 26-Jährige von Stadtallendorf zum FC Hansa Rostock, absolvierte bei der „Kogge“ zwölf Partien in der 3. Liga und kam zu einem Einsatz im DFB-Pokal. Doch den bis ursprünglich Sommer dieses Jahres laufenden Vertrag lösten Williams und der ehemalige Bundesligist auf. „Mangelnde Spielzeit war nur ein Grund“, sagt Williams im Gespräch mit der OP.

Ein einschneidendes Erlebnis hatte der Angreifer im April vergangenen Jahres, als seine Mutter verstarb – es war der Hauptgrund. „Bei der sechsstündigen Heimfahrt ist mir so richtig bewusst geworden, dass Rostock nicht um die Ecke liegt“, blickt er zurück. Die Nähe zu seiner Familie in Marburg ist ihm wichtig. Inzwischen lebt Williams mit seiner Frau Sabrina und seinem Sohn Liano in Oeting (Frankreich) unweit der deutschen Grenze, nur einige Kilometer vom SVE-Trainingszentrum in Grosbliederstroff (Frankreich) und vom Spielort in Spiesen-Elversberg entfernt.

Wiedersehen zweier Ex-Stadtallendorfer

„Wir fühlen uns dort super-wohl“, sagt Williams, der über seinen ehemaligen Eintracht-Mitspieler Israel Suero Fernandez auf die Sportvereinigung als potenziell neuen Arbeitgeber kam. „Elversberg hatte vergangene Saison eine Super-Rückrunde gespielt, ist ein Verein mit Ambitionen und ich hatte mit meinem Berater nach einer Alternative gesucht“, erklärt Williams seine Wahl – zumal „die Drittliga-Optionen nicht so berauschend“ gewesen seien. Sein Vertrag beim Tabellenzweiten der Südweststaffel läuft bis zum Juni kommenden Jahres.

Bei der SVE spielt Williams unter anderem wieder mit Suero Fernandez zusammen, auch mit dem früheren Bundes- und Zweitliga-Profi Gaetan Krebs (Hannover 96 und Karlsruher SC). Sein Trainer ist der ehemalige Bundesliga-Profi Horst Steffen (unter anderem Bayer Uerdingen und Borussia Mönchengladbach). „Er ist ein akribischer Arbeiter und sehr empathisch – ihm ist es wichtig, dass es bei einem auch zu Hause stimmt“, sagt Williams über seinen Coach, der ebenso weiß, was er an seinem Stürmer hat: „Seine Geschwindigkeit, sein Torabschluss und sein Kopfballspiel tun uns ebenso gut wie sein Pressing. Wenn man ihn frei spielen lässt, ist Angelo stark“, weiß Steffen.

Williams will einen Stammplatz erobern

Wie in Rostock traf Williams zum Ligaeinstand für seinen neuen Klub, für den er in dieser Saison nur ein Ligaspiel wegen einer Gelbsperre verpasst hat. Doch Williams strebt nach mehr: „Ich will eine noch tragendere Rolle im Team spielen.“ Weg von den Wechseln zwischen Startelf und Ersatzbank, hin zum Status des Dauerbrenners.

Momentan ist dies allerdings nicht möglich, denn wegen der Corona-Krise pausiert nicht nur das Mannschaftstraining, sondern der gesamte Spielbetrieb in der Regionalliga Südwest – mindestens bis zum 20. April. Derzeit hält sich der 26-Jährige mit Kräftigungsübungen und Lauftraining fit – notgedrungen in seinem ehemaligen Wohnort Fronhausen.

Denn von ihrem Arbeitgeber wurde den SVE-Profis untersagt, sich in der vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuften französischen Region Grand Est (direkt an der Grenze zu Deutschland) aufzuhalten. Das Verbot trifft nicht nur Williams, sondern laut dem Marburger „sieben oder acht“ Elversberger Profis besonders, da sie in Frankreich wohnen. Also packte Williams Ende vorvergangener Woche mit seiner Familie eilig die wichtigsten Sachen zusammen und reiste in die alte Heimat.

Für den Sommer sind zwei Feiern geplant

Angst vor dem Virus hat er nicht – aber: „Das Problem ist die Ungewissheit – nicht zu wissen, ob und wie es weitergeht. Man macht sich Gedanken“, gesteht der Fußballer, der auch deshalb sorgenvoll in die Zukunft blickt, weil Anfang Juni die Hochzeitsfeier mit seiner Frau und ebenfalls noch im Sommer die Taufe seines Sohnes geplant sind. Eigentlich wäre die Runde zu diesem Zeitpunkt bereits zu Ende. Williams: „Ich befürchte aber, dass wir dann spielen.“ Womöglich um den Aufstieg.

Von Marcello Di Cicco

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