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Lokalsport Sportkreisvorsitzender Hertleins Appell nicht nur an Sportler
Sport Lokalsport Sportkreisvorsitzender Hertleins Appell nicht nur an Sportler
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16:52 19.03.2020
„Es wäre angesichts der derzeitigen Situation auch kein Drama, wenn man eine Saison mal auf einen Aufstieg verzichtet oder aber absteigen müsste“, meint der Sportkreis-Vorsitzende Jürgen Hertlein. Quelle: ArchivFoto: Thorsten Richter
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Marburg

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sportkreises sind von der Corona-Krise betroffen. Auch beim Sportkreis ist nach derzeitigem Stand auf unvorhersehbare Zeit vorrangig Homeoffice angesagt.

Dennoch sind alle Verantwortlichen jederzeit erreichbar, wenn auch nur telefonisch oder per E-Mail, betont der Vorsitzende des Sportkreises Marburg-Biedenkopf, Jürgen Hertlein, im Interview mit der OP.

OP: Was ist derzeit Ihre vordringlichste Aufgabe in Ihrer Funktion als Sportkreisvorsitzender?

Jürgen Hertlein: In erster Linie ist es wichtig, die mehr als 400 Sportvereine über alle wichtigen Dinge, die mit der Coronavirus-Pandemie zu tun haben, zu informieren. Dies haben wir mit aller Sorgfalt getan und werden dies auch künftig regelmäßig tun - und zwar dann, wenn weitere wichtige Informationen anstehen. Dies geht derzeit nur auf dem elektronischen Weg.

OP: Was sind momentan die wichtigsten und häufigsten Fragen, mit denen der Sportkreis konfrontiert wird?

Hertlein: Im Moment ist es recht ruhig. Dies liegt aber auch daran, dass alle Vereine, ja, alle Menschen bestens informiert sind und bestens informiert werden über die Presse und alle Nachrichtenkanäle. Wir als Sportkreis müssen aber gemeinsam mit den Vereinen beratend koordinieren, wie mit der Vielzahl in diesem Jahr anstehenden Jubiläen umzugehen ist. 21 unserer Vereine feiern dieses Jahr ihr 100-jähriges, viele weitere ihr 25-, 50- oder 125-jähriges Bestehen. Insgesamt kämen wir diesbezüglich auf rund 40 Veranstaltungen. Sie müssen sich vorstellen, dass bei manchen dieser Feierlichkeiten 300 bis 400 Gäste erwartet werden.

Ich rate, diese Veranstaltungen abzusagen, zu verschieben und alle Vorbereitungen abzubrechen. Wenn es die Lage erlaubt, stehen wir selbstverständlich hilfreich zur Verfügung, um diese Feiern nach Beendigung der Corona-Krise ausrichten zu können.

OP: Kritik gibt es an der Vorgehensweise einiger Verbände mit dem Vorwurf, teilweise zu spät gehandelt zu haben. Zunächst wurden einige Fußballspiele ohne Zuschauer ausgerichtet, dann folgten weitere, schließlich sagte zuerst die 3. Liga alle Spiele ab, dann folgten andere. Danach reagierten auch Verbände anderer Sportarten. Eine Art Salami-Taktik. Hat man zu halbherzig oder gar zu spät reagiert?

Hertlein: Nein, das sehe ich nicht so. Auch der Landessportbund, der für unsere Sportkreise zuständig ist, hat nach bestem Wissensstand zeitnah entschieden. Auf alle andere Verbände, ob die Fußballer, Handballer, Basketballer oder weitere haben wir keinen Einfluss.

OP: Sollten aus Ihrer Sicht die Ergebnisse aller Ligenwettkämpfe und -spiele der aktuellen Saison annulliert werden?

Hertlein: Aus rein sportlicher Sicht wäre das für manche schlimm und für manche gut. Da es aber keine Patentlösung gibt, wäre es das Beste. Es wäre angesichts der derzeitigen Situation auch kein Drama, wenn man eine Saison mal auf einen Aufstieg verzichtet oder aber absteigen müsste. Natürlich geht es aber auch um die Finanzen, denn die Einnahmen sind wichtig für unsere Vereine. Fehlen diese, können möglicherweise laufende Kosten nicht beglichen werden.

Ich verweise in diesem Zusammenhang auf das, was der Oberbürgermeister der Stadt Marburg angekündigt hat: Die Stadt werde helfen, werde Vereinen unter die Arme greifen, wenn drastische finanzielle Nöte entstehen. In der Regel sind aber zuerst der Bund und das Land gefragt. Danach erst kommen die Kommunen. Dennoch begrüße ich das Signal des Marburger Oberbürgermeisters.

OP: Was raten Sie den Vereinen, den zahlreichen Mitgliedern in der aktuellen Situation, hervorgerufen durch die Coronavirus-Pandemie?

Hertlein: Ich kann nur mit Nachdruck an alle Menschen appellieren, sich an all das zu halten, was bundesweit zur Minimierung der Ausbreitung des Coronavirus und zum Wohle der Gesundheit empfohlen und festgelegt wurde und wird.

Besonders möchte ich an die Vereine und ihre Mitglieder appellieren: Veranstaltet bitte keine privaten Treffen in Gruppen im Geheimen. Nicht nur die Sportvereine inklusive ihrer Mitglieder, sondern jede einzelne Bürgerin, jeder einzelne Bürger sollten sich selbst und damit auch andere schützen, also alle Aktivitäten, alle sozialen Kontakte auf das Notwendigste beschränken.

Von Michael E. Schmidt