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Fußball Zeitspiel mit dem Filou
Sport Fußball Zeitspiel mit dem Filou
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20:18 08.03.2010
Von Christian Purbs
Sein Freund, der Ball: Der Münchener Franck Ribery (rechts) hat die Bundesliga zwei Jahre lang verzaubert – doch jetzt weiß man nicht genau, ob die Bayern ihn noch halten wollen.
Sein Freund, der Ball: Der Münchener Franck Ribery (rechts) hat die Bundesliga zwei Jahre lang verzaubert – doch jetzt weiß man nicht genau, ob die Bayern ihn noch halten wollen. Quelle: dpa
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Geht es Ribery, der noch bis 2011 vertraglich an die Münchener gebunden ist und im vergangenen Sommer heftig mit einem Wechsel zu Real Madrid liebäugelte, um mehr Geld oder um sportlichen Ruhm? Und was will eigentlich der 
FC Bayern?

Die Münchener spielen auf Zeit, erst nach dem heutigen Achtelfinalspiel in der Fußball-Champions-League beim AC Florenz soll der Poker mit Ribery richtig beginnen. „Wenn wir da weiterkommen, ein souveränes Spiel machen, Franck gut spielt und er das Gefühl hat, dass es eine Perspektive gibt – dann haben wir gute Chancen“, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß: „Wenn wir aber mit 0:3 verlieren, glaube ich nicht, dass er bleibt.“ Was den Bayern vielleicht gar nicht so unlieb wäre – wenn bei einem Wechsel der Preis stimmt. Denn unersetzbar, das haben die vergangenen Monate gezeigt, ist Ribery für den FC Bayern längst nicht mehr.

Nach dem Stotterstart in die Saison hat sich eine Münchener Mannschaft gefunden, die auch ohne den 26-jährigen Dribbler sehr erfolgreich Fußball spielt. Mehr noch: Als die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal so richtig in Schwung kam, schaute der französische Nationalspieler aufgrund von Patellasehnen-Problemen von der Tribüne aus zu. In lediglich vier Ligaspielen (3 Tore) stand Ribery bislang in der Startelf, auch weil das Spiel nicht mehr so abhängig war von der Form des Franzosen, eilten die Bayern zwischen Oktober und Februar von Sieg zu Sieg. Das liest sich nicht wie die Bilanz des „wichtigsten und wertvollsten Spieler“ des FC Bayern, für den Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge den Franzosen hält.

Auf der anderen Seite hat Ribery in seinen ersten beiden (fast) verletzungsfreien Jahren beim FC Bayern die Liga zeitweise verzaubert. Etwas von seiner besonderen Qualität, ein Spiel allein entscheiden zu können, blitzte zuletzt wieder auf, als ihm gegen den HSV der Siegtreffer gelang. Und hätte er am vergangenen Wochenende beim 1. FC Köln ein bisschen weiter links gezielt, dann wäre der Ball nicht an den Pfosten, sondern zum 2:1 für die Bayern ins Tor gegangen.

Aber sind diese wenigen magischen Momente den Bayern Argumente genug, um wirklich um Ribery zu kämpfen? Die Intensität, mit der in München seit Wochen die Vorzüge des Offensivspielers gepriesen werden, lässt auch andere Gedanken zu. Weckt etwas Wertvolles, von dem man sich nur sehr ungern trennen mag, nicht auch Begehrlichkeiten und treibt den Preis in die Höhe?

Die Bayern jedenfalls sind in einer komfortablen Situation – vorausgesetzt, sie ziehen heute ins Viertelfinale der Champions League ein. Dann hat Ribery die von ihm geforderte Gelegenheit, sich mit den Besten aus Europa zu messen und auf der großen, internationalen Bühne vorzuspielen. Mehr kann ihm auch Real Madrid oder Manchester United nicht bieten, denn eine Titelgarantie gibt es auch dort nicht. Und mit jedem guten Auftritt des 26-Jährigen erhöht sich sein Marktwert. Im Klartext: Entscheidet sich Ribery für den FC Bayern, kann es dem Rekordmeister nur recht sein. Und bei einem Wechsel des Franzosen wäre großer Zahltag, Anrufe mit Angeboten unter 50 Millionen Euro würde Bayern-Boss Hoeneß sicherlich als Beleidigung auffassen.

„Jeder Spieler lechzt nach Erfolg. Ribery ist ein Spieler, der zu den Besten Europas zählt und das beweisen will“, sagte Rummenigge, der hofft, dass der Filou aus Frankreich den Verein noch wie andere Ausnahmefußballer vor ihm zu großen Erfolgen führen wird. Zum 110. Geburtstag vor ein paar Wochen hat der FC Bayern in der Jubiläumsausgabe des Vereinsmagazins eine Rubrik mit Legenden veröffentlicht. Neben Franz Beckenbauer und Gerd Müller ist dort auch Franck Ribery abgebildet. Es ist ein Bildnis mit Hintertürchen: „2007 bis heute“ steht dort unter seinem Namen.