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Fußball Wieder Gewalt beim Spiel VfL Osnabrück gegen Preußen Münster
Sport Fußball Wieder Gewalt beim Spiel VfL Osnabrück gegen Preußen Münster
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10:43 03.03.2013
Bei dem Drittliga-Derby zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster kam es erneut zu Ausschreitungen.
Bei dem Drittliga-Derby zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster kam es erneut zu Ausschreitungen. Quelle: dpa
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Osnabrück/Münster

Die Partien zwischen den Fußball-Drittligisten Preußen Münster und VfL Osnabrück zählen traditionell zu den Spielen, bei der für die Polizei die höchste Sicherheitsstufe gilt. Die Rivalität der Nachbarclubs führt immer wieder zu Gewalt zwischen den Fans. Die Partie am Samstag ist keine Ausnahme: Erneut schmeißen besonders fanatische Anhänger, die sogenannten Ultras, Böller und brennen im Stadion von Preußen Münster bis zu 1000 Grad heiße Bengalische Feuer ab. Auch ein Polizist wird verletzt.

Dabei verurteilte erst vor einem Jahr das Osnabrücker Landgericht einen Preußen-Fan zu fünf Jahren Haft. Er hatte im September 2011 im Osnabrücker Stadion einen besonders starken „Polen-Böller“ geworfen, der 33 Menschen verletzte. Seit Donnerstag steht ein 17 Jahre alter Helfer vor dem Landgericht Münster.

Schon bei der Anreise nach Münster liegt Gewalt in der Luft. Mit Sicherheitskontrollen empfängt die Polizei die Fans am Hauptbahnhof. Einige tragen Tüten in der Hand. „Voll mit Sprengstoff“, scherzt ein in schwarz gekleideter Anhänger des VfL Osnabrück. Damit spielt er auf den Böllerwurf bei dem Derby vor anderthalb Jahren an.

Die Fans des VfL Osnabrück teilen sich in zwei Lager: Schwarz und Lila. Auf der einen Seite die Ultras mit schwarzen Pullovern, auf der anderen Seite der normale VfL-Fan mit Trikot und Schal in den traditionellen lila Vereinsfarben.

Der 27-jährige Martin Gurzynski und der 26-jährige Daniel Machus bezeichnen sich seit 15 Jahren als normalen VfL-Fan. Vor sechs Jahren gründeten sie den Fanclub „Helden zweiter Reihe“ - auch als Reaktion auf die Ultras, die den Ton in der Fankurve angeben und von der Polizei als gewaltbereit eingestuft werden. „Sie inszenieren sich als Chefs und als 1-a-Fan. Das nervt“, sagt der Bauzeichner Daniel Machus. „Wir haben uns zum 1-b-Fantum bekannt - ohne 1-b-Fans zu sein“, ergänzt der Groß- und Außenhandelskaufmann Gurzynski.

Die beiden würden ein Leben lang den lila VfL-Schal und das lila VfL-Trikot tragen, sagen sie. „Damit grenzen wir uns bewusst von den Schwatten ab“, betont Gurzynski. Mit den „Schwatten“ meint er die Ultras, die aus Protest gegen die Vermarktung des kommerziellen Fußballs keine Trikots tragen.

So wie Machus und Gurzynski denken immer mehr Fans. „Die Fans bekommen immer mehr ein Gespür dafür, dass ein Teil der Ultras auf Krawall gebürstet ist“, sagt der renommierte Fanforscher der Uni Hannover, Gunter A. Pilz. Es gebe eine zunehmende Distanzierung zwischen Fan und Ultra. „Schon beim Thema Pyrotechnik zeigt sich, dass die Fans nicht mehr alles klaglos hinnehmen.“ Die Ultras bezeichnet er als verschworene Einheit.

Trotz der umfassenden Sicherheitsmaßnahmen mit mehr als 100 Polizisten am Osnabrücker Bahnhof und Hunderten Einsatzkräften am Preußen-Stadion machen die Ultras ihrem Ruf als Problemfans auch hier wieder alle Ehre. Um sich den Einlasskontrollen zu widersetzen, versuchen die rund 150 Ultras die Ordner am Eingang zu überrennen. Nur mit Hilfe der Polizei gelingt es, sie wieder zurückzudrängen.

Trotz des Verbots von Zaunfahnen hängen sie bereits eine halbe Stunde vor Spielbeginn in den Fankurven. Die Beamten lassen sie aus Gründen der Deeskalation hängen. Die Ultras nutzen sie wenig später, um sich dahinter zu verstecken und zu vermummen.

Mit Reportern wollen die Ultras nichts zu tun haben. „Mit der Presse reden wir nicht“, sagt einer der schwarz gekleideten zu einem Journalisten, und schiebt noch eine Drohung hinterher.

Fünf Minuten vor Spielbeginn brennen in den Kurven bereits die 1000 Grad heißen Bengalischen Feuer. Mehrere Rauchtöpfe hüllen die Kurve in dichten Nebel. Als der Stadionsprecher noch durchgibt: „Bitte unterlassen Sie das Abbrennen von Feuerwerkskörpern“, werfen die Osnabrücker Ultras als Reaktion Böller. Die Polizisten, die sie nur einen Steinwurf entfernt explodieren hören, spekulieren: „Das könnten wieder diese Polen-Böller sein.“ Auch dieses Mal explodiert der Böller dicht neben einem Polizisten. Die Detonation verletzt ihn - möglicherweise ist das Trommelfell verletzt.

Der Spitzenreiter VfL Osnabrück verliert das Spiel 1:3. Ein szenekundiger Beamter, der die Osnabrücker Fans betreut, ahnt Böses: „Die Schwerstarbeit kommt erst mit dem Frust nach dem Spiel.“ 

dpa