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Fußball Trainer Stefan Gehrke kann Rückzug des SCL nicht fassen
Sport Fußball Trainer Stefan Gehrke kann Rückzug des SCL nicht fassen
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08:57 03.04.2013
Stefan Gehrke, der Trainer des SC Langenhagen, findet die Entscheidung, die 1. Herrenmannschaft von der Oberliga abzumelden „extrem krass". Quelle: Florian Petrow
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Langenhagen

Der Schritt der Langenhagener zeigt, dass sich viele Klubs gehobenen Amateurfußball nicht mehr leisten können oder wollen. Und was passiert, wenn in einem Großverein die Fußballsparte keine Lobby besitzt. Stefan Gehrke, der Trainer des SC Langenhagen, findet die Entscheidung, die 1. Herrenmannschaft von der Oberliga abzumelden „extrem krass".Stefan Gehrke, Trainer des Noch-Oberligisten, findet auch mit etwas Distanz „den Schritt extrem krass“. Gehrke, der nach der Saison ins Trainerteam des Landesligisten SV Ramlingen/Ehlershausen wechselt, glaubt, dass der SCL eine große Chance vergibt. „Für mich ist das nicht ganz nachvollziehbar, was da über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde.“

Abteilungsleiter Holger Kunze hatte Gehrke und die Spieler am Sonntag informiert, dass der Klub aus finanziellen Gründen nicht nur auf eine Oberligalizenz verzichtet, sondern noch weiter geht. Kunze fühlt sich als „Totengräber“, dabei muss auch er nur ausbaden, was andere vor ihm verbockt haben.

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Was viele erst langsam begreifen: Der SC Langenhagen wird als feststehender Absteiger keinen Neuanfang in der Klasse darunter, der Landesliga, wagen. Der SCL fängt dort neu an, wo die bisherige Reserve spielt, also in der
4. Kreisklasse. Oder, wenn der Aufstieg des Tabellenführers glückt, in der 3. Kreisklasse. Die Ankündigung des Vereins, künftig die eigene Jugendabteilung in den Fokus zu rücken, wird da zu einem schlechten Witz. Denn welcher talentierte Jugendspieler wird über die C-Jugend hinaus in Langenhagen bleiben, wenn seine Perspektive im Herrenbereich eine Kreisklasse ist, wo teilweise Spieler kicken, die 40 Jahre und älter sind?

„Jeder, dem man das erklärt, schüttelt mit den Kopf“, sagt Gehrke. Und wie wolle man mit diesen Aussichten künftig überhaupt Sponsoren für Fußball beim SCL begeistern? „Die werden dann lieber zum TSV Krähenwinkel/Kaltenweide oder MTV Engelbostel/Schulenburg oder TSV Godshorn gehen“, sagt Gehrke.

Der Verein habe 3500 Mitglieder, „im Vorstand aber sitzt kein Fußballer“, so der Trainer. „Im Sponsorenbereich hat sich zwei, drei Jahre nichts getan.“ Als er sich selbst darum kümmern wollte, so Gehrke, hätten ihm die damaligen Verantwortlichen gesagt, „wir sollen uns da raushalten“. Auch sonst ist beim SCL im Fußball nicht viel passiert, die weitläufige Anlage ist in keinem schönen Zustand, die Kabinen haben den Charme der siebziger Jahre.

Gehrke rechnet in den letzten Heimspielen trotzdem mit mehr Besuchern als sonst. „Bei uns werden 20 zum Teil gute Spieler frei“, sagt er, „da wird der eine oder andere Verein mal vorbeischauen.“

Heiko Rehberg

Chronik des SC Langenhagen

Im Juni wird es jetzt keinen Grund zum Feiern geben. Die Abmeldung der 1. Herrenmannschaft des SC Langenhagen setzt ein brüskes Ende unter 20 Jahre Zugehörigkeit in den niedersächsischen Fußballklassen. 1993 schaffte der SCL den Aufstieg in die damals fünftklassige Landesliga West. Fünftklassig blieben die Flughafenstädter fortan bis auf drei Jahre (2001 bis 2004), in denen sie sogar in der viertklassigen Oberliga Niedersachsen/Bremen antraten. Von August 2013 an wird der SCL bestenfalls in der 3. Kreisklasse Hannover-Land spielen, wenn die derzeitige 2. Mannschaft aufsteigt. Wie schwer die Rückkehr nach einem derart tiefen Fall ist, zeigt das Beispiel des einstigen Viertligisten TSV Friesen Hänigsen, heute Abstiegskandidat in der Kreisliga.

cas