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Fußball Trainer Hrubeschs Tagesordnung heißt Halbfinale
Sport Fußball Trainer Hrubeschs Tagesordnung heißt Halbfinale
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14:57 22.06.2009
Will mit seinen Jungs ins Halbfinale: Trainer Horst Hrubesch. Quelle: Foto: Uwe Dillenberg

An den Augenblick, als die Elfmeter verschießenden Engländer die Welt betraten, kann sich Dennis Aogo nicht mehr erinnern. Er hat als Kind selbstverständlich gerne Fußball geschaut, aber zum Sieg der deutschen Elf im Elfmeterschießen über England im WM-Halbfinale 1990 könne er schlecht etwas sagen. „Also“, protestierte der Defensivspieler des Hamburger SV in seiner angenehmen, aber bestimmten Art: „Da war ich doch erst drei Jahre alt!“

Trotzdem muss er 1990, während die Übertragung aus Turin lief und er in Karlsruhe im Kinderbett schlief, eine besondere Art von Schwingungen gespürt haben. „Die deutsch-englische Rivalität bekommst du in die Wiege gelegt“, glaubt Aogo. Am Montag (20.45 Uhr, live im ZDF) darf er bei der „U 21“-Europameisterschaft ein Mini-Drama des endlosen Duells bestreiten; die deutsche Auswahl braucht zum Ende der Vorrunde gegen die Engländer noch ein Remis, um erstmals seit 1982 wieder ins EM-Halbfinale aufzusteigen.

Die lange Ruhe vor großen Spielen war am Sonnabend endlich über das Hotel Nääs Fabriker hereingebrochen; nur den Berliner Patrick Ebert hörte man im deutschen Quartier in den Wäldern Göteborgs noch verzweifelt schreien, aber das lag bloß daran, dass Mitspieler Mats Hummels ihn beim Tischtennis quälte. Einen Tag lang waren zuvor die Mächtigen des deutschen Fußballs mit ihren Kabalen auf die „U 21“-EM herniedergekommen – DFB-Sportdirektor Matthias Sammer auf der einen, Bundestrainer Joachim Löw und der Manager der A-Nationalelf, Oliver Bierhoff, auf der anderen Seite hatten beim Besuch in Schweden sehr öffentlich um ihre Macht gerangelt.

Zum Abschied versicherte Sammer Löw fast schon flehentlich: „,Jogi’, du kannst dich auf mich verlassen!“ Am Freitag um fünf waren Löw, Bierhoff und der Zirkus wieder abgereist, und „U 21“-Bundestrainer Horst Hrubesch ging zu einer sehr deutschen Tagesordnung über: Er ließ, Fußballdeutschlands Lieblingsbeschäftigung, die Ersatzspieler beim Training üben, „in die Zweikämpfe reinzukommen“.

Auf die Idee, dass sie gegen England leichtes Spiel haben könnten, weil die Briten nach zwei Siegen bereits für das Halbfinale qualifiziert sind, kommt keiner. „Der Trainer würde uns noch nicht einmal gegen ein Wirthausteam halbherzig spielen lassen“, sagt Englands Torwart Joe Hart und meint damit: gegen die Deutschen schon gar nicht. Denn Englands Trainer Stuart Pearce ist eine historische Figur der deutsch-englischen Elfmeterbeziehung.

Bei der WM 1990 war er einer der fatalen englischen Fehlschützen. Bei der EM 1996 traf er, aber England verlor erneut. Man nennt es wohl Schicksal, dass Pearce 2007 bei seiner ersten „U 21“-EM als Trainer im Halbfinale im Elfmeterschießen mit 13:14 an den Niederlanden scheiterte. „Jede einzelne Trainingseinheit“, sagt Pearce, „habe ich seitdem Elfmeter trainieren lassen.“ Es versteht sich, dass James Milner am Donnerstag bei Englands 2:0-Sieg über Spanien trotzdem einen Elfmeter verschoss.

Gegen ein solch historisches Trauma nehmen sich die deutschen Probleme bei dieser EM recht alltäglich an. Das 0:0 gegen Spanien und das 2:0 gegen Finnland offenbarten eine Elf mit stabiler defensiver Ordnung, mit standhaftem Anspruch, die Initiative zu suchen; das Flügelspiel allerdings lahmt. „Wenn wir nicht schnell von hinten rausspielen, schiebt der Gegner die Flügel zu, da brauche ich mich nicht über Gonzalo Castro und Marko Marin auslassen“, verteidigt Hrubesch seine Außen. Doch mit seinen Dribblings könnte Marin Spielraum schaffen, wo keiner ist. Von Hrubesch ins linke Mittelfeld platziert, gelang es ihm jedoch ganz selten, den Sturm zu finden.

„Ich müsste es akzeptieren, wenn ich gegen England nur Ersatz wäre“, sagt er. Es ist nicht zu übersehen, wie verzagt er derzeit ist, weil sein Wechsel von Mönchengladbach zu Werder Bremen nicht vorankommt. Gladbach beharrt auf zehn Millionen Euro Ablöse, Werder will es wohl bei acht belassen. Nun pokern beide Vereine öffentlich mit Aussagen, sie könnten den Transfer auch platzen lassen. Das Gefühl, nicht zu wissen, was mit ihm passiert, ist sicher nicht beflügelnd für Marin. „Wir kennen Marko doch alle“, sagt Hrubesch, der brauche Nestwärme, weshalb der Trainer ihn nach dem Finnland-Spiel bewusst innig umarmte.

Als Marin am nächsten Morgen zum Frühstück kam, zwinkerte er Hrubesch zu. „Vorsicht, Marko, das ist gefährlich!“, rief da allerdings Hrubesch. „Ich bin doch nicht deine Freundin.“

von Ronald Reng

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