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Fußball Spanier kämpfen um Europa-League-Titel
Sport Fußball Spanier kämpfen um Europa-League-Titel
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09:24 09.05.2012
Foto: Atlético ist Spitze – im Schuldenmachen: Die Madrilenen sorgen nicht nur sportlich für Schlagzeilen wie hier im Europa-League-Viertelfinale gegen Hannover 96 (am Boden: Sergio Pinto).
Atlético ist Spitze – im Schuldenmachen: Die Madrilenen sorgen nicht nur sportlich für Schlagzeilen wie hier im Europa-League-Viertelfinale gegen Hannover 96 (am Boden: Sergio Pinto).
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Madrid

Eines Freitags im März stieg Álvaro Cervera als Trainer des spanischen Fußball-Zweitligisten Recreativo Huelva in den Mannschaftsbus, um zu einem Auswärtsspiel zu fahren. Als er ausstieg, war er Trainer des Erstligisten Racing Santander.
Kaum hatte sich der Bus in Bewegung gesetzt, bekam Cervera einen Anruf, seinem Wechsel nach Santander stehe nichts mehr im Wege. Der Trainer stieg aus, der Bus fuhr weiter, nun ohne Trainer.

Angesichts des spanischen Endspiels in der Europa League zwischen Atlético Madrid und Athletic Bilbao heute Abend in Bukarest (20.45 Uhr, live bei Kabel 1) wird die spanische Primera División häufig stärkste Liga der Welt genannt, doch Episoden wie jene vom Trainer, der im Bus den Verein wechselte, untermauern, dass sie sich auch skurrilste Liga der Welt nennen darf. Nicht selten steht die Klasse des Spiels im Widerspruch zum Gemauschel der Liga.

Fünf spanische Teams mischten sich diese Saison in die Halbfinals der Europapokalwettbewerbe, doch die Fans dürfen es als Erfolg sehen, dass 2012 die Anstoßzeiten der Primera División endlich drei Wochen im Voraus festgelegt werden. Bis zu dieser Saison wusste man oft montags noch nicht, wer Sonnabend oder Sonntag spielte.

Die Europa-League-Finalisten Atlético und Athletic verkörpern die zwei Seiten des spanischen Fußballs. In der Europa League, dem kleinen Europacup, triumphiert im besten Fall die Mittelklasse mit Innovation über das Geld, und Athletic Bilbao fügt sich in diese Tradition. Es ist die Elf, die nie still steht. In selten erreichter Geschlossenheit wechselt sie zwischen Angriff und Abwehr. In ihrem Spiel tauchen die spanischen Werte auf: in der Ausbildung, in Taktik und Trainingslehre setzen spanische Klubs mehr als alle anderen auf die Technik am Ball und das Zusammenspiel. Auch gibt es kaum ein Land, in dem junge Spieler und Trainer so selbstverständlich ihre Chance in der 1. Liga erhalten. Athletic hat die Weltmeister Javi Martínez und Fernando Llorente sowie Iker Muniain großgezogen.

Atlético hat 155 Millionen Euro Schulden

Atlético Madrid ist auch Spitze, allerdings im Schuldenmachen. 155 Millionen Euro Steuern und Sozialabgaben schuldet Atlético dem Staat. In anderen Ländern hätte das zu Pfändung und Zwangsabstieg geführt, in Spanien hieß es: Aber es ist doch Atlético! Es sind doch unsere Fußballklubs. Im Sommer verkaufte Atlético Stürmer Sergio Agüero für 43 Millionen Euro an Manchester City, zahlte Kredite zurück – und nahm Tage später den nächsten auf, um für 40 Millionen Radamel Falcao vom FC Porto auszulösen. So mauschelt man sich durch.

In der sogenannten stärksten Liga der Welt beträgt der Vorsprung von Real Madrid und FC Barcelona auf den Dritten 29 Punkte. Jenseits von Madrid, Barcelona oder Valencia spielen Getafe, Santander, Vallecano vor 10.000 Zuschauern. Real Saragossa meldet Konkurs an, bezahlt Gehälter nicht mehr, verpflichtet aber über einen Investmentfonds die portugiesischen Nationalspieler Fernando Meira und Hélder Postiga. 

„Spanien ist anders“, lautet ein Werbeslogan des Tourismusministeriums. Längst hat der Spruch einen ironischen Klang. So wird heute zum fünften Mal in neun Jahren eine spanische Elf die Europa League gewinnen, den sportlichen Führungsanspruch einer Fußballnation zementieren, die sich Exzentrik und Chaos gönnt.

Álvaro Cervera saß zwei Tage, nachdem er aus Recreativos Bus ausgestiegen war, auf Santanders Trainerbank. Er führte den Klub vom drittletzten auf den letzten Rang.

Das Finale im Fernsehen

Sein Klub Hannover 96 ist ebenso wie Bundesliga-Konkurrent Schalke 04 im Viertelfinale aus der Europa League ausgeschieden, doch für Coach Mirko Slomka gibt es am Mittwoch Nachschlag: Der 96-Trainer sitzt an der Seite von Kommentator Holger Pfandt am Mikrofon von Fernsehsender Kabel 1. Anpfiff ist um 20.45 Uhr, die Vorberichte beginnen um 20.30 Uhr.

Referee Wolfgang Stark leitet das Finale zwischen Atlético Madrid und Athletic Bilbao – und bekommt Unterstützung aus Niedersachsen. Der Burgdorfer Bundesligaschiedsrichter Florian Meyer ergänzt das Gespann der Unparteiischen als einer von zwei Torrichtern.

Vor zwei Jahren hat Atlético Madrid die Europa League schon mal gewonnen. Der Weg ins Finale in Bukarest führte diesmal über Udinese Calcio, Celtic Glasgow und Stade Rennes (Gruppenphase), Lazio Rom, Besiktas Istanbul, Hannover 96 und den FC Valencia.

Athletic Bilbao hat noch keinen internationalen Titel gewonnen. Ins Finale ging es über RB Salzburg, Paris St. Germain und Slovan Bratislava (Gruppenphase), Lok Moskau, Manchester United, Schalke 04 und Sporting Lissabon.

Ronald Reng

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