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Fußball Serbien will Wiederholung des Länderspiels gegen Italien
Sport Fußball Serbien will Wiederholung des Länderspiels gegen Italien
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19:40 15.10.2010
Fan-Randale beim Länderspiel Serbien gegen Italien.
Fan-Randale beim Länderspiel Serbien gegen Italien. Quelle: dpa
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Der serbische Fußballverband FSS hat die Schuld an den Ausschreitungen von Genua den Organisatoren in Italien zugeschoben und ein Wiederholungsspiel gefordert. „Wir werden uns am 18. Oktober mit UEFA-Präsident Michel Platini treffen und eine Neuansetzung fordern“, kündigte Verbandschef Tomislav Karadzic am Freitag an. Die Randale während des EM-Qualifikationsspiels seien von zu laxen Sicherheitsvorkehrungen in der ligurischen Hafenstadt begünstigt worden.

„Der Gastgeber ist verantwortlich für die Veranstaltung“, sagte Karadzic nach einem Krisentreffen in Belgrad. Der Sicherheitsbeauftragte des FSS, Milivoj Mirkov, meinte: „Die Reaktion der italienischen Polizei war schwach.“

Karadzic, der von UEFA-Sanktionen gegen seinen Verband ausgeht, ergänzte: „Die Kritik an uns sowie Fragen, wie wir Ereignisse wie in Genua zulassen konnten, sind gegenstandslos. Jeder, der einen Pass besitzt, kann sich ein Ticket kaufen und hinreisen, wo er will, um eine solches Fußballspiel zu sehen.“ Italien sei von den Serben gewarnt worden. Sicherheitsexperte Mirkov bemängelte, die Polizei hätte „nichts getan, um die Randale zu vermeiden, und das trotz unserer Warnungen und trotz der Vorkommnisse schon vor dem Spiel“.

Indes hat der mutmaßliche Anführer der Hooligan-Krawalle, Ivan Bogdanov, politische Motive hinter den Ausschreitungen bestritten. „Ich bin nicht politisch aktiv“, ließ der in Genua inhaftierte Serbe über seinen Anwalt mitteilen, bevor er am Freitag zusammen mit sieben weiteren festgenommenen Hooligans einem Haftrichter vorgeführt wurde.

Ziel der Fan-Randale, bei der 17 Menschen verletzt wurden, seien am Dienstagabend Karadzic, früher Präsident bei Partisan Belgrad, und vor allem Nationaltorwart Vladimir Stojkovic gewesen. „Er ist in der Jugend von Roter Stern Belgrad groß geworden und dann zu Partisan Belgrad gewechselt. Er hat uns verraten“, gab Bogdanov an.

Dass die Proteste derart aus dem Ruder laufen würden, habe er nicht erwartet. Bei den Kontrollen vor dem Stadio Marassi seien ihm Feuerwerkskörper und ein Megafon abgenommen worden. „Das hat die Gemüter erregt, im Stadion ist es dann ausgeartet. Mir ist die Situation völlig aus den Händen geglitten“, berichtete Bogdanov, der mit einer Zange das Sicherheitsnetz im serbischen Block zerschnitten und Feuerwerkskörper auf das Feld geworfen hatte. Die Partie zwischen Italien und Serbien musste in der siebten Minute abgebrochen werden.

Dem Gelegenheitsarbeiter und den übrigen inhaftierten Hooligans drohen in Italien Haftstrafen von ein bis vier Jahren. Über einen von Bogdanov angestrebten Vergleich mit der Staatsanwaltschaft wird am Montag verhandelt. Demnach würde er in Genua zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, aber sofort an Serbien ausgewiesen.

Die serbische Regierung hat indes als Reaktion auf die Vorfälle angekündigt, gegen Hooligans künftig ebenso vorzugehen wie gegen das organisierte Verbrechen. Wie Medien am Freitag vermeldeten, will Belgrad Gerichte dazu ermächtigen, gewaltbereite Anhänger länger als sechs Monate in Untersuchungshaft zu behalten, deren Eigentum zu beschlagnahmen und Kronzeugen anzuhören. Derartige Maßnahmen sind bislang nur bei Prozessen gegen die Mafia vorgesehen.

dpa