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Fußball Dino auf Abschiedstour
Sport Fußball Dino auf Abschiedstour
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08:44 14.04.2015
Foto: "Wenn wir uns so präsentieren, wie wir uns präsentiert haben, dann werden wir keine Chance haben, die Klasse zu halten." - HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer.
"Wenn wir uns so präsentieren, wie wir uns präsentiert haben, dann werden wir keine Chance haben, die Klasse zu halten." - HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer. Quelle: dpa
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Hamburg

Dino Hermann schlurft durch die Arena. Das HSV-Trikot auf seiner Stoffplauze spannt, sein Kopf ist gesenkt, und das eigentlich festgenähte Lachen funktioniert auch nicht mehr. Hermann, das Maskottchen vom Bundesligisten Hamburger SV, scheint traurig seine Abschiedstour zu planen: „Am Sonntag noch mal Derby in Bremen, dann kommt Augsburg, ab nach Mainz, Freiburg begrüßen, in Stuttgart spielen und dann zu Hause gegen Schalke Tschüss sagen. Tschüss, 1. Liga.“ Sein Klub hat 0:2 gegen Wolfsburg verloren, am Tag darauf, am Sonntag, war der HSV dann auch noch Letzter, weil der VfB  3:2 gegen Werder gewann. Das ist ihm zu einem so späten Zeitpunkt einer Saison noch nie passiert. Das Ende vom Erstliga-Fußball an der Elbe naht.

Vertrag vom Hauptsponsor läuft aus

Am heutigen Dienstag spielt der HSV seit 51 Jahren und 232 Tagen in der 1. Liga – als einziger Klub ist er noch nie abgestiegen. Vergangenes Jahr wäre es fast passiert – ein 0:0 und ein 1:1 in der Relegation gegen Fürth reichten gerade so eben. Der Dino tanzte. Kein Jahr später ist er so gut wie tot. Und es kommt die Frage auf: Was, ja, was passiert, wenn am 34. Spieltag die Bundesligauhr im Stadion der Hamburger aufhört zu ticken?

„Wenn wir uns so präsentieren, wie wir uns präsentiert haben, dann werden wir keine Chance haben, die Klasse zu halten“, sagte HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer nach der Pleite gegen Wolfsburg. Wird die Klasse nicht gehalten, hat das schwere finanzielle Folgen für die Hanseaten. Dann würde der HSV rund 16,5 Millionen Euro weniger aus dem Topf der Deutschen Fußball Liga erhalten. Auch in Sachen Ticketeinnahmen müssten erhebliche Abstriche gemacht werden.

Und der Sponsor Emirates (der Vertrag läuft im Sommer aus) wird sich überlegen, ob er dann einem Zweitligisten weiterhin 8,5 Millionen Euro jährlich zahlen will.  „Zweite Liga ist eher nichts für uns, denn auch als Airline fliegen wir in der ersten Liga“, sagte Thierry Antinori, Vizechef der Fluggesellschaft, dem „Handelsblatt“. Klare Worte – weniger Geld.

Und damit hätten die Hamburger gleich die nächste Sorge: teure Spieler. Denn kein Profi mit Erstligagehalt würde bei einem Abstieg von der Gehaltsliste verschwinden – alle Unterschriften gelten auch für die 2. Liga. Fest steht nur, dass der Klub nicht mehr auf Rafael van der Vaart und Marcell Jansen setzen wird – beiden wurde schon vermittelt, dass ihre auslaufenden Verträge nicht verlängert werden.Ivo Ilicevic und Gojko Kacar stehen ebenfalls vor dem Aus. Heiko Westermann („Mein erster Ansprechpartner ist der HSV“) hat zumindest theoretische Chancen auf eine Vertragsverlängerung. „Wir setzen uns in jedem Fall nach der Saison gemeinsam hin“, sagte Beiersdorfer kürzlich.

Beiersdorfer steht zu Knäbel

Nach der Saison. Da muss auch die Frage erlaubt sein, ob Beiersdorfer dann noch etwas zu sagen hat – schließlich ist auch er mit für den Niedergang verantwortlich. Dass Interimscoach Peter Knäbel noch in dieser Spielzeit von seinem potenziellen Nachfolger Thomas Tuchel abgelöst wird, schließt der Boss jedenfalls aus:  „Es gibt keine Gedankenspiele“, sagt er, und kontert die Forderungen derjenigen, die dem HSV zu einem sofortigen Trainerwechsel (nach Knäbel, Joe Zinnbauer und Mirko Slomka wäre es der vierte in dieser Saison) raten – wie  HSV-Ikone Felix Magath („Das würde sicher ein bisschen Schwung bringen.“) und Ex-Coach Slomka.

Beiersdorfer: „Es ist uns egal, dass uns alle in die 2. Liga reden wollen – die Leute da draußen, die Experten, ganz Fußball-Deutschland. Das schweißt uns zusammen.“ Magath bot dem HSV sogar seine persönliche Hilfe an. Er sei „grundsätzlich immer bereit“. Aber kann dem HSV überhaupt noch jemand helfen? Neue Details vom Wochenende sprechen dagegen.

Die Halbzeit-Prügelei zwischen Johan Djourou und Valon Behrami in der Kabine beim Spiel gegen Wolfsburg (beide wurden von Knäbel nicht ausgewechselt!) soll derart eskaliert sein, dass das Duo zu Boden ging. Mut zeigte hingegen Lewis Holtby, der nach der Niederlage mit den Fans diskutierte: „Wir müssen uns den Arsch aufreißen für diesen geilen Klub.“ Ob Phrasendrescherei oder nicht – diese Einsicht scheint zu spät zu kommen.

„Noch einmal Derby in Bremen“, bangt Dino Hermann und macht sich auf den Weg ...

Von Eric Zimmer

12.04.2015
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