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Fußball Pochers McUnfit
Sport Fußball Pochers McUnfit
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22:27 26.07.2009
Von Heiko Rehberg
Oliver Pocher als Oliver Kahn wird von den McFit Allstars nach dem Spiel gegen den FC Bayern München gefeiert. Quelle: Handout/obs/McFit GmbH
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Aber die Fakten: 3,56 Millionen TV-Zuschauer verfolgten in SAT.1 die 2. Halbzeit beim 13:0-Sieg der Bundesligaprofis gegen die Hobbykicker und Prominentenbolzer. Gegen die Liveübertragung aus Gelsenkirchen hatte das zeitgleiche Frauen-Länderspiel Deutschland – Niederlande in der ARD mit 1,83 Millionen Fußballfans das Nachsehen. Zuvor wollten noch weniger – nämlich 1,15 Millionen Radsportanhänger – die Tour-Etappe auf den Mont Ventoux im Ersten anschauen.

Pocher schlägt also – quotentechnisch – Alberto Contador und Birgit Prinz. Oder funktioniert es eher so herum: Bayern geht im Fernsehen immer. Notfalls sogar, wenn die Münchener gegen ein Team spielen, das sich „McFit Allstars“ nennt, obwohl „McUnfit Altaussehstars“ wohl der passendere Name gewesen wäre. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird ein Sender 90 Minuten Gammeleck-Training des FC Bayern plus Vorab-Interviews und Hinterher-Analyse live übertragen – und einen Quotensieg feiern dürfen.

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„Schon die Vorberichterstattung ,Sportfreunde Pocher – Der Countdown‘ begeisterte 28,2 Prozent der werberelevanten Zuschauer“, jubelte der Branchendienst „ots“. Tatsächlich bot der Countdown genau wie das unnötigste Spiel des Jahres bereits viele gute Gründe, wenn schon nicht zu den Fußballfrauen zu zappen, so doch wenigstens den Ausknopf an der Fernbedienung zu betätigen. Doch das waren vermutlich nicht werberelevante Zuschauer – ihre Rote Karte zählt also nicht und zieht keine Sperre für Pocher und Co. nach sich. Schade!

Freundlicherweise weiß man nach dem Spiel nun, warum Werner Lorant keinen Trainerjob mehr in den Ligen 1 bis 5 findet. Die Kombination mit Pocher passte ungefähr so wenig wie damals im Fernsehen die Kombination Pocher/Harald Schmidt. Lorant ist nicht witzig, auch wenn sein Auftritt als Trainer der Elf des Komikers clowneske Züge hatte.

Über Pochers Humor lässt sich streiten. Über sein fußballerisches Können nicht. Es müsste ihm nur einmal jemand sagen, dass er nicht immer mit oder gegen irgendwelche Nationalspieler antreten muss, um zu merken, dass er in der Altherrenmannschaft des TuS Altwarmbüchen besser aufgehoben wäre – auch wenn es dort vermutlich nicht zu einem Stammplatz reichen würde.

Und warum muss einer wie Johannes B. Kerner im Sturm alle Vorurteile bestätigen, dass Männer von einem gewissen Alter an auf dem Golfplatz besser aufgehoben sind? Und noch spannender: Warum tut sich der FC Bayern so ein Spiel eigentlich an? Damit Miroslav Klose den Kerner bei der nächsten Nationalelf-Moderation mit dessen Technik aufziehen kann?

Immerhin: Mehr als eine Million Euro aus dem Spiel geht an die Aktion „Ein Herz für Kinder“. Und Klose traf fünfmal.

26.07.2009
24.07.2009