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Fußball Otto, der Außenminister
Sport Fußball Otto, der Außenminister
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09:22 12.11.2013
Foto: Den Griechen Mut machen: Otto Rehhagel.
Den Griechen Mut machen: Otto Rehhagel. Quelle: dpa
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Stadthagen

Otto Rehhagel ist in Deutschland eine Legende. In Griechenland ist er ein Nationalheld, seit er die Fußballer 2004 zum Europameister gemacht hat. Im Frühjahr bat ihn die Kanzlerin um Hilfe. Die Griechen müssten die Deutschen nicht hassen. Diese Botschaft sollte der, den sie hier König Otto, dort Rehakles nennen, nach Athen tragen. Er traf Bürger, Politiker und Erzbischof Hieronymus – und brachte so etwas Wärme in das deutsch-griechische Verhältnis.

Montagmittag in Stadthagen. „Gemeinsam Griechenland Mut machen“, unter dem Motto hat die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung zu einer Diskussionsrunde in den Saal des Ratskellers geladen. Mehr als 200 Gäste, die meisten tragen einen Anzug, sind gespannt, was die Trainerlegende dazu sagen kann. „Ich bin kein Ökonom“, sagt Rehhagel. Die Griechen wüssten, dass sie den Gürtel enger schnallen müssten. „Das machen sie auch.“ Aber der Gürtel dürfe ihnen nicht die Atemluft nehmen.

Auch Burkhard Balz will den Griechen etwas mehr Luft geben. Balz begann in Stadthagen als Lokalpolitiker, sitzt heute für die Christdemokraten im Europaparlament. „Die Armut in Griechenland ist spürbar“, sagt er. Balz war vor drei Wochen dort. Die Geldgeber müssten überlegen, ob man Griechenland mehr Zeit lasse. Karl Rothmund, Chef des niedersächsischen Fußballverbandes, regte ein Spiel der Nationalmannschaften an.

Rehhagel erzählt von seiner Zeit bei Werder Bremen. Manche hätten seine Art damals kritisiert, die er selbst „demokratische Monarchie“ nennt. Seine Spieler aber berichten noch heute von der Vaterfigur, die er für sie war. Seine Arbeit fußte auf simplen Werten. Ehrlichkeit, Loyalität, Fairness. Diesen Werten entstammen Zitate wie „Geld schießt keine Tore“.

Rehhagel ist nicht uneitel. Das zeigt er, als er bei der wohlwollenden Vorstellung dazwischenruft – er sei auch Europapokalsieger. Und er mag seine Sprüche. Manche sind schroff, manche gestrig. Aber dann sagt er auch Sätze wie: „Die größte Herausforderung des Lebens ist das menschliche Miteinander.“ Als er nach einem Wunschposten im Kabinett Merkel gefragt wird, sagt er: „Außenminister“. Dabei hält sich Rehhagel mit Bewertungen auf diesem ihm unbekannten Feld zurück. „Ich bin dafür, dass sich die intelligentesten Menschen zusammensetzen, um eine Lösung für Griechenland zu finden.“ Das hatte er fast wortgleich im März gesagt.

Im August ist Otto Rehhagel 75 Jahre alt geworden. Seine Trainerlaufbahn hat er beendet. Der Druck sei immens gestiegen, im Fußball, aber auch im restlichen Leben. Druck führe zu Angst und zu Extremismus. Rehhagel habe sich vor vielen Jahren mal gesagt: „Otto, du musst dir ein dickes Fell anschaffen“. Aber das gebe es nicht. „Wir sind alle verletzlich.“

Von Gerd Schild

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