Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Fußball Özil angeschlagen zum Nationalteam
Sport Fußball Özil angeschlagen zum Nationalteam
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:56 03.10.2011
Özil zog sich am Sonntag beim 4:0 von Real Madrid bei Espanyol Barcelona die Prellung zu.
Özil (mit Trainer Jose Mourinho li.) zog sich am Sonntag beim 4:0 von Real Madrid bei Espanyol Barcelona die Prellung zu. Quelle: dpa/Archivfoto vom 19.08.2010
Anzeige
Berlin

Die Zeichen stehen auf Angriff: Joachim Löw kann auf seine Profis zählen. Von den eingeladenen Spielern hat der Bundestrainer bisher keine Absage bekommen.

Auch Özil wird spielen. Der Nationalspieler mit türkischen Wurzeln hatte sich am Sonntag beim 4:0 von Real Madrid bei Espanyol Barcelona eine Prellung zugezogen, er läuft aber auf.

Brisantes Spiel

Das EM-Gruppenticket ist vor dem Duell in Istanbul schon gebucht, doch vor allem für Mesut Özil bleibt es ein ganz brisantes Spiel. Erstmals wird der deutsche Nationalspieler mit türkischen Wurzeln am Freitag bei einem Länderspiel in der Heimat seiner Vorfahren auflaufen. „Es ist gut möglich, dass wieder Leute pfeifen. Aber das belastet mich nicht. Ich kann mich in solchen Situationen professionell verhalten und das ausblenden“, erklärte der Star von Real Madrid im Sportmagazin „kicker“.

Trotz seiner verletzungsbedingten Auswechslung beim 4:0-Sieg der „Königlichen“ am Sonntagabend in der Primera Division bei Espanyol Barcelona scheint Özils Einsatz im EM-Qualifikationsspiel in der Türkei nicht gefährdet. Die erste Diagnose in Spanien ergab eine Knöchelprellung. Auch von den anderen 23 eingeladenen Profis hatte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Treffen am Dienstag in Mainz zunächst keine negativen Rückmeldungen bekommen, hieß es am Montag vom Deutschen Fußball-Bund (DFB).

„Ungeschlagen zu bleiben, ist ein Ziel, das wir alle haben“, sagte Özil zur Motivation für die beiden abschließenden EM-Punktspiele am Freitag in Istanbul und vier Tage später in Düsseldorf gegen Belgien. Mit acht Siegen in den bisherigen acht Partien hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Ticket für die Europameisterschaft im Sommer 2012 in Polen und der Ukraine bereits souverän gebucht. Auch die Quartiere für Vorbereitung (Sardinien, Südfrankreich) und Turnier (Danzig) sind perfekt. Jetzt will Chefcoach Löw noch die „Dreier“ Nummer neun und zehn - das wäre Rekord. In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1982 in Spanien hatte das DFB-Team in acht Partien auch acht Siege geschafft.

Beim Hinspiel-3:0 in der laufenden EM-Ausscheidung im Berliner Olympiastadion gegen die Türkei hatte der damalige Torschütze Özil auf größeren Jubel verzichtet. Der gebürtige Gelsenkirchener war von türkischen Fans permanent ausgepfiffen worden, da er sich gegen die Nationalmannschaft seiner Vorfahren entschieden hatte. Dennoch meinte der 22-Jährige jetzt: „Ich glaube, die Türken sind stolz auf mich. Sie sind stolz, einen Stammspieler bei Real Madrid zu haben. Ich habe vor allem die Erfahrung gemacht, dass mir Respekt dafür entgegen gebracht wird. Viele Leute akzeptieren und respektieren gleichzeitig meine Entscheidung, für Deutschland zu spielen.“

In der „Welt am Sonntag“ ergänzte Özil zu neuen möglichen Unmutsbekundungen der türkischen Fans: „Ich kann deren Enttäuschung ein Stück weit verstehen.“ Seine Erinnerungen an die Partie in Berlin sind daher eher positiv: Angela Merkel tauchte nach der Partie in der deutschen Kabine auf; ein gemeinsames Foto wurde verbreitet. „Ich habe das Foto mit der Bundeskanzlerin sogar eingerahmt. Es liegt in meinem Wohnzimmer in Spanien“, verriet Özil jetzt. „Das passiert ja nicht alle Tage, dass man Frau Merkel live vor sich hat - und dann noch in der Kabine. Das war schon etwas Besonderes.“

Spätestens nach der besonderen Begegnung zwischen Kanzlerin und dem Jungstar gilt Özil als großes Vorbild für gelungene Integration in Deutschland. Er selbst hält diese Darstellung allerdings ein Stück für überzogen. „Ich tue mein Bestes, um ein Vorbild zu sein. Auf dem Platz und auch außerhalb. Aber es stimmt schon: In erster Linie bin ich Profifußballer“, meinte Özil.

dpa/kas