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Fußball Kaiser Beckenbauer feiert seinen 65. Geburtstag
Sport Fußball Kaiser Beckenbauer feiert seinen 65. Geburtstag
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18:33 10.09.2010
Franz Beckenbauer wird am 11. September 65 - die große Partie gibt es aber erst zum 66.
Franz Beckenbauer wird am 11. September 65 - die große Partie gibt es aber erst zum 66. Quelle: dpa
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Die große Party ist erst für das nächste Jahr und den nächsten Geburtstag geplant. „Mit 66 fängt ja das Leben erst an“, sagt Franz Beckenbauer, „der 66., der wird groß gefeiert – wenn ich da noch leb’.“ Ganz ohne Spruch geht es bei ihm selten, auch jetzt nicht, vor seinem morgigen 65. Geburtstag. Beckenbauer wird ihn im Stadion erleben, beim Spiel seines FC Bayern München gegen Werder Bremen, das er als TV-Experte begleiten wird. 70.000 Zuschauer werden sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihm zu gratulieren.

Beckenbauer ist der Kaiser, in Anführungszeichen schreibt das längst keiner mehr. Jedem deutschen Fußballfan, der älter als zehn Jahre ist, fällt zu Beckenbauer irgendein Bild oder irgendeine Geschichte ein. Oder eine Anekdote. Und wenn es die vom ZDF-„Sportstudio“ ist, in dem Beckenbauer in der Feierlaune nach dem Meistertitel 1994 den Ball von einem gefüllten Weißbierglas aus in der Torwand versenkte. So etwas kann nur der Kaiser.

Der Fußballer Beckenbauer, Europameister 1972 und Weltmeister 1974, war der Libero schlechthin. Längst bevor die Viererketten den Libero überflüssig machten, hätte man diesen Posten aufgeben können, denn nach Beckenbauer konnte jeder nur schlecht aussehen. Die Eleganz und die Erhabenheit, mit der Beckenbauer spielte, ist bis heute einmalig nicht nur im deutschen Fußball.

Den Erfolgen als Spieler folgten fast nahtlos die Siege als Trainer. Dabei wollte Beckenbauer nie Trainer werden und war das im klassischen Sinne auch nie. „Geht’s raus und spielt’s Fußball.“ Dieser Satz steht für den Trainer Beckenbauer, der Deutschland 1990 zum dritten und bislang letzten WM-Titel führte.

Den vielleicht größten Erfolg landete er aber in seiner Karriere als Sportfunktionär: Beckenbauer holte 2006 die Fußball-WM nach Deutschland – und sorgte dafür, dass vier Wochen lang die Sonne schien. Ein Kunststück, dem mit dem Zauberschuss vom Weißbierglas vergleichbar.

Beckenbauer war als Fußballer ein Künstler, im Leben hat er die Leichtigkeit zur Kunstform erhoben. Und gibt es eine größere Kunst für einen ganz Großen, als sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen? Der Bezahlsender Sky, für den Beckenbauer als Experte arbeitet, zeigt morgen an dessen Geburtstag auf seinem Heimatkanal den Film „Libero“ aus dem Jahr 1973 – mit dem Kaiser als Darsteller. Als Beckenbauer davon Wind bekam, fragte er: „Kann man das noch verbieten?“

Als Komödiant würde Beckenbauer jede noch so riesige Halle füllen. Mit Beckenbauer-Sprüchen könnte man wahrscheinlich eine komplette Zeitungsausgabe von der ersten bis zur letzten Seite drucken. Sie sind auch deshalb unglaublich witzig, weil sie spontan sind und nicht zurechtgelegt. Dass Beckenbauer manchmal innerhalb von einem Tag zwei Meinungen vertritt – geschenkt. Man hört ihm gerne zu, seine Glaubwürdigkeit hat nie gelitten, und wahrscheinlich hat Otto Rehhagel recht, wenn er sagt: „Wenn Franz erklärt, dass der Ball eckig ist, dann glauben ihm das alle.“

Heiko Rehberg und Christian Kunz