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Fußball „Jeder muss zehn, 20 Prozent mehr geben“
Sport Fußball „Jeder muss zehn, 20 Prozent mehr geben“
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10:10 08.12.2011
Vollgas im Training: Torwart Markus Miller kommt Karim Haggui (oben) in die Quere.
Vollgas im Training: Torwart Markus Miller kommt Karim Haggui (oben) in die Quere. Quelle: zur Nieden
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Hannover

Herr Haggui, in der vergangenen Saison sind 96 in der Liga zehn Zu-Null-Spiele gelungen. In der aktuellen Spielzeit erst eins gegen Augsburg, dazu je eines im DFB-Pokal gegen Wismar und eines in der Europa League gegen Standard Lüttich. Wurmt Sie das als Verteidiger?

Da muss man schon die gesamte Defensivarbeit des Teams sehen. Damit bin ich grundsätzlich zufrieden. In den vergangenen Spielen allerdings nur eingeschränkt. Aber mein Gefühl ist, dass die Abwehr insgesamt stabil und sehr präsent ist. Wir wollen immer die bestmögliche Leistung bringen.

Sind Sie auch mit Ihrer eigenen Leistung im Reinen?

Seit dem Rückrundenstart der Vorsaison gegen Eintracht Frankfurt habe ich immer gespielt. Und wie ich finde, auf einem guten Niveau. Ich bin von der Physis und vor allem auch vom Kopf her immer bereit zu spielen.

Dennoch fällt es 96 jetzt schon schwerer, die Spiele für sich zu entscheiden. Woran liegt es nach Ihrer Ansicht?

Der Unterschied zur Vorsaison ist: Wir sind jetzt wirklich bekannt in der Bundesliga. Alle wissen, wo unsere Stärken und Schwächen sind. Daher ist es nicht mehr so einfach für uns zu gewinnen.

Wie stellt sich 96 darauf ein?

Wir müssen uns jetzt die Siege härter erkämpfen. Nur zu kontern, das reicht nicht mehr. Wir müssen mehr investieren. So wie bei den Siegen gegen die Bayern und Dortmund: Jeder muss jetzt zehn oder 20 Prozent mehr geben. Von uns wird immer hoher Aufwand verlangt.

Spüren Sie eine höhere Belastung durch die Spiele in der Europa League?

Für mich ist das toll, in zwei oder drei Wettbewerben zu spielen. Ich mag diesen Rhythmus, in dem man fast an jedem dritten Tag ein Spiel hat.

Sehnen Sie dennoch die Winterpause und den Liga-Urlaub herbei?

Ach, nein. Vor der Winterpause müssen wir unbedingt noch mal punkten. Der Urlaub läuft uns nicht weg. Aber die Punkte gehen verloren, wenn wir nicht aufpassen. Vier Punkte aus den ausstehenden zwei Bundesliga-Begegnungen wären gut. Ich hoffe, dass wir dieses Ziel erreichen.

Der nächste Gegner ist am Sonnabend Bayer Leverkusen, Ihr früherer Klub. Ein besonderes Spiel für Sie?

Nein. Die Mannschaft hat sich stark verändert. Für mich ist das ein Gegner wie jeder andere. Allerdings: ein starkes Team mit viel individueller Klasse. Jeder, der in der Champions League die K.-o.-Phase erreicht, ist gut. Ich sehe aber nicht, dass wir uns kleinmachen sollten.

Danach das letzte Spiel in der Gruppenphase der Europa League gegen Worskla Poltawa. 96 ist schon weiter, rein sportlich geht es um nichts mehr. Welchen Wert hat die Partie für Sie?

Das ist definitiv ein wichtiges Spiel. Wir müssen jede Minute in der Europa League genießen, wenn wir die Chance haben: das Team, der Klub und die Fans. Das sind einfach besondere Abende.

Erwarten Sie einen Spaziergang oder ein schweres Spiel?

Poltawa hat vielleicht nicht so die große Qualität, aber von der Motivation her ist das Team top. Gerade auswärts sind sie nach ihrem 0:0 in Lüttich und dem 0:1 in Kopenhagen, das per Elfmeter fiel, nicht zu unterschätzen. Auf dem Niveau muss man immer aufpassen.

Was kommt danach für Sie: Winterurlaub oder Afrika-Cup mit der tunesischen Nationalmannschaft?

In gut zwei Wochen werde ich die Nachricht bekommen, wer in den Kader berufen wird. Ich bin noch jung, ergibt sich die Möglichkeit, möchte ich gerne dabei sein. Jeder will doch für sein Land spielen.

Wer ist für Sie Favorit dabei?

Das ist dieses Mal ein komisches Turnier. Ägypten hat es zuletzt ja dreimal in Folge gewonnen und ist diesmal nicht dabei. Ebenso Kamerun und Nigeria, zwei große Fußballnationen, sowie Südafrika und Algerien. Das wird eng, jedes Land hat seine Chancen. Ghana und die Elfenbeinküste sind für mich Favoriten.

Das Finale ist am 12. Februar. Selbst wenn Sie den Liga-Start von 96 verpassen, wären Sie rechtzeitig zur nächsten Europa-Partie am 16. Februar zurück.

Ja, dass könnte passen (lacht). Ich komme dann vom Finale rüber.

Wie groß schätzen Sie die Chancen von 96 ein, sich erneut für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren?

So, wie es jetzt läuft, ist das schon sehr schwierig, grundsätzlich aber möglich.

Und wie weit können die „Roten“ im Europapokal diese Saison noch kommen?

In der Saison 2005/2006 habe ich mit Racing Straßburg im UEFA-Pokal gespielt – als Ligapokalsieger; in der Meisterschaft waren wir nur Zehnter geworden. In einer Gruppe mit dem AS Rom, dem FC Basel, Roter Stern Belgrad und Tromsö IL wurden wir Gruppenerster. Danach haben wir uns gegen den Grazer AK und Lovetch durchgesetzt. Erst im Achtelfinale erneut gegen den FC Basel war Schluss. Für 96 heißt das: Wer in die K.-o.-Phase kommt, hat immer eine Chance. Man muss nur an unsere Spiele gegen Sevilla denken.

Interview: Volker Wiedersheim

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