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Fußball Immer mehr Fußballtrainer gehen einfach woanders hin
Sport Fußball Immer mehr Fußballtrainer gehen einfach woanders hin
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22:07 05.06.2009
Von Heiko Rehberg
Mirko Slomka, Fußballlehrer – zurzeit ohne Verein. Quelle: Rainer Surrey

Zur Abwechslung hieß das Trainermotto gestern nicht „Ich bin dann mal weg“, sondern: Der Job ist weg. Nachdem einige Klubchefs der Fußball-Bundesliga in den vergangenen Tagen am Morgen feststellen mussten, dass ihnen über Nacht ihr Trainer abhanden gekommen war, setzte Borussia Mönchengladbach am Mittwoch ein Zeichen gegen den Trend.

Die Borussen, bei denen Hans Meyer überraschend festgestellt hatte, dass er mit „fast 67 Jahren“ zu alt für den Job ist, stellten nach sechs Tagen anstrengender Suche Michael Frontzeck als Coach vor, weshalb nun mit Gewissheit festgestellt werden darf: Frontzeck wird nicht Trainer bei Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV.

Seit knapp zwei Wochen ist in der Bundesliga Fußball-Sommerpause, aber so spannend wie jetzt war es an manchem Spieltag nicht. Zwar wird mal über ein angebliches 50-Millionen-Angebot für Bayerns Franck Ribery diskutiert oder die Münchener legen 30 Millionen Euro für den Stuttgarter Mario Gomez auf den Tisch, die Stars der Nachsaison aber sind die Trainer, die sich plötzlich ein Recht herausnehmen, das bislang ihren Spielern vorbehalten war: Sie suchen sich – unabhängig von Verträgen – einfach einen neuen Verein. Sie warten nicht mehr ab wie früher, bis sie rausgeworfen werden, was zwangsläufig irgendwann dem besten Trainer passiert: Sie nehmen ihr Schicksal in die eigenen Hände. Die neue Trainergeneration ist die Ich-bin-dann-mal-weg-Generation.

Geht das so weiter, werden in der kommenden Saison die Trainer an der Seitenlinie nach Ein- und Auswechslungen auf ihre Sakkos mit Klubemblem pochen, so wie in der Vergangenheit die Spieler nach einem Tor mit ihrem Trikot symbolisierten: Mein Herz schlägt für diesen Verein! Einige von ihnen hatten da längst einen Vorvertrag woanders unterschrieben, aber das wussten natürlich die Fans nicht. Dass man auch bei Trainern mit Herzensangelegenheiten vorsichtig sein muss, beweist das Beispiel von Christoph Daum, der den 1. FC Köln immer als seine große Liebe bezeichnet hatte. Am Dienstag ließ er die große Liebe für eine alte Bekannte im Ausland (Fenerbahce Istanbul) dann sitzen.

Für die Vorbildwirkung habe der Vertragsbruch von Trainern wie Daum „verheerende“ Folgen, findet Matthias Sammer, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes. Für Spieler und Berater sei künftig „Tür und Tor geöffnet, sich nicht mehr moralisch an Vereinbarungen zu halten“, sagt Sammer. Aber ist es nicht tatsächlich eher so, dass Trainer nun langsam beginnen, das zu machen, was bei ihren Spielern seit Jahren gang und gäbe ist? Bei den Topspielern kann ein Fan heute sicher sein, dass er bei einem bis 2011 gültigen Vertrag spätestens 2010 weg ist, weil das für den jeweiligen Klub die letzte Gelegenheit ist, eine stattliche Ablösesumme zu kassieren.

Als bekannt wurde, dass Felix Magath vom VfL Wolfsburg zu Schalke 04 gehen wird, staunte die Branche: Warum verlässt er einen Klub, bei dem er tolle Arbeit geleistet hat, und geht zu einem Verein, der seit Jahren keine tolle Arbeit leistet? Und hatte er nicht noch ein Jahr Vertrag? Was die Öffentlichkeit nicht wusste: Magath besaß eine Option, vorher auszusteigen, eine Idee, die auch andere hatten: Martin Jol beim Hamburger SV und eben Daum in Köln ließen sich ähnliche Hintertüren ins Vertragshaus bauen, aus denen sie ohne Vorankündigung verschwanden. Zuvor hatten Meyer in Mönchengladbach und Friedhelm Funkel bei Eintracht Frankfurt Schlagzeilen als Aussteiger gemacht.

Dieter Hecking, der Trainer von Hannover 96, hatte es im September 2006 wesentlich schwerer, von seinem damaligen Verein Alemannia Aachen wegzukommen: 96 musste für ihn eine Ablösesumme zahlen.

Durch die vielen fahnenflüchtigen Trainer ist eine verrückte Situation entstanden. Wenn Hannover 96 früher einen Trainer entließ, dann hatte Klubchef Martin Kind am nächsten Tag 50 Bewerbungen auf dem Tisch, vom verkannten Kreisligatrainer bis zum ehemaligen Nationalcoach. Es gibt also genug Trainer, die unbedingt in der Bundesliga trainieren wollen, und doch sind derzeit in Hamburg, Frankfurt und Köln sowie in der 2. Liga bei Energie Cottbus (Rücktritt Bojan Prasnikar) und Arminia Bielefeld (keine Weiterbeschäftigung von Jörg Berger) die Trainerposten unbesetzt.

Das wiederum führt zum zweiten Kuriosum: Einer wie der Hannoveraner Mirko Slomka taucht in Frankfurt, Hamburg und Köln als Kandidat auf, auch Bruno Labbadia (noch bei Bayer Leverkusen) und Michael Skibbe werden gleich bei mehreren Klubs gehandelt; Spötter sprechen in diesen Fällen von „den üblichen Verdächtigen“.

Vielleicht ist das viel „verheerender“ für die Trainerbranche als die Kündigungswelle: Dass den Klubs selten was Neues oder Mutiges einfällt. So wie Erstligaaufsteiger 1. FC Nürnberg. Als dieser sich von einem aus der Verdächtigenkiste (Thomas von Heesen) trennte, entschied sich der Klub für einen gewissen Michael Oenning und fand einen Erfolgstrainer. Oenning war früher Assistent von Fernsehkommentator Marcel Reif.

Und hier die ultimativen Kandidatenvorschläge:

Hannover 96
Alle wollen wieder 4-3-3 und 3:3, also kann es nur einen geben: Ralf Rangnick, Aufstiegstrainer von 2002, Offensivverfechter, Hannover-Liebhaber. Das passt.

Bayern München
Louis van Gaal legt los. Kein Schlechter, aber noch zu toppen: Deutschlands Fußball hätte einen Guus Hiddink verdient, den nur die Bayern holen könnten.

Borussia Dortmund
Jürgen Klopp feiernd vor der gelb-schwarzen Wand der Südtribüne – dieses Bild hat Zukunft. Der BVB und „Kloppo“ haben sich in der Rückserie lieben gelernt.

Eintracht Frankfurt
Frankfurt können viele. Aber richtig passen würde nur Friedhelm Funkel, und der ist gerade zurückgetreten. Matthias Sammer würde wohl was bewegen ...

SC Freiburg
Wer gerade aufgestiegen ist, dem nimmt man nicht den Trainer weg: Robin Dutt wäre jedoch auch für andere Klubs ein Volltreffer auf der Trainerbank.

Hamburger SV
Ein Weltmann für die Weltstadt: Arsene Wenger vom FC Arsenal brächte die Seriosität und Gediegenheit mit, um in der Hansestadt erfolgreich zu sein.

Hertha BSC
Große Töne mit Hang zur Selbstüberschätzung – außer Hertha ist das der Trainer, der sich überall ins Gespräch bringt. Berlin und Loddarmaddäus: ein Traumpaar.

1899 Hoffenheim
Hoffenheim ist ein Projekt, Jürgen Klinsmann ein Projekttrainer, und Hockeycoach Bernhard Peters ist auch schon da. „Klinsi“ ist der Richtige.

1. FC Köln
Ein bisschen Spaßfußball von der anderen Rheinseite brächte Bruno Labbadia mit. Er weiß zudem, wie Stürmer ticken: gut für den Rückkehrer „Prinz Poldi“.

Bayer Leverkusen
Felix Magath weiß, wie man aus einem grauen Werksklub einen Meister macht. Bayer „Vizekusen“ wäre sein schwierigster Fall, aber reizvoll – das mag Magath.

FSV Mainz 05
Unter Klopp stand Mainz für Spektakel, ein würdiger Nachfolger wird noch immer gesucht. Armin Veh hat als Meistertrainer bewiesen, dass er was davon versteht.

1. FC Nürnberg
Trainer leben in Nürnberg traditionell gefährlich. Michael Oenning ist freundlich, intelligent, ruhig und seit Sonntag ein Aufstiegsheld. Ein Glücksgriff.

Schalke 04
Auch ein Felix Magath wird sein königsblaues Wunder erleben. Egal, wer Schalker Trainer ist: Mannschaft und Umfeld sind nicht in den Griff zu kriegen.

VfB Stuttgart
Wer die Schwaben in der Rückrunde vom 10. Platz auf Rang 3 führt, hat alles richtig gemacht. Zumindest bislang ist Markus Babbel der perfekte Mann für den VfB.

VfL Bochum
Ein Auge für Talente hat Hermann Gerland. Und der knorrige Westfale weiß aus eigener Erfahrung, dass beim VfL nur der Klassenerhalt zählt.

Werder Bremen
Für die nächsten fünf Jahre gibt es nur eine Lösung: die alte, also Thomas Schaaf. Dann wäre der Rekord von Otto Rehhagel geknackt. Danach darf Schaaf zu Bayern.

VfL Wolfsburg
Auch wenn Wolfgang Wolf schon mal gefühlte 30 Jahre Trainer bei den „Wölfen“ war: Dieser Name ist Verpflichtung. Es kann nur einen geben.

Mönchengladbach
Wer wenn nicht Michael Frontzeck? In Gladbach geboren, zehn Jahre Spieler der Borussia, später auch ihr Kotrainer: eine naheliegende, wenn auch riskante Wahl.

Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek erhält für ihr Stück „Rechnitz (Der Würgeengel)“ in der Inszenierung der Münchener Kammerspiele den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis 2009.

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