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Fußball Hertha BSC Berlin ohne Plan
Sport Fußball Hertha BSC Berlin ohne Plan
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11:49 01.06.2012
Von Stefan Knopf
Foto: Da lacht er noch: Jos Luhukay nach seiner Präsentation. Inzwischen ahnt der Niederländer, dass die Aufgabe in Berlin schwerer wird, als er sich das ausgemalt hatte.
Da lacht er noch: Jos Luhukay nach seiner Präsentation. Inzwischen ahnt der Niederländer, dass die Aufgabe in Berlin schwerer wird, als er sich das ausgemalt hatte. Quelle: dpa
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Berlin

Für die jüngsten turbulenten Wochen könne er nichts, findet Jos Luhukay und hat damit auch Recht. Ausbaden muss der neue Trainer das Schlamassel beim künftigen Fußball-Zweitligisten Hertha BSC dennoch. Von teuren Spielern müssen sich die Berliner trennen, Geld für namhafte Neuzugänge gibt es nicht, und zu allem Überfluss drohen einigen Leistungsträgern lange Sperren. Über zu wenig Arbeit bis zum Trainingsstart am 24. Juni kann sich Luhukay also nicht beschweren. „Ich arbeite an einem Neuaufbau“, kündigte der Trainer bei der Mitgliederversammlung unter tosendem Applaus an. Doch wie die neue Hertha aussehen wird, das weiß auch der Niederländer nicht.

Zumal Luhukay abhängig ist von Entscheidungen, die er nicht selbst beeinflussen kann. Vor allem das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) könnte den Berlinern bei ihren Überlegungen zur Kaderplanung einen Strich durch die Rechnung machen. Lewan Kobiaschwili soll wegen einer Attacke gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark nach dem Relegationsrückspiel bei Fortuna Düsseldorf für ein Jahr gesperrt werden. Ausgerechnet den Georgier zählt Manager Michael Preetz zu den „Leistungsträgern, die uns zurück in die 1. Liga bringen sollen“. Sollte Herthas Protest gegen die drohende Rekordstrafe abgelehnt werden, droht dem 34-jährigen Kobiaschwili sogar das Karriereende.

Nach dem Willen des DFB-Kontrollausschusses ist Kobiaschwili aber nicht der einzige, der Luhukay beim Zweitliga-Auftakt Anfang August fehlen wird. Auch Torwart Thomas Kraft, der in den Überlegungen des Trainers eine zentrale Rolle spielt, Kapitän André Mijatovic und Christian Lell sollen für vier bis sechs Spiele aus dem Verkehr gezogen werden.

Luhukay und Preetz rennt die Zeit davon. Zwei Wochen hat das Duo durch den wohl vergeblichen juristischen Kampf um den Klassenverbleib bereits verloren. Wer auf den Transfermarkt gesetzt wird und wer im Gegenzug an die Spree gelotst werden soll, weiß der Trainer noch nicht. Es sei schwer zu sagen, auf wie viele Spieler man das Augenmerk richte, sagte Luhukay bei seiner Präsentation in dieser Woche. Zumindest in dieser Hinsicht ist ihm Preetz offenbar einen Schritt voraus. „Wir wissen genau, wen wir halten wollen“, sagte der Manager, der zuletzt wenig Glück bei seinen Personalentscheidungen hatte, den Hertha-Mitgliedern.

Vor allem bei den Spitzenverdienern werden die Berliner aussieben müssen, denn im Unterschied zur 1. Liga, als sich Hertha noch einen Spieleretat in Höhe von 27 Millionen Euro leistete, wird der Klub nun mit 13 Millionen Euro auskommen müssen. Zu den Top-Kassierern gehören Raffael und Adrian Ramos – die vermutlich ohnehin kein Interesse daran haben, künftig in der 2. Liga zu kicken – sowie Lell, der für die 2. Liga nicht mal einen Vertrag hat, wie Preetz deutlich machte.

Luhukay nannte „vor allem die Charaktereinstellung“ als zentrales Kriterium für eine Weiterbeschäftigung in Berlin. Ob Lell, der sich vor zwei Wochen im Training mit Mitspielern und Trainern anlegte und sogar handgreiflich wurde, und der von Otto Rehhagel aussortierte Andreas Ottl in jenes Profil passen, ist fraglich.

Spieler wie Peter Niemeyer, Roman Hubnik und Fabian Lustenberger haben den Lells, Ottls, Eberts und Raffaels in der Gunst von Manager Preetz bereits den Rang abgelaufen. Für Trainer Luhukay geht es um die „gute Mischung zwischen Erfahrung und Unerfahrenheit, zwischen älteren und jüngeren Spielern. Wenn wir da eine gute Verteilung finden, können wir eine neue Dynamik entwickeln.“

Die Fans weiß der Niederländer bereits auf seiner Seite, nicht zuletzt durch das Bekenntnis zur eigenen Nachwuchsabteilung. Hertha will Luhukay in der neuen Saison einen speziellen Kotrainer nur für die Jugendspieler suchen. „Man kann auch mit geringerer Qualität das Maximum erreichen“, findet der Trainer, dem ebenjener Spagat schon mit dem Bundesligaaufsteiger FC Augsburg gelungen ist.

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