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Fußball Hanno Balitsch: „Zweckgemeinschaft? Auf keinen Fall“
Sport Fußball Hanno Balitsch: „Zweckgemeinschaft? Auf keinen Fall“
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08:09 27.01.2012
Foto: Hanno Balitsch läuft sich warm.
Hanno Balitsch läuft sich warm. Quelle: dpa
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Hannover

Herr Balitsch, können Sie sich noch an die letzte Frage im HAZ-Interview vor Ihrem Wechsel zu Bayer Leverkusen erinnern?
Nein.

Wir haben damals gefragt: Haben Sie je eine Lüttje Lage getrunken? Die Antwort lautete nein. Ist es dabei geblieben?
Da ich seitdem kein Maschsee- oder Schützenfest mehr in Hannover miterlebt habe, ist es dabei geblieben.

Womit haben Sie dann Ihren Ärger und Frust nach den Querelen in Leverkusen, die mit Ihrer Aussortierung durch Trainer Robin Dutt endeten, heruntergespült?
Alkohol war dafür nicht nötig. Ich habe mir mit meiner Familie darüber Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll. Es wäre auch eine Möglichkeit gewesen, die Sache in Leverkusen auszusitzen, weil die Entscheidung gegen mich allein an die Person Robin Dutt gebunden war. Ich hatte jedoch den Wunsch, sportlich lieber einen Schritt zurückzugehen, dafür aber wieder auf dem Platz zu stehen.

Abgehakt und vergessen, oder ist da immer noch ein bitterer Nachgeschmack?
In Leverkusen ist eine Tür zu-, in Nürnberg ist eine Tür aufgegangen. Durch diese Tür bin ich mit einem sehr guten Gefühl gegangen.

Auch ein Fußballprofi lernt nie aus. Was haben Sie aus diesem Vorfall für die Zukunft gelernt?
Wenn ich daraus etwas gelernt habe, dann das, dass man als Fußballprofi am besten keine Meinung hat. Zu gar nichts. Dann hat man auch keine Probleme. Lehren kann ich nur aus Sachen ziehen, die ich verstehe. Und was da passiert ist, verstehe ich nicht.

Nicht verstanden haben viele Fußball-Fans Ihren Wechsel in der Winterpause zum 1. FC Nürnberg mit Trainer Dieter Hecking. In Hannover hielt man das zunächst für einen Scherz. Was haben Sie gedacht, als Ihr Berater zu Ihnen gesagt hat: „Hanno, du könntest in Nürnberg bei Dieter Hecking unterschreiben.“
Ich habe mich darüber gefreut, weil Dieter Hecking genau weiß, welchen Spieler und welchen Mensch er bekommt und gesagt hat, dass er mich in seiner Mannschaft haben möchte. Es kam ja auch nicht völlig überraschend. Ich habe ihn in den vergangenen Jahren immer mal wieder getroffen und mit ihm besprochen, dass wir uns irgendwann einmal bei einem Bier über die Dinge von damals unterhalten.

Haben Sie bei diesem Gespräch eine Vereinbarung getroffen, etwa in der Art: Hecking verspricht, ein bisschen positiver zu sein, und Sie geloben, außerhalb des Platzes etwas friedlicher zu werden?
Wir haben im Trainingslager in der Türkei ein langes Gespräch gehabt. Es war sehr interessant zu hören, wie er unseren Zusammenprall damals in Wolfsburg aufgefasst hat (der damalige 96-Trainer Hecking suspendierte Balitsch nach einer Disziplinlosigkeit in der Halbzeit für ein Bundesligaspiel, d. Red.). Auch unter der Besonderheit, dass er unter großem Druck gestanden hat, weil Hannover für ihn etwas Besonderes war. Für ihn war es auch interessant, wie ich das eine oder andere im Nachklapp sehe. Ich verstehe nicht, warum sich so viele Leute darüber wundern, dass zwei Menschen ihre Probleme, die sie einmal miteinander hatten, ausgeräumt haben und in Zukunft vernünftig miteinander arbeiten wollen.

Hecking und Balitsch: Ist das eine Zweckgemeinschaft?
Von meiner Seite aus auf keinen Fall. Ich hatte die Möglichkeit, zu einem anderen Verein zu wechseln. Und Nürnberg hätte die Möglichkeit gehabt, einen anderen Spieler für diese Position zu holen.

Die Liste derjenigen Trainer, mit denen Sie gut auskommen, hat sich in Leverkusen mit Jupp Heynckes um einen verlängert. Auf der anderen Seite steht neben Jürgen Klopp und Dieter Hecking jetzt auch der Name Robin Dutt ...
Ich würde mir wünschen, dass sich ein Journalist einmal die Mühe macht und Jürgen Klopp nach der gemeinsamen Zeit mit mir in Mainz fragt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich negativ über mich äußern würde. Ich bin ein Spieler, der seine Meinung auch intern immer äußert. Dass sie dem einen oder anderen nicht passt, ist klar, dafür habe ich auch oft genug bezahlen müssen. Was jetzt in Leverkusen mit Robin Dutt passiert ist, hat nichts mit Fußball, sondern nur mit menschlichem Umgang zu tun. Da sind Sachen passiert, die gehen einfach nicht.

Sie sind angeschlagen und konnten am vergangenen Wochenende beim Rückrundenstart der Fußball-Bundesliga gegen Berlin nicht spielen. Sind Sie fit für Hannover?
Nein, ich werde gegen 96 nicht spielen können. Die Verletzung war etwas schlimmer, als sie in Leverkusen diagnostiziert wurde. Deshalb zieht sich die ganze Sache jetzt auch ein bisschen hin. Da ich auf jeden Fall einen Rückschlag vermeiden will, komme ich schon wieder nicht zu einem Einsatz in Hannover.

Da scheint es bei Ihnen einen 96-Fluch zu geben. Seit Ihrem Wechsel von den „Roten“ zu Bayer haben Sie lediglich ein paar Minuten gegen Ihr altes Team gespielt.
Ich denke, dass ich noch ein paar Jahre spielen werde und habe deshalb die Hoffnung noch nicht aufgegeben, eines Tages gegen 96 aufzulaufen.

Beim 2:0-Erfolg des „Clubs“ gegen Hertha BSC mussten Sie zuschauen. Ist das doppelt bitter, weil Sie endlich mal wieder hätten in der Startelf stehen können, wenn Sie gesund gewesen wären?
Es gibt keinen blöderen Start, als zu einem neuen Verein ins Trainingslager zu kommen, ins erste Training voll einzusteigen und danach den Arm heben zu müssen, um zu sagen: „Ich habe Probleme, von denen ich gar nichts mehr wusste.“ Der Sieg beim Rückrundenstart gegen Berlin war sehr wichtig für uns, weil er die Situation in Nürnberg erst einmal entspannt hat.

Worauf müssen sich denn die „Roten“ am Freitag gefasst machen?
Das werde ich nicht verraten.

Nicht einmal ein paar Tipps aus alter Verbundenheit?
Dieter Hecking hat lange genug als Trainer in Hannover gearbeitet, da gibt es keine großen Geheimnisse. Die Jungs sind gut drauf und treten genauso geschlossen auf, wie 96 damals zur besten Zeit unter ihm aufgetreten ist. Ich sehe Hannover allerdings in der Bringschuld, da die Ansprüche auch zuletzt so formuliert wurden, dass 96 die Europa-League-Plätze angreifen will. Dafür haben sie allerdings in den letzten Spielen zu wenig gepunktet, ein Heimsieg gegen Nürnberg ist deshalb Pflicht. Das ist eine Ausgangsposition, die uns entgegenkommt.

Ihr letztes Spiel war am 15. Oktober 2011 in Gladbach. Es wird mal wieder Zeit ...
Definitiv, es fällt mir schwer, meine Ungeduld zu unterdrücken. Zurzeit habe ich Hummeln im Hintern.

Interview: Christian Purbs

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