Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Fußball Frankreich ist Gastgeber der Fußball-EM 2016
Sport Fußball Frankreich ist Gastgeber der Fußball-EM 2016
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:31 28.05.2010
Frankreich, das mit dem Slogan „Fußball, wie wir ihn lieben“ Erfolg hatte, war auch Favorit des Deutschen Fußball-Bundes. Quelle: dpa
Anzeige

„Freudenexplosion“ bei den Franzosen, Trauer in der Türkei und schon wieder Katzenjammer in Italien: Die UEFA hat dem Weltmeister-Land die nächste Watschn verpasst, das Wagnis einer Fußball- EM in Eurasien gescheut und die „Grande Nation“ Frankreich zum Gastgeber 2016 gekürt. Mit dem knappsten Vorsprung von 7:6 Stimmen setzte sich die Heimat von UEFA-Präsident Michel Platini am Freitag im zweiten Wahlgang gegen den Geheimfavoriten Türkei durch. Italien scheiterte kläglich im ersten Wahlgang und war wie schon bei der Bewerbung für die EM 2012 der große Verlierer.

„Die UEFA kann mit dieser Entscheidung ruhig schlafen“, sagte DFB- Präsident Theo Zwanziger, der als eines von 13 Mitgliedern des UEFA- Exekutivkomitees in Genf seine Stimme abgeben durfte. Nach den negativen Erfahrungen mit den schleppenden Vorbereitungen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine vertraute die UEFA beim übernächsten Kontinental-Wettbewerb wieder bewährten Kräften. „Nach den großen Sorgen und Anstrengungen um die EM 2012 könnte es für einige bei ihrer Wahl ein Grund gewesen sein, nicht weiter ins Risiko zu gehen“, sagte Zwanziger.

Anzeige

„Schade, dass wir diese Möglichkeit mit nur einer Stimme verpasst haben“, sagte der türkische Präsident Abdullah Gül, richtete nach der dritten erfolglosen Bewerbung in Serie aber den Blick in die Zukunft. „Leider ist eine Stimme entwischt. Was soll wir machen. Hoffen wir das Beste. Neue Stadien, neue Autobahnen, Schnellzüge, Flughäfen sind nicht nur für den Sport, sie sind für das türkische Volk.“

Erstmals werden in sechs Jahren 24 statt wie bisher 16 Mannschaften um die EM-Trophäe spielen. „Das setzt eine schlagkräftige Organisation voraus. Da ist schon die Frage: Gehst du auf Nummer sicher?“, sagte der DFB-Chef, der unmittelbar nach der Verkündung des Votums durch Platini Richtung Flughafen eilen musste.

„France“, war das einzige Wort, das der französische UEFA-Boss Platini herausbrachte, als er um 13.06 Uhr den berühmten Umschlag öffnete und bei der französischen Delegation um Präsident Nicolas Sarkozy und den ehemaligen Nationalspieler Zinédine Zidane eine „Freudenexplosion“ entfachte, wie der Reporter des Fernsehsenders „M6“ zu Protokoll gab. „Ich gebe zu, dass das kein einfacher Moment für mich ist“, sagte Platini später bei der Pressekonferenz im Espace Hippomène zu Genf. „Aber natürlich bin ich sehr glücklich.“

Zum dritten Mal nach 1960 und 1984 ist Europa nun zu Gast beim EM- Champion von 1984 und 2000; zum fünften Mal insgesamt nach den Weltmeisterschaften 1938 und 1998 darf die „Grande Nation“ wieder ein Großereignis ausrichten. „Wir haben größte Lust und große Leidenschaft“, hatte Sarkozy am Ende der finalen Präsentation angekündigt. „Wir wollen Sie in unserem Land willkommen heißen.“

2016 soll in neun Städten gespielt werden, neue Stadien entstehen in Bordeaux, Lyon, Lille und Nizza. Rund 1,7 Milliarden Euro sollen investiert werden. „Wir versprechen eine Euro ohne Risiken, ohne große Sorgen, eine ruhige Euro. Wir leben in einem stabilen, sicheren Land, wo die Infrastruktur schon da ist“, sagte der französische Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes.
Der italienische Verteidiger Giorghio Chiellini war nach der Entscheidung gegen sein Heimatland bitter enttäuscht: „Italien hätte die EM verdient gehabt. Wir hätten sie schon 2012 bekommen müssen. Dieses Mal ist es ein schwerer Schlag. Aber da waren auch andere Faktoren im Spiel. Das tut mir sehr leid. Die EM hätte Italiens Fußball wieder nach vorne gebracht.“

Mit dem Slogan „Fußball, wie wir ihn lieben“, vor allem aber mit einer gelungenen finalen Demonstration auf dem Podium, bei der der zehn Jahre alte Nathan freche Fragen stellen, neben Zidan auf dem Boden hocken durfte und schließlich von Sarkozy geküsst wurde, verstanden es die Franzosen von allen drei Kandidaten am geschicktesten, Emotionen zu wecken, ohne Luftschlösser zu malen.

„Frankreich liegt im Herzen Europas. Wir wollen zu vernünftigen Preisen die Leute willkommen heißen“, kündigte Escalette an - was durchaus auch als kleiner Seitenhieb gegen die Italiener verstanden werden durfte. In ihrem Evaluierungs-Bericht hatte die UEFA unter anderem „fehlende Visionen“ und zu hohe Eintrittspreise moniert. Italien schied nach dem ersten Wahlgang mit 23 Punkten (Frankreich 43, Türkei 38) aus. Vorrang hat nun die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2020. „Nix zu machen“, schrieb „La Gazzetta dello Sport“.

dpa