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Fußball Urteil für Blatter und Platini rückt näher
Sport Fußball Urteil für Blatter und Platini rückt näher
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12:28 22.11.2015
Joseph Blatter (r.) und Michel Platini. Quelle: EPA/Walter Bieri
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Zürich

Für Joseph Blatter und Michel Platini wird es nun richtig ernst. Wolfgang Niersbach muss sich in den Spitzengremien von FIFA und UEFA zumindest auf unbequeme Fragen und möglicherweise sogar auf Intrigen einstellen. Die Ermittler der FIFA-Ethikkommission haben ihre Untersuchungen gegen die skandalumwitterten und suspendierten Spitzenfunktionäre Blatter und Platini mit der Forderung nach Sanktionen abgeschlossen. Die Urteile werden in Kürze erwartet. Im Führungszirkel des Fußball-Weltverbandes regt sich derweil offenbar Widerstand gegen Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Aus der Deckung traut sich noch kein Mitglied des Exekutivkomitees, aber bei der nächsten Sitzung am 2. und 3. Dezember in Zürich könnte es für Niersbach ungemütlich werden. "Konsequenzen kann man nicht teilweise ziehen, sondern ganz oder gar nicht. Herr Niersbach muss seine Ämter niederlegen", zitierte die Zeitung "Welt am Sonntag" ein namentlich nicht genanntes Mitglied des hohen FIFA-Gremiums.

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Niersbach hatte nach seinem Rücktritt als DFB-Chef wegen der Machenschaften des Organisationskomitees 2006 seine Ämter in den internationalen Verbänden nicht aufgegeben. Zumindest bei der FIFA hat der 64-Jährige nicht nur Freunde. Gemeinsam mit den Engländer David Gill galt Niersbach als Spitze der Reformfraktion in dem umstrittenen Zirkel der Fußball-Macht. Gerade bei den eher reformunwilligen Kräften aus Afrika und Asien galt der Deutsche mit seinem lange kultivierten Saubermann-Image nicht als wohlgelitten.

Nun könnte die Zeit für Retourkutschen gekommen sein. Juristische Handhabe gegen Niersbach haben seine Funktionärskollegen allerdings nicht. Ein Ausschluss aus den FIFA- und UEFA-Gremien könnte nur durch die Ethikkommission erfolgen, sollte diese zur Überzeugung gelangen, dass sich Niersbach im Zuge der WM-Vergabe und Organisation für 2006 schuldhaft verhalten habe.

Schuldhaft verhalten haben sich aus Sicht der FIFA-Ermittler in jedem Fall Blatter und Platini. Nur der Wortlaut der konkreten Vergehen und die Höhe der Strafforderung sind noch nicht bekannt, auf deren Grundlage der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert seine Urteile fällen wird. "Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und im Sinne der Unschuldsvermutung" gebe die Untersuchungskammer keine Einzelheiten zu den Schlussberichten und den geforderten Sanktionen bekannt, hieß es am Samstag.

Hintergrund der Affäre ist eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken, die Blatter 2011 an Platini geleistet hatte. Beide behaupten, dass das Geld für Beratertätigkeiten angewiesen wurde, die Platini von 1999 bis 2002 für die FIFA geleistet haben soll. Die Ethikkommission der FIFA hatte daraufhin Blatter und Platini am 7. Oktober für 90 Tage von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen.

Zwei Wochen vor dem Urteil hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren gegen Blatter – unter anderem wegen des Verdachts der "ungetreuen Geschäftsbesorgung" – eingeleitet. Platini war von der Bundesanwaltschaft als Auskunftsperson gehört worden.

Gerade für Platini ist dies ein schwerer Rückschlag in seinen Bemühungen, die Nachfolge Blatters anzutreten. Der Franzose zählt zu den Kandidaten, wäre aber im Fall einer Sperre aus dem Rennen. Platini hatte erst am Freitag Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof gegen seine Suspendierung eingelegt. Blatters befleckte Karriere endet ohnehin am 26. Februar mit der Wahl seines Nachfolgers.

"Die rechtsprechende Kammer wird den Bericht nun sorgfältig studieren und dann in angemessener Frist darüber entscheiden, ob ein formales rechtliches Verfahren gegen Joseph S. Blatter und Michel Platini eingeleitet wird", hieß es in der Mitteilung. Bereits im Dezember könnte es zu Anhörungen kommen. Ein Urteil dürfte in Kürze folgen.

dpa

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