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Fußball Vaterfigur gesucht
Sport Fußball Vaterfigur gesucht
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20:48 14.03.2014
Von Stefan Knopf
Foto: Wie schwer ihm der Rückzug gefallen ist, ist nur zu vermuten: Uli Hoeneß war in der Geschichte des FC Bayern mehr als nur ein Mann der Zahlen.
Wie schwer ihm der Rückzug gefallen ist, ist nur zu vermuten: Uli Hoeneß war in der Geschichte des FC Bayern mehr als nur ein Mann der Zahlen. Quelle: dpa
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Hatte Uli Hoeneß selbst daran geglaubt? An eine Trennung von drinnen und draußen, an eine Teilung in zwei Welten? Drinnen, in der Münchener Arena, da war er der leidenschaftliche Fußballer mit Bayern-Herz, während draußen die Welt um ihn herum zusammenbrach. Als ob die Sorgen die Stadionmauern nicht überwinden könnten. Nie war das auffälliger als am vergangenen Dienstag, als Hoeneß tagsüber auf der Anklagebank des Landgerichts München II saß und abends von seinem gepolsterten Stadionsitz aus den Einzug seines FC Bayern ins Viertelfinale der Champions League bejubelte. Es gibt Bayern-Fans, die haben wirklich geglaubt, dass sich das trennen lässt: der Privatmann Hoeneß vom Präsidenten Hoeneß. Doch spätestens mit Hoeneß’ Verzicht auf eine Revision in seinem Steuerprozess sollte auch dem Letzten klar geworden sein, dass beides eng zusammenhängt. Die Entscheidung, seine Haftstrafe anzutreten, und der Rückzug von seinen Ämtern verändern den Verein.

Die Gremien des FC Bayern haben gestern schnell die Weichen gestellt: Herbert Hainer, der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers adidas, der auch Anteile an der FC Bayern München AG hält, übernimmt von Hoeneß vorerst den Vorsitz im Aufsichtsrat. Wer den 62-Jährigen als Präsident des Gesamtvereins ersetzt, ist dagegen noch offen. Der neue Mann soll wie Hoeneß auch wieder an der Spitze des Aufsichtsrates stehen. Die Kandidatenliste ist derzeit übersichtlich, außer Karl Hopfner, langjähriger Finanzchef des Vereins, und Edmund Stoiber fällt auch der Name Franz Beckenbauer.

Die Geschäfte werden weitergehen, keine Frage, aber Hoeneß war ja nicht nur ein Mann der Zahlen. Kein zweiter Name ist so eng verbunden mit dem Aufstieg des FC Bayern zu einem Weltverein wie seiner. Hoeneß war fast 35 Jahre lang das Gesicht des Vereins, erst als Manager, zuletzt als Präsident und Aufsichtsratschef. Er war kompromissloser Kämpfer, aber immer mit einem offenen Ohr für Angestellte und Mitarbeiter. Wer soll das jetzt fortführen? Für Spieler wie Bastian Schweinsteiger ist Hoeneß wie eine Vaterfigur. Früheren Profis wie Walter Junghans, Uwe Gospodarek oder dem tief gefallenen Gerd Müller verschaffte Hoeneß Jobs im Verein. „Ich habe in nur neun Monaten gesehen und gemerkt, wie wichtig Uli Hoeneß für diesen Verein ist“, sagte Pep Guardiola, der erst seit Saisonbeginn Trainer in München ist und gestern zwischen all den Turbulenzen über das bevorstehende Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen erzählen sollte.

Wie schwer Hoeneß der Rückzug gefallen ist, ist nur zu vermuten. Noch im November hatte er angekündigt, sich nach dem Urteil einem Mitgliedervotum stellen zu wollen; wie so oft im Fußball überlagerte der Bauch den Kopf.
Ob Hoeneß gegen Leverkusen im Stadion sitzt, ist eine interessante Frage, wie die Bayern-Fans reagieren, eine andere. Sehr bald dürfte es nach Stand der Dinge ein anderes Drinnen und Draußen für Uli Hoeneß geben. Der FC Bayern, der dreieinhalb Jahrzehnte seine Welt war, muss dabei diesmal draußen bleiben.

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