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Fußball Europol deckt weltweit größten Wettbetrug auf
Sport Fußball Europol deckt weltweit größten Wettbetrug auf
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17:43 04.02.2013
Hinter dem Wettskandal soll Europol zufolge ein asiatisches Verbrechersyndikat stecken, das auch in Europa aktiv sei. Quelle: DPA
Den Haag

Die Ermittlungen unter dem Codenamen "Veto" offenbaren den größten Wettskandal der Sport-Geschichte und stürzen die Fußball-Welt in eine weitere tiefe Glaubwürdigkeitskrise. Die europäische Polizeibehörde Europol hat nach eigenen Angaben rund 700 verdächtige Spiele von 2008 bis 2011 registriert. Darunter sind 300 völlig neue Fälle weltweit sowie alleine in Europa mehr als 380 Partien, die in den Ländern meist schon bekannt waren.

Betroffen vom Wettskandal sind Begegnungen der WM- und EM-Qualifikation sowie zwei Champions-League-Spiele, davon ein Treffen in England. "Wenn die Zahl echt wäre, wäre das beängstigend", meinte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zu den Ausmaßen. "Wir haben ein dichtes kriminelles Netzwerk aufgedeckt", sagte Europol-Chef Rob Wainwright am Montag auf einer Pressekonferenz in Den Haag. Er sprach von Manipulationen "auf einem nie dagewesenen Niveau" und betonte: "Das ist ein trauriger Tag für den Fußball und ein weiterer Beweis der Korruption durch organisierte Kriminalität in der Gesellschaft."

Alleine in Deutschland stehen laut dem Bochumer Hauptkommissar Friedhelm Althans 70 Partien unter Verdacht - das wären deutlich mehr als bislang in den Prozessen am Landgericht Bochum verhandelt worden waren. An den Manipulationen und dem Wettbetrug sollen insgesamt 425 Club-Funktionäre, ehemalige oder heutige Spieler und Schiedsrichter in 15 Ländern beteiligt gewesen sein. 151 von ihnen haben demnach ihren Wohnsitz in Deutschland, wo im Zuge des Wettskandals bislang 14 Personen zu Strafen von insgesamt 39 Jahre verurteilt worden waren. Neben den zumeist schon bekannten Spielen in Europa wird nun zusätzlich wegen rund 300 neuer verdächtiger Begegnungen, meist in Asien, Zentral- und Südamerika sowie Afrika, ermittelt. Betroffen seien aber auch Spanien, Großbritannien und die Niederlande, sagten die Ermittler auf Nachfrage.

"Es sind sogar zwei WM-Qualifikationsspiele in Afrika und eine Partie in Zentralamerika unter Verdacht", sagte Althans. "Arbeiten mit der Polizei, um im Kampf gegen Matchmanipulation zu helfen. Ich wiederhole, das ist ein großes Thema für den Fußball und die Regierungen, das es zu lösen gilt", twitterte Weltverbandschef Joseph Blatter. Seit 2011 kooperiert die FIFA mit der internationalen Polizeiorganisation Interpol zusammen. "Spielmanipulation ist ein globales Problem, das starke Partnerschaften auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene benötigt", verdeutlichte Gianni Baldi, Chef der Interpol-Einheit Drogen und organisierte Kriminalität. Hinter dem Wettskandal soll Europol zufolge ein asiatisches Verbrechersyndikat stecken, das auch in Europa aktiv sei. Zudem seien auch russischsprachige Gangs involviert.

"Wir haben Beweise für 150 dieser Fälle. Die Aktivitäten mit Bestechungsgeldern von bis zu 100 000 Euro pro Spiel gingen von Singapur aus", sagte Althans, Sprecher des Ermittlerteams aus 13 europäischen Ländern, zu den neuen Erkenntnissen. Das Problem sei sehr groß, betonte Wainwright. "Das ist erst die Spitze des Eisberges." Insgesamt seien mehr als zwei Millionen Euro an Bestechungsgeldern an Spieler und Offizielle geflossen, europaweit strichen die Manipulateure Wettprofite in Höhe von acht Millionen Euro ein. "Das ist das erste Mal, dass wir substanzielle Beweise dafür haben, dass die organisierte Kriminalität nun auch in der Welt des Fußballs agiert", meinte Wainwright.

Die Behörden bei ihren Ermittlungen 13 000 E-Mails aus. Die internationale Fußball-Gemeinschaft müsse "abgestimmten Einsatz" zeigen, um die Korruption in den Griff zu bekommen, forderte Wainwright. Die Ergebnisse der Untersuchungen wolle er nun an UEFA-Präsident Michel Platini senden. Zum Ausmaß der Manipulationen wollte sich die Europäische Fußball-Union nicht äußern. "Wenn die Details der Ermittlungen der UEFA vorliegt, werden sie von den geeigneten Disziplinargremien überprüft, um die notwendigen Maßnahmen zu treffen", hieß es lediglich aus Nyon.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert

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