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Fußball Ernste Mienen beim DFB
Sport Fußball Ernste Mienen beim DFB
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22:52 07.02.2010
Viel Freude zeigten Fußball-Bundestrainer Joachim Löw (hinten) und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff am Sonntag in Warschau nicht. Quelle: dpa
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Das Trio wahrte im Rahmen der gestrigen Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen mühsam die Contenance nach den überraschend gescheiterten Vertragsgesprächen. Und als Hauptverantwortlicher für die entstandene Hängepartie, die möglicherweise über die WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) hinaus dauert, gerät immer mehr Bierhoff in den Fokus der Kritik.

Dabei offenbart sich, dass der alerte 41-Jährige offenbar nicht nur für das Trainerteam um Löw bei den Vertragsgesprächen hoch gepokert hat, sondern auch seine eigene Position zulasten des DFB-Präsidiums festigen wollte. „Das ist ja schon fast eine Art Amtsmissbrauch“, wetterte der frühere Nationaltorwart Oliver Kahn in der „Bild am Sonntag“ über das Ansinnen Bierhoffs, eine Art Vetorecht bei der Bestimmung eines möglichen neuen Bundestrainers zu bekommen, den bisher die Verbandsspitze in eigener Verantwortung bestellt hatte. „Der Übernahmeversuch ist gescheitert“, bemerkte DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer zu den geplatzten Vertragsgesprächen.

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Unbestritten ist zwar, dass der ehemalige Nationalmannschaftskapitän das Amt des Teammanagers im Nationalteam etabliert hat. Bierhoff hat die deutsche Vorzeigeelf zu einer Marke entwickelt, die auch in Zeiten der Wirtschaftskrise bei Sponsoren hoch im Kurs steht. Aber es gibt auch die andere Lesart dieser Aktivitäten: Vor allem die Bundesliga und auch Kreise im DFB werfen dem 41-Jährigen zu viel Show und Eigeninteressen vor. „Das liegt vielleicht auch daran, dass ich als Manager auch die unangenehmen Dinge besprechen muss“, sagte Bierhoff. „Viele Dinge werden durcheinandergeworfen“, wehrte sich der Manager.

Zu Löw war er stets loyal, stellte sich in Krisen vor den Bundestrainer. Der 50-Jährige zahlt jetzt zurück und verteidigt Bierhoff. „Das ist ganz legitim. Es ist unser Recht, die eine oder andere Forderung zu stellen“, urteilte Löw über dessen Verhandlungsführung und ließ keinen Zweifel, dass er und Bierhoff sich nicht auseinanderdividieren lassen. Für Löw gilt weiter, dass es eine – wenn auch nun weit entfernte – Verlängerung nur im Paket mit dem Manager gibt. „Selbstverständlich. Oliver gehört zu unserem Team“, betonte er.

Löw selbst sieht sich ab sofort nur noch als Leiter des WM-Projekts in Südafrika. „Die WM ist jetzt das Allerwichtigste. Und ich kann damit hervorragend leben“, sagte er. Der geplatzte Vertragspoker und die Vorwürfe der DFB-Spitze haben aber bei dem Südbadener tiefe Spuren hinterlassen. „Was mich persönlich irritiert ist, dass manche Dinge an die Öffentlichkeit gekommen sind, die intern am Tisch besprochen wurden. Ich fühlte mich wie vor den Kopf gestoßen“, sagte der Bundestrainer, der sich sogar in die Ecke des habgierigen Anführers gedrängt wähnt, was den Freiburger schwer verletzte. „Wer uns kennt, der weiß, dass wir keine Macht- oder Geldgier haben, es geht uns um andere Dinge wie die Entwicklung der Mannschaft“, betonte Löw.

In einem sehr „kurzen“ Gespräch zwischen Zwanziger und Löw am Sonnabend, das nicht einmal den Hauch einer Annäherung brachte, ging es vor allem darum, die Debatten um den viel beschriebenen „Handschlagvertrag“ vom vergangenen Dezember zu entschärfen. Es habe bei ihm und Zwanziger wohl unterschiedliche Interpretationen des ersten Vertragsgesprächs gegeben, sagte Löw und betonte, er habe zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, jemanden der Verbreitung von Unwahrheiten zu bezichtigen.

Doch selbst wenn es mit einem neuen Vertrag nicht klappen sollte, braucht Löw sich um seine Trainerzukunft keine Sorgen zu machen. Ausgerechnet die Türkei, deutscher Gegner in der EM-Qualifikation, sucht einen neuen Nationalcoach. Und der Deutsche ist offenbar einer der Kandidaten, auch wenn er gestern betonte, dass es „noch keine Anfrage gegeben“ habe. So könnte auch für Löw und den DFB gelten: Man sieht sich zweimal.

dpa / r.

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