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Fußball Eintracht Frankfurt steht vor einem Scherbenhaufen
Sport Fußball Eintracht Frankfurt steht vor einem Scherbenhaufen
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10:37 15.05.2011
Vierter Abstieg für Eintracht Frankfurt in der Vereinsgeschichte. Quelle: dpa
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Dortmund/Frankfurt. Die Spieler weinten hemmungslos, der Trainer trug Trauer und der Chef war am Boden zerstört: Als der bittere Gang in die Zweitklassigkeit endgültig besiegelt war, versank Eintracht Frankfurt im Tal der Tränen. Während auf dem Dortmunder Rasen die große Titel-Party der Borussia Fahrt aufnahm, schlichen die demoralisierten Eintracht-Profis mit leeren Blicken und hängenden Köpfen davon. «Man ist nicht nur enttäuscht, sondern hat auch die Konsequenzen im Kopf», sagte der sichtlich gezeichnete Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

Selbst Berufsoptimist Christoph Daum musste den vierten Bundesliga-Abstieg der Hessen nach 1996, 2001 und 2004, der durch das 1:3 (0:0) beim deutschen Meister in Dortmund zur Gewissheit geworden war, sacken lassen. «Jetzt müssen wir erst einmal die Enttäuschung verarbeiten. Ich brauche selber ein bisschen Abstand. Das ist alles sehr heftig und geht sehr tief», sagte Daum nach dem ersten Abstieg seiner Karriere als Fußball-Coach.

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Die Eintracht steht nun vor einem Scherbenhaufen. Offen ist, wer ihn aufkehrt. Der als Vorstand und Manager in Personalunion bisher allmächtige Bruchhagen wird in seinen Kompetenzen beschnitten und bekommt künftig einen Sportdirektor an die Seite gestellt. Der Vertrag mit Trainer Daum läuft am 30. Juni aus, eine weitere Zusammenarbeit gilt als unwahrscheinlich. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Christoph Daum zumutet, in die Niederungen der Zweiten Liga zu gehen», unkte selbst «Kaiser» Franz Beckenbauer.

Daum wollte sich zu seiner Zukunft am Main nicht konkret äußern. «Ich gebe heute keine Entscheidung so oder so bekannt. Die Gespräche und Überlegungen von beiden Seiten können in den nächsten Tagen geführt werden, müssen aber nicht geführt werden», sagte der 57-Jährige.

Am Montag muss Bruchhagen dem Aufsichtsrat sein Konzept für die 2. Bundesliga vorlegen. Der Gesamtetat wird von 68 Millionen Euro auf rund 40 Millionen Euro sinken, für die Mannschaft stehen künftig statt bisher 28 Millionen nur noch rund 19 Millionen Euro zur Verfügung. «Die erste Entscheidung, die jetzt fällt, ist die, wer neuer Trainer wird. Ich bin überzeugt, dass wir mit einer starken Mannschaft dann in einem Jahr wieder in der Bundesliga zurück sind», sagte Bruchhagen.

In Dortmund hatte Sebastian Rode die Frankfurter mit seinem Führungstor in der 46. Minute auf ein Happy End hoffen lassen, doch Lucas Barrios und ein Eigentor von Marco Russ (72.) besiegelten vor 80 720 Zuschauern den Bundesliga-K.o. der Eintracht. «Ich bin enttäuscht darüber, dass ich der Eintracht nicht habe mehr helfen können. Aus meiner Sicht habe ich alles versucht», sagte der in sieben Spielen sieglos gebliebene Daum.

Stürmer Ioannis Amanatidis, der von Daum selbst beim 1:2-Rückstand nicht gebracht wurde, fühlte sich nach dem Absturz in seiner schon in der Hinrunde geäußerten Kritik bestätigt. «Wir haben in der Hinrunde Spiele gewonnen, das war gegen jede Gesetze. Denn die Arbeit, die wir im Training unter der Woche abgeliefert haben, und die Ergebnisse in den Spielen am Wochenende - das hat nicht zueinander gepasst. Durch die Augenwischerei sind einige Leute blind geworden. Aber dass es so negativ kommen wird, hatte auch ich nicht erwartet», redete der Grieche Klartext.

Ab Montag beginnt nun der Neuanfang in Liga zwei, für die immerhin 18 Profis und drei Nachwuchskicker Verträge haben. Zudem sollen Leistungsträger wie die verletzten Maik Franz und Chris gehalten werden. Offen ist die Zukunft von Torwart Ralf Fährmann, der in Dortmund nicht nur wegen zwei gehaltener Elfmeter von Barrios und Dede bester Eintracht-Spieler war. «Ab Montagmittag muss wieder gearbeitet werden. Da werden auch die Termine anberaumt, wann mit wem welches abschließend klärende Gespräch zu führen ist», verkündete Daum.

dpa

Heiko Rehberg 14.05.2011