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Fußball „Ein Superjahr“: Bayern „müllern“ sich zum 22. Titel
Sport Fußball „Ein Superjahr“: Bayern „müllern“ sich zum 22. Titel
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11:28 02.05.2010
Auf dem Weg zum Triple: Thomas Müller (2. v. l.) erzielte alle drei Treffer gegen Bochum. Quelle: ap
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Drei Punkte und 17 Tore Vorsprung auf den gestrauchelten Rivalen Schalke 04, da konnte und mochte nach dem meisterlichen 3:1 (2:0) gegen den auf einen Abstiegsplatz gestürzten VfL Bochum niemand mehr mit Fantasie-Rechnungen die Spaßbremse bei der vorzeitigen Münchner Titel-Party spielen.

„Da brennt nichts mehr an“, verkündete Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge - am kommenden Sonnabend muss die Schale in Berlin beim Absteiger Hertha BSC nur noch abgeholt werden. Louis van Gaal präsentierte sich als „virtueller Meister“ blendend gelaunt und verriet lachend: „Ich bin ein Feierbiest.“ Natürlich hatte der erste Meister-Trainer aus den Niederlanden den Schalker Patzer gegen Bremen vorausgeahnt und darum seine Töchter und Enkelkinder nach München eingeladen. „Es ist ein schöner Abend“, frohlockte der 58 Jahre alte Holländer und schwärmte: „Und wir können noch mehr gewinnen.“

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Der 22. Meistertitel soll erst der Auftakt gewesen sein für eine dreiwöchige Münchner Jubel-Party. „Wir haben jetzt das Ziel erreicht, das wir unbedingt erreichen wollten, die Meisterschaft“, betonte Rummenigge. „Es war bis heute ein Superjahr“, ergänzte Arjen Robben.

Aber die Bayern sind hungrig, wollen mehr. „Der Druck ist jetzt weg. Jetzt müssen wir weiter trainieren und uns völlig auf die beiden Finals vorbereiten“, sagte Robben mit Blick auf das Pokalfinale gegen Werder Bremen (15. Mai) sowie das Champions-League-Endspiel gegen Inter Mailand (22. Mai). „Die Mannschaft ist heiß. Sie hat großen Willen, große Leidenschaft, großen Kampfgeist. Alles ist möglich. Wir können das Historische schaffen“, sagte Rummenigge.

Im 50. Pflichtspiel unter van Gaal „müllerten“ sich die Bayern zu Titel Nummer 1. Mit seinen Saisontreffern elf bis 13, seinem ersten Bundesliga-Dreierpack, war Jung-Nationalspieler Thomas Müller der Mann des Tages. Mit Brust (18. Minute), Kopf (20.) und Fuß (69.) traf die wohl größte Entdeckung dieser Saison. „Viele Fußballer arbeiten jahrelang daraufhin, einmal Meister zu werden. Mich hat es gleich im ersten Jahr erwischt - überragend“, jubelte der 20-Jährige. Christian Fuchs erzielte per Freistoß das Bochumer Ehrentor (85.).

Zu dem Zeitpunkt war die ausverkaufte Allianz Arena längst ein Party-Tempel. Um 16.42 Uhr brach ein Jubel-Orkan los, als die Kunde vom Bremer Führungstor auf Schalke kam. Häme gegen Felix Magath und den Vize-Meister verkniffen sich die Münchner jedoch. „Felix und Schalke haben uns einen heißen Tanz geliefert“, sagte Rummenigge.

Am Ende haben die Bayern souverän den Titel eingefahren - und das nach dem schlechtesten Saisonstart seit 43 Jahren und bis zu acht Punkten Rückstand auf die Spitze. Der Baumeister des Erfolgs ist Louis van Gaal, der ein überragendes Kollektiv aus Einzelkönnern wie Robben und Ribéry sowie Talenten wie Müller, Badstuber oder Contento formte. „Für mich hat der Titel einen sehr großen Wert. Ich denke nicht, dass viele Trainer in Europa das Glück haben, in drei Ländern Meister zu werden. Darauf bin ich sehr stolz“, sagte der Mann, der in seiner Heimat Holland, in Spanien und Deutschland triumphiert hat.

Ex-Nationalspieler Dariusz Wosz muss als Interimstrainer des VfL dagegen den Sturz in Liga zwei befürchten. Ein Wunder konnte der Nachfolger von Heiko Herrlich in München nicht vollbringen, die einstmals „Unabsteigbaren“ standen beim neuen Meister brav Spalier. Wie ein ICE überrollten die Bayern anfangs die Bochumer. „Aber wir haben uns am Ende nicht abschlachten lassen“, lobte Wosz die Moral.

Nun zählt allein das Abstiegs-Endspiel gegen Hannover, das die Rettung oder zumindest die Relegation gegen den Dritten der 2. Liga einbringen soll. „Wir müssen Hannover schlagen, egal wie. Ich werde mein letztes Hemd dafür geben“, kündigte Wosz pathetisch an.

dpa