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Fußball Ein Leben für den Fußball – auch für Einsatzkräfte
Sport Fußball Ein Leben für den Fußball – auch für Einsatzkräfte
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10:57 16.02.2013
Von Tobias Morchner
Das Spiel im Rücken: Die Polizisten haben nur Augen für die Fans. Quelle: Burkert (Archiv)
Hannover

Wenn Nadine Wenzel und Lutz Seyda ins Stadion gehen, bekommen sie nichts mit von den Flanken, den Fouls und den Freistößen auf dem Feld. Es sind die Fußballfans, die von den beiden Polizisten 90 Minuten lang in den Blick genommen werden. Die Beamten stehen während der gesamten Partie mit dem Rücken zum Rasen und beobachten die Ränge. Sie gehören zur zweiten Hundertschaft der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen, eine von mehreren Einheiten, die regelmäßig bei Begegnungen der ersten, zweiten und dritten Bundesliga eingesetzt wird. Ein Arbeitstag im Stadion beginnt für Nadine Wenzel und Lutz Seyda bereits lange bevor ein einziger Fan oder Ordner sich vor oder in der AWD-Arena zeigt. So auch bei der Partie der Roten gegen die TSG Hoffenheim am vergangenen Wochenende.

Fünf Stunden vor dem Anpfiff versammelten sie sich mit ihren Kollegen in der Polizeiinspektion West zur ersten Lagebesprechung. Zu diesem Zeitpunkt war noch vollkommen unklar, wann der Einsatz zu Ende sein würde. Wie immer hing es auch an diesem Spieltag vom Verhalten einer bestimmten Gruppe innerhalb der Fanszene ab, mit denen die Beamten auch diesmal vornehmlich befasst waren: Von den sogenannten Ultras der Heim- und der Gastmannschaft.

Vor Beginn der Partie gab es bereits Anzeichen dafür, dass zumindest die 96-Anhänger während des Spiels Aufsehen erregende Aktionen anzetteln könnten. Am Abend zuvor waren auf dem Gelände des Ihme-Zentrums etwa zehn junge Männer von Sicherheitsleuten gestört worden, die gerade mit dem Bemalen von Transparenten beschäftigt waren. „Lügenpresse“ stand auf dem einen. „Polizeiwillkür“ auf dem anderen. Die Spruchbänder sollten möglicherweise als eine Reaktion auf den Vorfall bei der Fahrt der 96-Ultras zum Auswärtsspiel nach Bremen auf den Rängen gezeigt werden.

„Bislang deutet dennoch alles auf einen ruhigen Verlauf des Nachmittags hin“, sagt Guido von Cyrson, der an diesem Spieltag den gesamten Einsatz von der Sicherheitszentrale auf der Westtribüne koordinierte.

Nadine Wenzel und Lutz Seyda haben Einsätze dieser Art schon oft miterlebt. 80 bis 90 Prozent ihrer Dienstzeit sind sie mit Fußballspielen beschäftigt. Dabei gab es durchaus schon Zeiten, in denen sie jedes Wochenende wegen der Ultras unterwegs waren. Nicht nur in der AWD-Arena, sondern auch in Braunschweig, Osnabrück und anderen Städten. Eine verlässliche Wochenendplanung ist für die Beamten der Hundertschaften unter diesen Umständen kaum realisierbar. Zudem häufen sie eine Vielzahl von Überstunden an, die kaum abgebaut werden können. „Wenn man kaum noch aus den Stiefeln rauskommt, macht es nicht mehr so viel Spaß“, sagt Wenzel.

40 Minuten vor dem Anstoß des Spiels gegen Hoffenheim hatte sich die Polizistin, ausgestattet mit ihrer 20 Kilogramm schweren Schutzausrüstung, und ihre Kollegen im Stadion verteilt. 15 Beamte postierten sich vor den Blöcken der 96-Ultras, die übrigen 15 vor den Fans auf in der Südkurve. Auch die Verantwortlichen bei Hannover 96 hatten vor dem Spiel gegen Hoffenheim auf die Ausschreitungen der Ultras in den Wochen zuvor reagiert und doppelt so viele Ordner für die Nordkurve abgestellt als sonst. Denn grundsätzlich muss zunächst einmal der Betreiber einer Arena für die Sicherheit im Stadion sorgen. Erst wenn dessen Personal einer Situation nicht mehr Herr wird, kann die Polizei einschreiten. So war es beispielsweise Ende Januar beim Heimspiel der Roten gegen Wolfsburg. Ultras hatten ein Banner am Zaun befestigt, auf dem das beleidigende Kürzel „A.C.A.B.“ zu lesen war. Die Abkürzung steht für den englischen Ausspruch „All Cops Are Bastards“, was frei übersetzt etwa „Alle Bullen sind Schweine“ bedeutet. Nachdem einige Ordner das Banner vom Zaun entfernt hatten, wollten es die Ultras mit Gewalt zurückholen. Die Polizei schritt ein, holte zwei Randalierer aus dem Block, führte sie ab und erteilte ihnen Stadionverbot.

Am vergangenen Sonnabend dagegen verlief der Einsatz für die Polizei ohne nennenswerte Vorkommnisse. „Eigentlich war es ein Spieltag, so wie er sein soll, ein Fußballfest für alle“, bemerkt Lutz Seyda. Zwar zeigten die 96-Ultras einige selbstgefertigte Banner in den Blöcken. Doch deren Inhalte wie „Kein Hunni für nen Steher“ oder „Stadionverbote halten uns nicht auf“ stuften die Beamte als harmlos ein. Nicht ein einziges Mal musste die Bereitschaftspolizei einschreiten. „Es gab keine Pyros, keine Rangeleien – wir hatten noch nicht einmal ein vermisstes Kind. Das ist auch für mich ungewöhnlich“, sagt Nadine Wenzel. Und noch etwas Außergewöhnliches hatte die Polizisten im Stadion erlebt. Nach dem Schlusspfiff war sie von einem Senioren angesprochen worden. Er war gerade im Begriff das Stadion zu verlassen und suchte offenbar nach einer Erklärung für das wenig anschauliche Spiel auf dem Platz. „Da war der Schiedsrichter aber mit dran Schuld“, erklärte er der Beamtin. Die Polizistin entgegnete ihm das, was sie in so einer Situation stets zurückgibt: „Ich habe das Spiel nicht gesehen“, sagte sie freundlich lächelnd. Da machte der Rentner noch einmal kehrt und drückte der Polizistin einen Bonbon in die Hand. „Es ist der letzte, mehr hab ich leider nicht“, sagte er. Nadine Wenzel hat sich trotzdem über das Geschenk gefreut.

„Pyrotechnik“, „Bengalos“, „Fankultur“, „Ultras“. Neue Schlagwörter für den Profifußball, die mit dem Spiel gar nichts zu tun haben. Fans liegen mit Vereinen und Verbänden über Kreuz. Doch worum geht es eigentlich in dem Streit? Und was ist der Unterschied zwischen Anfeuern und Abfackeln? Ein Stadionbesuch.

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