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Fußball Fifa-Ticketagentur-Chef wieder freigelassen
Sport Fußball Fifa-Ticketagentur-Chef wieder freigelassen
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14:24 08.07.2014
Im organisierten Schwarzhandel für Eintrittskarten bei der Fußball-WM in Brasilien ist einer der Chefs der offiziellen Fifa-Ticketagentur festgenommen worden. Quelle: dpa
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Rio de Janeiro

Whelan soll einer der Hauptverantwortlichen für das illegale Verkaufssystem sein. Er wurde einem Polizeisprecher zufolge im Copacabana Palace in Rio de Janeiro festgenommen, einem Luxushotel, in dem während der WM ranghohe Vertreter des Fußballweltverbands Fifa untergebracht sind. In seinem Hotelzimmer seien rund hundert WM-Tickets gefunden worden. Medienberichten zufolge ist der 64-Jährige britischer Staatsbürger; eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Nach der Freilassung sagte Whelan, dass er die Polizei bei ihren weiteren Untersuchungen des Falles unterstützen wolle. Match erklärte, dass das Unternehmen volles Vertrauen in den leitenden Angestellten der Match Services AG habe und sich am Ende herausstelle werde, dass er gegen kein Gesetz verstoßen habe. Match glaubt, dass die Ermittlungen, die vom Unternehmen vollumfänglich unterstützt würden, am Ende zur Entlastung von Whelan führen. In der Zwischenzeit würden der Exekutiv-Direktor des Ticketvertriebspartners der FIFA sowie seine Mitarbeiter ihre Arbeit bei der WM in Brasilien fortsetzen.

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Bereits vor einigen Tagen waren im Zusammenhang mit dem Ticketskandal elf Verdächtige festgenommen worden. Nach dem Hauptverantwortlichen war bislang noch gesucht worden. Der illegale Tickethandel soll bereits seit der WM 2002 in Japan und Südkorea laufen. In Brasilien sollen auf dem Schwarzmarkt Karten für alle 64 WM-Spiele zu horrenden Preisen angeboten worden sein, ein begehrtes Finalticket sogar für umgerechnet 11.500 Euro. Die Verkaufspreise lagen bei bis zu tausend Prozent über dem regulären Preis.

Die Ermittlungen wurden von langer Hand vorbereitet: Im Rahmen der "Operation Jules Rimet", benannt nach dem legendären Fifa-Präsidenten, wurden in den vergangenen drei Monaten zehntausende Telefonate aufgezeichnet, von denen ein Großteil noch ausgewertet werden muss. Anfangs hatte sich der Verdacht auf den Franko-Algerier Mohamadou Lamine Fofana als mutmaßlicher Anführer der Schwarzmarkt-Bande gerichtet, dann richtete sich der Hauptverdacht gegen einen Vertreter von Match Hospitality. Der leitende Ermittler Fabio Barucke sagte, Whelan habe bestritten, während der WM mit Fofana über Tickets verhandelt zu haben. "Aber wir haben Beweise", sagte Barucke vor Journalisten in Rio. "Wir haben 900 (abgehörte) Telefonate zwischen den beiden während des Turniers." Barucke zufolge wird gegen sieben weitere Verdächtige ermittelt. Einzelheiten nannte er nicht.

Laut Polizei erhielt Fofana von Whelan VIP-Tickets, die ursprünglich für Sponsoren, Nichtregierungsorganisationen und Verwandte von Spielern reserviert waren. Fofana habe die Eintrittskarten dann mit Hilfe von Reisebüros und Kontakten aus der Fußballszene illegal verkauft. Match Hospitality teilte mit, dass sie Tickets, die von Fofanas Firma Atlanta Sportif für die Halbfinalspiele und das Endspiel gekauft worden seien, inzwischen aus dem Verkehr gezogen habe. Im ersten Halbfinale trifft Deutschland am Dienstagabend auf Gastgeber Brasilien, am Mittwoch treten Argentinien und die Niederlande gegeneinander an.

Einer der Anteilseigner an der Agentur Match Hospitality ist das in der Schweiz ansässige Unternehmen Infront Sports and Media von Philippe Blatter, einem Neffen des umstrittenen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. Fifa-Sprecherin Delia Fischer erklärte, der Verband nehme die Festnahme Whelans "zur Kenntnis" und werde weiter mit den Ermittlern zusammenarbeiten.

Der Ticket-Skandal ist nur einer von mehreren Skandalen, die den Weltfußballverband in den vergangenen Monaten erschütterten. So stehen unter anderem mehrere hohe Fifa-Funktionäre im Verdacht der Bestechlichkeit bei der Vergabe der WM-Endrunde 2022 an das Emirat Katar.

afp

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