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Fußball Dietmar Hopp: „Häme ist völlig fehl am Platz“
Sport Fußball Dietmar Hopp: „Häme ist völlig fehl am Platz“
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12:58 09.04.2013
Dietmar Hopp: " Für uns alle ist diese Situation unbefriedigend und deshalb ist sie Ansporn, es künftig besser zu machen." Quelle: dpa
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Zuzenhausen

Herr Hopp, haben Sie schon das Szenario vor Augen, wenn Hoffenheim nächste Saison in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena vor ein paar Tausend Zuschauern gegen Aue oder Ingolstadt spielt?
Ihre Frage klingt etwas abwertend, das passt nicht zu mir. Sollte es dazu kommen, begegnen wir diesen Mannschaften mit hohem Respekt, so wie wir alle Vereine herzlich und gerne hier bei uns empfangen. Ungeachtet dessen wird es unser Ziel und die Aufgabe eines jeden im Verein sein, alles für den direkten Wiederaufstieg zu tun, sollten wir tatsächlich in die zweite Liga absteigen.

Nach den erneut turbulenten Tagen mit der Entlassung von Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller ist die TSG endgültig zum „Hire-and-Fire-Club“ geworden. Was haben Sie persönlich falsch gemacht seit der Herbstmeisterschaft 2008?
Ich bin der Überzeugung, dass sich weder die TSG Hoffenheim noch ich als Person für die Arbeit der Vergangenheit bei irgendwem rechtfertigen muss - außer vor uns selbst. Wir werden uns darüber hinaus nicht von herrschenden Meinungen, Bewertungen, Vermutungen, Legenden oder Klischees beeinflussen lassen, sondern selbstbewusst die Entscheidungen treffen, von denen wir überzeugt sind. Wir haben große Erfolge gefeiert und wir haben Rückschläge und Niederlagen hinnehmen müssen. Wir haben eine Verantwortung für diesen Verein, weit über das Tagesgeschäft Fußball hinaus. Wir haben Fehler gemacht und ziehen unsere Lehren daraus, mit dem Blick auf die Bedeutung der TSG 1899 in der Region und das Wohl des Vereins.

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Warum haben Sie den großen Einfluss von Spielerberater Roger Wittmann zugelassen und damit Kritikern eine breite Angriffsfläche geboten?
Ich schätze den Rat von Herrn Wittmann. Er ist ein wichtiger Geschäftspartner der TSG 1899 Hoffenheim, nicht mehr und nicht weniger. Dieses Verhältnis vermögen wir sehr gut zu bewerten, dazu brauchen wir keine Hilfe von außen. Wir haben hier zudem klare Vorstellungen und die setzen wir Gesellschafter gemeinsam mit der Geschäftsführung des Vereins um. Die TSG 1899 Hoffenheim kann und wird ihre Vereinspolitik nicht danach ausrichten, allen zu gefallen oder es den Kritikern recht zu machen. Wir gehen selbstbewusst den Weg, den wir für den richtigen halten.

Sie haben bereits angekündigt, dass Sie auch in der zweiten Liga ihr finanzielles Engagement fortsetzen würden. In welchem Umfang - und mit welchen Vorgaben?
Das werden wir als Gesellschafter intern mit unserer Geschäftsführung und unserer sportlichen Leitung besprechen. Wir werden uns auf die jeweils gegebene Situation einstellen und entsprechend an einem gemeinsamen Konzept arbeiten. Und ehe wir uns ans Umsetzen machen, werden wir wie immer möglichst offen darüber informieren.

Hoffenheim hat derzeit einen Kader von 33 Profis. Fast alle Verträge gelten auch für die zweite Liga. Würde es trotzdem einen Umbruch geben - und wie würde der aussehen?
Wir lassen uns von niemandem treiben. Wir werden in aller Ruhe abwarten, wie die Saison zu Ende geht. Es wird keine Schnellschüsse, sondern eine gründliche Analyse geben. Wir brauchen eine Grundlage, auf der je nach Anforderung die für notwendig erachteten Entscheidungen getroffen werden. Konzeptionell, strategisch. Dafür stehen Alexander Rosen und Markus Gisdol. Sie werden die richtigen Antworten auf alle sportlichen Fragen geben.

Was sich alle fragen: Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen, Nationaltorwart Tim Wiese zu verpflichten - und wie wollen sie dieses Personalproblem lösen?
Wer ist alle? Wir haben uns für getroffene Personalentscheidungen nicht zu rechtfertigen. Was Personalfragen angeht, so werden wir diese wie es sich für einen Club mit Stil gehört, immer mit den Betroffenen selbst und damit intern klären beziehungsweise lösen. Keiner im Verein muss sich dafür öffentlich verteidigen. Wenn man im letzten Drittel einer Saison am Ende der Tabelle steht, hat man nicht alles richtig gemacht. Dessen sind wir uns bewusst. Im Nachhinein Entscheidungen zu bereuen oder öffentlich zu bejammern, bringt aber niemandem etwas und es ist auch nicht unsere Art. Ebenso wenig wie Schuldzuweisungen. Für uns alle ist diese Situation unbefriedigend und deshalb ist sie Ansporn, es künftig besser zu machen. Die Weichen dafür haben wir gestellt.

In der heutigen Bundesliga-Mannschaft spielt kein einziges Eigengewächs. Bereits im vergangenen Sommer und vor allem in diesem Winter wurden Profis aus aller Welt zusammengekauft. Was ist noch übrig geblieben von ihrer Vision mit jungen Spielern, möglichst sogar aus der Region?
An diesem Konzept und diesem Ziel hat sich nichts geändert - im Gegenteil. Mit der Verpflichtung von Markus Gisdol als Trainer und Alexander Rosen als Leiter Profifußball wollen wir dokumentieren, dass wir diesen einst eingeschlagenen Weg künftig zielstrebiger denn je beschreiten wollen und werden. Unabhängig davon investieren wir sehr viel in den Nachwuchs und ich denke, unsere Arbeit auf diesem Gebiet findet hohe Anerkennung. Wir arbeiten erfolgreich, das zeigen die Platzierungen unserer Nachwuchsteams, aber wir brauchen Geduld. Wir haben den jungen Leuten gegenüber eine Verantwortung.

Ist das so grandios gestartete Projekt 1899 Hoffenheim gescheitert?
Die TSG 1899 Hoffenheim ist kein Projekt, sie ist ein Verein. Beim „Projekt Hoffenheim“ handelte es sich um den geplanten Aufstieg in die Bundesliga, das seit geraumer Zeit erfolgreich abgeschlossen worden ist. Häme ist also völlig fehl am Platz. Wir hatten Konzepte in der Vergangenheit, wir haben ein sehr klares Konzept für die Zukunft und vergessen Sie nicht: Wir haben eine Verantwortung für alle Menschen in unserem Verein. Wir sind im Erfolg nicht abgehoben und werden nicht verzagen, nur weil es mal schlechter läuft. Das ist Sport. Zwischen Siegen und Scheitern gibt es etwas.

Für was soll Hoffenheim in der Zukunft stehen?
Für das, wofür wir auch in der Vergangenheit standen. Wir sind ein Verein, der weiß, woher er kommt. Der bodenständig ist und bescheiden auftritt, in der Region verwurzelt und den Menschen Identifikation stiftend ist. Wir gehören zur Metropolregion, stehen zu unserer Heimat, sind modern und innovativ und bieten ein Förderkonzept, das nicht nur bundesweit hohe Beachtung findet. Um all dies zu leben ist eine Zugehörigkeit zur Bundesliga wünschenswert und fortwährendes Ziel unserer Bemühungen. Aber sie ist nicht durchweg eine notwendige Voraussetzung. Bodenständigkeit bedeutet auch: Niederlagen demütig zu akzeptieren und daraus Stärke zu ziehen.

Ein führender Funktionär eines Konkurrenz-Clubs sagte kürzlich: Die ganze Liga freut sich, wenn Hoffenheim runter muss. Sagt Ihnen das auch jemand ins Gesicht?
Mir darf jeder alles ins Gesicht sagen, wenn es in einem von gegenseitigem Respekt geprägten Gespräch geäußert wird. Abgesehen davon denke ich nicht, dass ich anonyme Aussagen, die ich auch nicht verifizieren kann, kommentieren will und sollte.

Von Ulrike John/dpa

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