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Fußball Die erste WM in Afrika
Sport Fußball Die erste WM in Afrika
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17:37 04.12.2009
Von Sonja Fröhlich
HAZ-Redakteurin Sonja Fröhlich ist derzeit in Kapstadt und berichtet über Stimmung in Südafrika.
HAZ-Redakteurin Sonja Fröhlich ist derzeit in Kapstadt und berichtet über Stimmung in Südafrika. Quelle: afp (Symbolbild)
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Draußen ist Karneval, könnte man meinen. Der südafrikanische Fußballfan trägt lustig beklebte Hüte, überdimensionale Brillen und hat immer seine Vuvuzela immer am Mund. Das ist eine lange Plastiktröte, mit der die Fans in Südafrikas Fussballstadien Stimmung verbreiten wollen, indem sie pausenlos hineinblasen. Heute gibt es in Kapstadt zwar kein Spiel zu sehen, aber dennoch sind viele Tröten zu hören. Seit Stunden feiern 15.000 Menschen auf der Long Street, Kapstadts Partymeile im Zentrum der Stadt, die Gruppenauslosung für die Fußballweltmeisterschaft 2010 – auch wenn die noch gar nicht begonnen hat.

Aus dem angrenzenden International Convention Center wird die Zeremonie später auf eine Großbildleinwand übertragen. Aber vorher spielen mit Goldfish und Freshlyground zwei der populärsten Bands Südafrikas, und Fanfest auf Afrikanisch bedeutet auch, dass vor der Bühne ausgelassen getanzt und getrommelt wird. „Yes african!“, rufen mehrere schwarze Frauen auf der Long Street im Chor und spielen damit auf Barrack Obamas „Yes we can!“ an. Es scheint eine gelungene Generalprobe für das zu sein, was das Land in 188 Tagen erwartet, wenn die WM eröffnet wird.

Dazu bedurfte es einiger Anstrengung. Kapstadt hat sich für das „final draw“ ungefähr so vorbereitet, als stünde die WM unmittelbar vor der Tür. Viele Straßen im Zentrum sind für Autos geperrt, 1000 Polizisten zu Pferd oder zu Fuss unterwegs, am Himmel kreisen die Hubschrauber von Polizei und Air Force. Mit Plakaten wird „die Welt“ begrüßt und Fifa-Delegationen zusätzlich mit eigens eingerichteten Schaltern an den Flughäfen. Seit Tagen sind die Luxushotels ausgebucht, und eine Konferenz jagt die nächste. Der internationale Fußballverband tagte im Vorfeld auf Robben Island, der berühmten Gefängnisinsel, auf der einst Nelson Mandela einsaß. Dort sagte WM-Cheforganisator Danny Jordaan vor den mitgereisten Journalisten, dass „nach dem Event alle Zweifel begraben sein werden“.

Doch es ist ja auch Sommer in Südafrika. Und nach einigen verregneten Wochen rücken nun Sonne und wolkenloser Himmel Kapstadt ins schönste Licht fuer Fernseh- und Fotoaufnahmen, die um die Welt gehen. Wenn die WM am 11. Juni beginnt, wird man in Südafrika wegen der umgekehrten Jahreszeiten wohl eher ein Wintermärchen feiern.

Im Convention Center laufen die Klimaanlagen. 2000 geladene Gäste und 1700 Journalisten sind über den roten Teppich gekommen: Die Vertreter der FIFA sind da, Trainer und Fußballdelegationen aus 32 Ländern und Prominente wie Englands Fußballprofi David Beckham und Oscar-Preisträgerin Charlize Theron.

Der hannoversche Reiseveranstalter TUI nutzt das Ereignis für Werbung in eigener Sache und hat zur exklusiven Pressekonferenz mit Bundestrainer Joachim Löw ins noble Table Bay Hotel an der Waterfront eingeladen. Zur gleichen Zeit findet nebenan in dem viel größeren Ballsaal zwar auch die Konferenz mit südafrikanischen „Fussballlegenden“ statt, doch offenbar will die kaum einer sehen, nur eine Handvoll Zuhörer sitzen dort. Löw kommt gerade von Mauritius, dort hat er einen neuen Werbespot für die TUI gedreht, die gewonnene Bräune kontrastiert mit seinem schneeweißen Maß-Hemd. Urlaub habe er in Südafrika noch nicht verbracht, aber einige Spiele beim Konföderationen Cup im vergangenen Jahr besucht und dabei eine „enorme Begeisterung“ und eine „unglaubliche Stimmung“ erlebt, sagt er.

Die Frage nach den Chancen für das südafrikanische Fußballteam Bafana, Bafana beantwortet er diplomatisch: „Die Energie einer ganzen Nation hinter sich zu haben, das setzt Kräfte frei. Das sollte man nicht unterschätzen.“ Allerdings verursacht das Symbol des südafrikanischen Fußballs, die Vuvuzela, doch eher Sorgenfalten auf Löws Stirn. Er sagt, der gleichbleibende Geräuschpegel halte 90 Minuten an - unabhängig davon, ob der Ball im Tor oder im Aus gelandet sei. „Grundsätzlich wäre ich eher zufrieden, wenn es sie nicht gebe“, formuliert er. Aber an diesem Tag ist das egal.

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