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Fußball Die Bundesliga wird stärker und fühlt sich sexy
Sport Fußball Die Bundesliga wird stärker und fühlt sich sexy
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21:15 28.01.2010
Von Stefan Knopf
Weltstar im Blickpunkt: Ruud van Nistelrooy.
Weltstar im Blickpunkt: Ruud van Nistelrooy. Quelle: dpa
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Über zu wenig Anerkennung muss sich Ruud van Nistelrooy keine Gedanken machen. „Er ist ein Weltklassetorjäger. Wenn er fit ist, ist es wunderbar für die Bundesliga.“ Bemerkenswert ist nicht das Lob für den Niederländer als solches, sondern die Tatsache, von wem es kommt. Denn der Satz stammt nicht aus dem Mund von Bruno Labbadia, van Nistelrooys neuem Trainer beim Hamburger SV, sondern von Jupp Heynckes, dem Chefcoach des Konkurrenten Bayer Leverkusen.

Erst mal aber pausiert der Fußballprofi verletzt, van Nistelrooy wird das Spiel des HSV gegen den VfL Wolfsburg heute Abend von der Tribüne aus verfolgen. Und trotzdem steht der 33-Jährige seit seiner Vertragsunterschrift im Blickpunkt; die Hamburger präsentieren ihren neuen Stürmer wie stolze Eltern ihr Neugeborenes, und die Onkel und Tanten aus der Bundesliga nicken entzückt und staunen.

Da ist dem HSV ja auch wirklich ein Coup geglückt. In der Nacht zum Dienstag läuft die Transferfrist ab, und während sich Vereine wie Hannover 96 noch mühen, um Verstärkungen für die zweite Saisonhälfte aufzuspüren, haben die Hanseaten den mit Abstand prominentesten Zuwachs bekommen. Van Nistelrooy ist neben seinem Landsmann Arjen Robben, der im Sommer zum FC Bayern München kam, und dessen französischen Teamkollegen Franck Ribery der dritte ausländische Profi von Weltformat in der Bundesliga.

„Es wird eine schöne Erfahrung, in der Bundesliga zu spielen, einer der stärksten Ligen Europas“, sagt van Nistelrooy höflich. Die Meinungen über die sportliche Qualität der höchsten deutschen Spielklasse gehen traditionell weit auseinander, Tatsache aber ist, dass die Bundesliga wohl bald einen zweiten Startplatz für die Champions-League-Qualifikation von der italienischen Serie A übernehmen wird.

Die Bundesliga fühlt sich sexy. Sie steht wirtschaftlich so gut da wie kaum eine zweite Liga in Europa: Trotz Wirtschaftskrise setzten die 36 deutschen Profivereine in der vergangenen Saison die Rekordsumme von 2,03 Milliarden Euro um, die Schulden der Klubs halten sich im europäischen Vergleich in Grenzen; insgesamt summieren sich die Verbindlichkeiten in der 1. und 2. Liga auf rund 710 Millionen Euro. Manchester United allein schleppt in der englischen Premier League 800 Millionen Euro Schulden mit sich herum, in Italien zahlte mancher Profiverein zwischendurch schon keine Gehälter mehr.

Auch Fußballer schätzen pünktliche Überweisungen ihres Arbeitgebers, wobei obendrein Hilfe kommt vom englischen und spanischen Gesetzgeber. In Spanien zahlten ausländische Profis in den ersten sechs Jahren ihres Gastspiels bislang den Eingangssteuersatz von 24 Prozent, seit Jahresbeginn gilt für neue Verträge der Spitzensteuersatz von 43 Prozent. In England steigt der Spitzensteuersatz im April sogar von 40 auf 50 Prozent. „Die Reform wird uns wettbewerbsfähiger machen, weil die Kosten sich angleichen“, glaubt Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern. In der Hoffnung, dass auch die Bundesliga wieder mehr Anerkennung bekommt.