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Fußball DFB-Gegner Kasachstan bleibt der große Unbekannte
Sport Fußball DFB-Gegner Kasachstan bleibt der große Unbekannte
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13:09 12.10.2010
Kasachstans Nationaltrainer Bernd Storck beim Training.
Kasachstans Nationaltrainer Bernd Storck beim Training. Quelle: dpa
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Bernd Storck hätte sicherlich auch bei einem Verein angefangen, aber es war eben der kasachische Fußballverband, der dem 47-Jährigen den ersten Vertrag als Cheftrainer anbot. Jahrelang war Storck treuer Begleiter von Jürgen Röber gewesen, beim VfB Stuttgart, bei Hertha BSC Berlin, dem VfL Wolfsburg, Partizan Belgrad und Borussia Dortmund; aufgefallen war er in der Welt der Trainer und Kotrainer aber eigentlich nie. Erst jetzt tritt der frühere Bundesligaprofi wieder ins Bewusstsein der deutschen Fußballfans, weil er mit seinem Nationalteam am Dienstagabend (19 Uhr, live im ZDF) Gastgeber für die Elf von Joachim Löw ist.

Kasachstan ist etwa achtmal so groß wie die Bundesrepublik, aber ein Fußball-Niemandsland, was die Verantwortlichen in der Hauptstadt Astana nicht davon abhält, große Träume zu haben. Drei Punkte aus den ersten vier EM-Qualifikationsspielen wünscht sich der Verband von Storck, dessen Vertrag am Jahresende ausläuft. Doch das wird allmählich eng: Die ersten drei Partien hat Kasachstan verloren.

Dass sich das ausgerechnet heute Abend ändert, daran glaubt auch Storck nicht. Warum Optimismus vortäuschen, wenn die Ausgangslage so eindeutig ist? „Wenn man die Gegner sieht“, sagt der 47-Jährige, „muss alles passen, um da mal glücklich zu punkten.“ Deutschland, die Türkei, Österreich und Belgien liegen sportlich außer Reichweite; allenfalls Aserbaidschan dürfte in der Gewichtsklasse der Kasachen spielen.

„Meine Auswahl an Spielern hier ist nicht so groß. Das ist nicht so einfach, daraus eine schlagkräftige Nationalmannschaft zu formen“, sagt Storck; wie das so ist im Niemandsland, wird von den Pionieren viel Einfallsreichtum verlangt. Storck verließ sich dabei auf die moderne Technik, genauer aufs Internet, mit dessen Hilfe er einen Profi ausfindig machte, der nun zum Schlüsselspieler seiner Mannschaft werden soll: Heinrich Schmidtgal wurde in Jessik geboren, als er zwei Jahre alt war, zog seine Familie aus dem Südosten Kasachstans nach Deutschland. Schmidtgal wuchs in Westfalen auf, mit 18 Jahren stand er erstmals im Oberligakader des SC Verl, seit 2009 spielt er für Rot-Weiß Oberhausen in der 2. Bundesliga. Den kasachischen Pass besitzt der 24-Jährige erst seit der vergangenen Woche; weil das Dokument im September noch nicht vorgelegen hatte, musste er bei der 0:2-Niederlage der Kasachen in Österreich noch zuschauen. Bei der 0:2-Niederlage gegen Belgien am vergangenen Freitag aber bewies er links im Mittelfeld, „wie wichtig er für uns ist“, wie Storck zufrieden feststellte.

Auf was sich die deutschen Nationalelf heute unter dem geschlossenen Dach der Astana Arena abgesehen von winterlichen Temperaturen und der ungewöhnlichen Anstoßzeit von 23 Uhr Ortszeit einstellen muss, ist auch schon klar: „Ich hoffe, dass wir möglichst lange die Null stehen haben“, sagt Storck. „Wir wollen mit Mut und nicht ängstlich spielen. Ich hoffe, dass die Kraft auch für die 2. Halbzeit reicht. Unser größtes Ziel wäre es, ein Tor zu schießen.“

Ein bisschen mehr Unterstützung von den Rängen könnte dabei sicher nicht schaden. Gegen Belgien verloren sich gerade einmal 8500 Fans in dem modernen 30 000 Zuschauer fassenden Stadion mit Kunstrasen. Fußball ist auch in Kasachstan selbst noch entwicklungsfähig: Radsport, Ringen, Judo und Gewichtheben sind bei den einheimischen Sportfans wesentlich beliebter als die Jagd nach dem Ball.

Klaus Manzke (mit: dpa)

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