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Fußball Buchholzer Fußballer verursachen zwei Spielabbrüche in Folge
Sport Fußball Buchholzer Fußballer verursachen zwei Spielabbrüche in Folge
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21:37 07.09.2009
Von Björn Franz
Polizeieinsatz: Schiedsrichter Jaschar Mirkhani (links) und PSV-Spieler Rafael Niespor (rechts) erstatten Anzeige. Quelle: Samtleben
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Der Cartoon auf der Internetseite des MTV Groß Buchholz soll lustig sein. „So macht Fußball Spaß“ steht über der Zeichnung, auf der ein Kicker mit Ball und Bierflasche vor dem Fernsehschirm sitzt. Doch angesichts der Vorkommnisse, die sich an den vergangenen beiden Wochenenden bei den Spielen der 1. Mannschaft des Klubs in der 1. Kreisklasse Hannover-Stadt abgespielt haben, wirkt diese Aussage geradezu grotesk: Zweimal hintereinander wurden Partien abgebrochen, zweimal griffen Spieler des Klubs in der Nachspielzeit den Schiedsrichter an.

Und am Sonntag musste sogar die Polizei auf dem Fußballplatz anrücken, um Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung gegen drei Personen aufzunehmen. Auslöser der Jagdszenen, die sich am Nachmittag auf der Anlage an der Rotekreuzstraße abspielten, war ein Platzverweis gegen den Torhüter des MTV. Der hatte einen Stürmer des kurz vor Schluss mit 2:1 führenden Polizei SV von hinten zu Fall gebracht. Schiedsrichter Jaschar Markhani vom SV Eintracht zog die Rote Karte gegen den Schlussmann – und wurde daraufhin attackiert. „Der Torwart hat mich beleidigt, zweimal zum Kopfstoß angesetzt und mich auch einmal leicht getroffen“, erzählt der 18-Jährige, der die Partie abbrach und sich plötzlich wütenden Spielern und Zuschauern gegenübersah. Nur mit Mühe und unter dem Schutz von MTV-Trainer Klaus Bornträger gelangten der Referee und seine Assistenten in die Kabine, wurden auf dem Weg dorthin aber noch mehrfach angegriffen. Auch Spieler des Polizei SV sollen im Verlauf der Ausschreitungen attackiert worden sein.

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Da ein anderer Akteur der Groß Buchholzer bereits eine Woche zuvor beim Abbruch des Spiels gegen Kleeblatt Stöcken Schiedsrichter Michael Amlow (TSV Fortuna/Sachsenroß) „mit der flachen Hand ins Gesicht gestoßen“ hatte, wie der Unparteiische berichtete, fordert Staffelleiter Wilfried Aben den Klub sogar zur Auflösung der Fußballsparte auf. „Wir können zwar Sanktionen verhängen“, meint er. „Aber im Prinzip ist jetzt erst einmal der MTV-Vorstand gefragt.“ Immerhin habe nicht einmal die Tatsache, dass die Partie am Sonntag unter Verbandsaufsicht stand, die Spieler von Übergriffen abgehalten. Allerdings stellt sich vor diesem Hintergrund auch die Frage, warum der Fußballkreis einen 18-Jährigen für das Spiel ansetzte und ihn noch nicht einmal von den Vorfällen der Vorwoche informierte.

Beim MTV lösten die wiederholten Tätlichkeiten auf Schiedsrichter Fassungslosigkeit aus. „Ich bin bereits seit 41 Jahren im Fußball dabei, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Bornträger, der Trainer und Spartenleiter in Personalunion ist. Bereits Montagmorgen traf er sich mit dem Vorstand, heute will der Klub eine Entscheidung treffen, ob und wie es mit dem Fußball weitergeht. „Es wird etwas passieren, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt“, sagte der 45-Jährige. Voraussichtlich werde die 2. Mannschaft aus der 3. Kreisklasse abgemeldet, um mit einer Mischung aus Spielern beider Teams, „die sich fair verhalten wollen“, die Saison in der 1. Kreisklasse zu Ende zu spielen.

Pikanterie am Rande: Vor drei Wochen wurde auch eine Partie der Reserve wegen eines Angriffs auf den Schiedsrichter abgebrochen. Dieser Fall wird heute vom Sportgericht des Fußballkreises verhandelt.

Gewalt auf dem Fußballplatz

Für Bernd Ihle kamen die Spielabbrüche der vergangenen beiden Wochen überraschend. Denn eigentlich ist der Trend im Fußballkreis Hannover-Stadt positiv. „In den vergangenen drei Jahren hat sich die Anzahl der Verfahren bei uns fast halbiert“, sagt der Vorsitzende des Sportgerichts. „Deshalb würde ich auch davor warnen, die Situation zu verallgemeinern.“ Der Oberliga-Schiedsrichter hält die Vorfälle in der 1. Kreisklasse vielmehr für „einen Einzelfall, bei dem in einem Verein etwas faul ist“. Belegen kann er diese Einschätzung mit Zahlen. Von insgesamt 73 Sportgerichtsverfahren in der Saison 2006/2007 sank die Zahl auf 41 in der vergangenen Spielzeit. Noch deutlicher ist der Trend bei Spielabbrüchen (2006/2007: 19, 2008/2009: 10), die um fast 50 Prozent zurückgegangen sind. Als Grund für diese Entwicklung nennt der Verband die hohen Strafen, zu denen Sünder (Sperren von einem Jahr und mehr) und Klubs (Geldstrafen bis zu 1000 Euro) inzwischen verurteilt werden.