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Fußball Benefizspiel in Hannover bringt 140.000 Euro ein
Sport Fußball Benefizspiel in Hannover bringt 140.000 Euro ein
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09:35 22.06.2009
Von Volker Wiedersheim
Das Benefizspiel am Sonnabend hat 140.000 Euro eingebracht. Quelle: Florian Petrow

Mal ganz davon abgesehen, ob es einen Fußballgott gibt oder nicht: Beim dritten Benefizspiel der Per Mertesacker Stiftung am Sonnabend in Hannover war der Fußball ein Geschenk des Himmels. Und zwar im ganz wörtlichen Sinne: Fünf Fallschirmspringer waren hoch über der Südstadt aus einem Flugzeug abgesprungen und landeten mit dem Spielball im Gepäck zielgenau im Rudolf-Kalweit-Stadion am Bischofsholer Damm. Es sollte nicht die einzige Luftnummer eines sehr unterhaltsamen Nachmittags bleiben, an dem aber letztlich doch die kleinen, magischen Momente den tieferen Eindruck hinterließen.

Auch wenn’s auf den Rängen der Arminen-Arena nicht ganz so voll aussieht wie bei der Premiere vor drei Jahren, vermelden die Veranstalter wieder einmal: 10.000 Zuschauer, ausverkauft. Also alles klar zum Anpfiff: Das Team um die Söhne Hannovers, Pokalsieger Per Mertesacker und Possenreißer Oliver Pocher, tritt in Blau gegen die Riege um den Münchener Nationalspieler Philipp Lahm in Grün-Weiß an. Die Sieger, so ist das nun mal bei Benefizspielen, stehen vorher fest: Es sind die Stiftungen der Nationalelf-Kollegen, die mit Fußball als Vehikel denen helfen, denen das Leben sonst nicht viel schenkt. 140 000 Euro kommen insgesamt zusammen, wie zuvor garantiert darf Lahm davon schließlich 40. 000 Euro mitnehmen, der Rest nach Abzug der Kosten fließt in die Projekte der Per Mertesacker Stiftung – und das größte darunter ist zunächst einmal, dieses Spiel zu einer solchen Bühne zu machen, dass tatsächlich auch Stars darauf ihre Rolle spielen und dem Publikum etwas bieten können.

 Und das tun sie. Nationalmannschaftsspieler wie Mertesacker, Lahm, Robert Enke, Lukas Podolski, Piotr Trochowski, Rene Adler und Clemens Fritz; dazu Bundesliga-Protagonisten wie Naldo, Timo Hildebrand, Michael Rensing, Andreas Ottl und Zvjezdan Misimovic – eine solche Ansammlung von Fußball-Prominenz bleibt in Hannover eine Rarität. Dass die, auch wenn es nicht um Titel, Tore und Millionentransfers geht, dem Fußball-begeisterten Publikum ordentlich was zeigen, liegt nicht zuletzt daran, dass Komiker Pocher als Zugpferd ein paar Kollegen aus der besten Sendezeit lockt: etwa den ewigen Showpraktikanten Elton, die halboffiziellen Nationalelf-Barden Flo Weber und Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller, Pete Dwojak aus dem „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Ensemble und MTV-Moderatorin Mirjam Weichselbraun.

Die beiden bunt zusammengewürfelten Truppen gehen die Partie zwar etwas passiv an. Doch nach den ersten 45 Minuten mit nur zwei Toren auf jeder Seite wird das Spiel munterer. Je sechs weitere Tore auf jeder Seite sind schließlich zu verzeichnen, wobei die letzte Spielminute auf gefühlt eine Viertelstunde verlängert werden muss, damit es auch ja noch zum Ausgleich und zum abschließenden Showdown am Elfmeterpunkt kommt.

 Pocher übrigens hat da seinen großen Auftritt und seinen grotesken Abgang bereits hinter sich. Und das geht so: Um die 60. Minute herum sieht der Komödiant für eine Rüpelei Marke Zidane/Materazzi gegen Elton erst die Gelbe Karte. Dann lässt er sich einer ganz ausgefuchsten Inszenierung gehorchend im Strafraum foulen, verwandelt (nachdem aus dem Spiel heraus gar nichts geklappt hat) den fälligen Strafstoß, reißt sich darauf jubelnd das Trikot vom Leibe und fliegt deshalb doppelt vom Platz. Erstens wegen Gelb-Rot. Zweitens mit dem Hubschrauber. Kein Witz: Auf dem Helikopter-Landeplatz des Kinderkrankenhauses auf der anderen Straßenseite ist ein Hubschrauber gelandet. Darin die von Poker-Promoter Boris Becker jüngst verstoßene und gleich darauf von Pocher als neue Herzensdame präsentierte Sandy Meyer-Wölden – und knatternd entschwebt das junge Glück gen Gelsenkirchen, um des Abends am Ringrand bei Wladimir Klitschko eilfertig in jede Kamera zu grinsen.

 Im Rudolf-Kalweit-Stadion gibt es derweil keine harten Schläge, sondern geradezu zärtliche Momente. Dem früheren 96er Michael Tarnat, gehandicapt durch einen vom Umzug geknickten Rücken, wird erst zehntausendstimmig das Bekenntnis zu „96, alte Liebe“ entgegengeschmettert, dann tritt der 39-Jährige ein letztes Mal in Hannover gegen den Ball: Elfmeterschießen, im Kasten Timo Hildebrand – „Tannes“ finaler Schuss in Hannover ist ein Volltreffer. Getoppt wird er nur noch von Niklas Tarnat, dem achtjährigen Sohn. Der hat schon aus dem Spiel heraus (mit ein bisschen Hilfe des Gegners) getroffen. Aber am Elfmeterpunkt bedarf es dieser Unterstützung nicht mehr. Kurzer Anlauf, Hildebrand taucht nach links – und Niklas lupft halbhoch in die Mitte – zum Zungeschnalzen. Wer weiß, vielleicht hinterlässt Tarnat junior ins seiner 96-Juniorenriege sogar die größere Lücke …

Am Ende ist Initiator Per Mertesacker „stolz auf meine Heimat und die tolle Resonanz hier“. Und er denkt natürlich über eine Fortsetzung der Serie von Benefizspielen nach. Weil aber die WM 2010 in Südafrika vielen seiner Stammgäste einen Strich durch die Terminrechnung macht, wird eine andere Idee favorisiert: „Merte“ und Pocher wollen aufs Eis gehen und wohl in eineinhalb Jahren einen Kick im Indians-Eisstadion am Pferdeturm machen. Ohne Schlittschuhe. Auch das könnte unterhaltsam werden. Wenn alles glattgeht.

Fußballstars und Fernsehprominente haben sich bei einem Benefizspiel der Nationalspieler Per Mertesacker und Philipp Lahm am Sonnabend in Hannover gegenüber gestanden. 11:8 endete die torreiche Partie für das Team Mertesacker nach dem Elfmeterschießen.

20.06.2009

Beim Benefizkick von Per Mertesacker, Oliver Pocher und Philipp Lahm und Co. am Sonnabend im Rudolf-Kalweit-Stadion soll Michael Tarnat endlich mit Tusch und Toren in den Bundesliga-Ruhestand verabschiedet werden, was die Rote-Teppich-Abteilung von Hannover 96 ja bekanntlich genial vergeigt hatte.

Volker Wiedersheim 20.06.2009

Viel Prominenz aus der Fußball- und Unterhaltungsbranche wird sich am Sonnabend in Hannover (16.00 Uhr/Rudolf-Kalweit-Stadion) bei einem Benefizspiel der beiden Nationalspieler Per Mertesacker und Philipp Lahm gegenüberstehen.

18.06.2009