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Fußball Bayern München schafft das Comeback des Jahres
Sport Fußball Bayern München schafft das Comeback des Jahres
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14:14 26.05.2013
Von Stefan Knopf
Was für eine Saison: Ein Jahr nach der bitteren Niederlage "dahoam" gegen Chelsea hält Bastian Schweinsteiger jetzt den Champions-League-Pokal in den Händen. Quelle: dpa
London

Bastian Schweinsteiger musste sich noch mal vergewissern. Mit dem riesigen Henkelpott in den Händen stand er auf dem Rasen des Wembley-Stadions und begann zu lesen. Eine stattliche Liste ist auf dem Silberpokal eingraviert: jede Mannschaft, die jemals die Fußball-Champions-League gewonnen hat oder den Europapokal der Landesmeister, wie der Wettbewerb einmal hieß. Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United. Und, ja, da ganz am Ende, da stand es, für alle Ewigkeit eingeritzt ins glänzende Silber: 2013, Bayern München.

Nun ist der FC Bayern mit seinem insgesamt fünften Triumph in diesem Wettbewerb auf der Ehrentafel eine Zeile weiter nach unten gerutscht, als es die Kluboberen ursprünglich geplant hatten, die ja den Triumph im völlig überhöhten „Finale dahoam“ im Vorjahr als Ziel ausgegeben hatten. Aber zwölf Jahre nach dem letzten Triumph steht der Vereinsname endlich wieder drauf auf der Trophäe, im Fußball ist das eine kleine Ewigkeit. Und die Geschichte dieses Endspiels von Wembley lässt sich nicht erzählen ohne die Geschichte des Endspiels von München; dieser 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund ist nicht zu trennen von der Niederlage im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea ein Jahr zuvor.

Alles kreiste in den vergangenen Wochen noch einmal um den Mai 2012; und je näher das Finale im Wembley-Stadion rückte, desto allgegenwärtiger wurde die Niederlage gegen Chelsea noch einmal, desto bewusster wurden sich die Spieler, wie sehr sie noch schmerzte. Thomas Müller gehörte zu den wenigen, die vor dem Spiel gegen Dortmund öffentlich über die Angst vor dem Scheitern redete; darüber, dass der Mannschaft bei einer erneuten Niederlage der Ruf der ewigen Verlierer anhaften würde.

Wovon Müller gesprochen hatte, war in der ersten halben Stunde von Wembley gut zu beobachten. Wo noch vor wenigen Wochen Tempo und Spielwitz waren, da waren am Sonnabend plötzlich Querpässe und Fehler. Die Last des Gewinnen-Müssens war den Bayern deutlich anzumerken, erst in der 26. Minute hatte Mario Mandzukic die erste Torchance für die Münchener. Wann hatte es das zuletzt gegeben?

„Wir haben in dieser Phase überhaupt nicht zu unserem Spiel gefunden“, sagte Trainer Jupp Heynckes, der in der Pause aber die richtigen Worte gefunden haben muss. In der 2. Halbzeit spielten die Bayern wieder so, wie man es in dieser Saison von ihnen gewohnt war. Einmal Mandzukic (60.), einmal Arjen Robben (89.), und der Graveur konnte seine Arbeit am großen Silberpokal verrichten. Auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch das Elfmetertor von Ilkay Gündogan (68.) konnte die Bayern auf ihrem Weg auf den europäischen Fußballthron nicht mehr irritieren.

„Ja, es war an der Zeit, einen großen Titel zu gewinnen“, sagte Heynckes. „Ich freue mich vor allem deshalb, weil es wichtig war für meine Spieler. Insbesondere für die Generation Lahm/Schweinsteiger.“ Sechs vergebliche Anläufe hatten Philipp Lahm und Schweinsteiger unternommen, um endlich einen großen Pokal in den Händen zu halten, doch irgendwer stand dabei immer im Weg: mal die Spanier, mal die Italiener bei Welt- und Europameisterschaften, mal Inter Mailand, mal Chelsea in der Champions League.

Dieser Triumph von Wembley ist Balsam auf die Wunden. Obendrein errungen an einem fußballhistorisch bedeutsamen Ort, das ist auch nicht unwichtig für einen Verein, der großen Wert liegt auf Rekorde und Symbolisches. Bei der Siegerehrung vor der königlichen Loge drückte Schweinsteiger den Pokal Uli Hoeneß in die Hand, der sich zunächst zierte und den Pott dann doch kurz in die Luft hob. Auch das ein Symbol: Denn die Steueraffäre um den Bayern-Präsidenten hatte das Sportliche in den vergangenen Wochen in den Hintergrund treten lassen, wobei vor allem Schweinsteiger seinen väterlichen Freund Hoeneß oft ungerecht behandelt sah.

„Unser Weg ist noch nicht zu Ende“, sagte Heynckes, und er meinte nicht seine Spieler, die sich gerade mit dem Pokal auf die Ehrenrunde begaben. Schon am kommenden Sonnabend spielen die Bayern ihr nächstes Finale, gegen den VfB Stuttgart können sie im DFB-Pokal den dritten Titel in dieser Saison gewinnen und damit erfolgreicher werden als die Bayern des Jahres 2001 und die große Generation um Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Hoeneß, die 1974 ebenfalls Meisterschaft und Europapokal gewonnen hatte.

Als der große Silberpott vor der Münchener Fankurve gerade durch die Hände der Spieler wanderte, da schritt Mandzukic auf das Tor zu, in das er zuvor getroffen hatte. Die baumelnde Goldmedaille um den Hals, säbelte er sich ein großes Stück vom Netz ab und steckte es sich zwischen T-Shirt und Hose; Jérôme Boateng, Torwart Manuel Neuer und Daniel van Buyten waren die nächsten, die sich ein persönliches Andenken aus dem Wembley-Stadion sicherten. Die Bayern nehmen derzeit einfach alles mit. Für den VfB Stuttgart ist das keine gute Nachricht.

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