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Fußball Bayern München gegen Inter Mailand: Auf dem Weg zum Triple
Sport Fußball Bayern München gegen Inter Mailand: Auf dem Weg zum Triple
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17:20 22.05.2010
Von Christian Purbs
Abschlusstraining im Santiago Bernabeu Stadion in Madrid: Bayern München will sich am Sonnabendabend den Champions-League-Sieg holen - und damit das Triple. Quelle: dpa
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Wer noch schnell auf einen Sieg des FC Bayern am Sonnabend im Finale der Champions League gegen Inter Mailand wetten möchte, der sollte das ruhig machen, die Chancen stehen gut. In den Wettbüros werden die Münchener vor dem Endspiel in Madrid als Außenseiter gehandelt – es kann also nichts schiefgehen für die Bayern.

Das hört sich vielleicht erst einmal komisch an, doch in einer kuriosen Saison hat die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal bislang alle Krisen gemeistert, vor jedem Abgrund im letzten Moment noch einen Schritt zurück gemacht und die Orakel der Experten immer wieder ad absurdum geführt. Was immer den Bayern an Schwierigkeiten und Schicksalsschlägen prophezeit wurde – es ist anders gekommen. Im Schnippchenschlagen haben die Bayern das Triple längst geschafft.

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Die Wende in Hannover: Es wäre wohl ein kurzes Gastspiel für van Gaal als Bayern-Trainer geworden, hätte der Niederländer beim Bundesligaspiel in Hannover denselben Fehler gemacht wie Jürgen Klinsmann bei der 0:1-Niederlage in der Saison zuvor. Die Münchener standen im November auf dem 7. Platz, was nun gar nicht zu ihrem Selbstverständnis als Serienmeister passt. Doch van Gaal unterschätzte 96 nicht und leitete mit dem 3:0 in Hannover die Wende ein. Es folgten acht Siege in Serie, die Schlagzeilen der zahlreichen Kritiker vom fliegenden Holländer landeten im Papierkorb. Statt des langweiligen Ballgeschiebes in der eigenen Hälfte zeigten die Bayern immer häufiger, wie schön und auch erfolgreich Offensivfußball sein kann. Dass das System von van Gaal so schnell funktionieren würde, damit hatte keiner gerechnet.

Der unterschätzte Torjäger: Ohne die Tore von Ivica Olic könnten sich die Bayern das Finale am Sonnabendabend im Fernsehen anschauen. Mit sieben Treffern ist Olic der zweitbeste Torjäger in der Champions League, nur Messi vom FC Barcelona hat noch einen Treffer mehr auf dem Konto. Große Chancen auf einen Stammplatz hatte kaum ein Experte dem kleinen Kroaten nach dessen Verpflichtung vom Hamburger SV allerdings zugetraut. Die Konkurrenz in der Bayern-Offensive: Miroslav Klose, Luca Toni, Mario Gomez. Wo sollte da noch Platz sein für Olic? Nicht erst seit seinen drei Toren beim 3:0-Erfolg im Champions-League-Halbfinale in Lyon fragt keiner mehr.

Das Wunder von Turin: Die Bayern brauchten diesen Sieg unbedingt, wollten sie als Dritter der Vorrunde in der Champions League nicht schon wieder im „Cup der Verlierer“ landen. Dass die Münchener ihr Finale um den Einzug ins Achtelfinale bei Juventus Turin hatten, machte die Angelegenheit nicht gerade einfacher. In der Bundesliga kamen die Bayern zwar langsam wieder in Schwung, doch einen Sieg in Turin traute ihnen kaum einer zu. Schon gar nicht so einen grandiosen Triumph. Mit 4:1 wurden die Italiener abgefertigt, die 90 Minuten von Turin gelten seitdem als (etwas verlängerte) Geburtsstunde der bis heute so erfolgreichen Bayern-Mannschaft.

Robbens Sternstunden: Über die herausragenden Qualitäten von Arjen Robben diskutierte niemand, als der Stürmer von Real Madrid aussortiert und zum FC Bayern transferiert wurde. Wohl aber über seine vielen Verletzungen in den vergangenen Jahren. Für viele Experten war er nur „Mister Glaskinn“ – einer, der sich schon beim Warmmachen eine Adduktorenzerrung holt, mehr Zeit beim Arzt als beim Training verbringt und mit dem sich deshalb unmöglich planen lässt. Nix da. Robben spielte – und zwar ganz groß auf. Und er traf: Seine Tore gegen Schalke 04 im Halbfinale des DFB-Pokals, AC Florenz und Manchester United (Achtel- und Viertelfinale der Champions League) waren genauso schön wie wichtig. Aus „Mister Glaskinn“ ist bei den Bayern „Mister Traumtor“ geworden. Robben ist beim „Stern des Südens“ der Mann für die Sternstunden. Gerne auch Sonnabendabend.

Ach ja, Franck Ribery wird sehr wahrscheinlich seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2015 verlängern. Wer hätte das gedacht?