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Fußball Bayern München demontiert Werder Bremen im Finale
Sport Fußball Bayern München demontiert Werder Bremen im Finale
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21:02 16.05.2010
Von Uwe Kranz
Das Double ist perfekt: Bayern-Kapitän Marc van Bommel (Mitte) präsentiert den Zuschauern im Berliner Olympiastadion den DFB-Pokal. Sein Mitspieler feiern den zweiten Schritt auf dem Weg zum Triple. Quelle: dpa
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Für Butt ist die Erklärung für den begeisternden Fußball seiner Mannschaft aber einfach und kommt wie aus der Pistole geschossen. „Es passt einfach alles zusammen. Es macht großen Spaß“, sagt er.
Mitten drin in der Münchener Spaßgesellschaft war wieder einmal Trainer Louis van Gaal. „Wenn wir etwas gewinnen, dann müssen wir auch feiern“, sagte er, auch wenn er im gleichen Atemzug spätestens für den heutigen Montag wieder Training und für Mittwoch den Beginn der intensiven Vorbereitung auf das Finale in der Champions League am kommenden Sonnabend ankündigte. Kein Problem, findet Außenverteidiger Philip Lahm, schließlich habe die Mannschaft zuletzt die erstaunliche Fähigkeit entwickelt, zu feiern und sich dann wieder total auf die kommenden Aufgaben zu fokussieren. „Jeder Spieler, der auf der Bank sitzt oder auf der Tribüne unterstützt die Mannschaft – das ist Unterschied zu früheren Jahren“, beschreibt Nationalspieler Bastian Schweinsteiger das neue Wir-Gefühl in München. Und wie Lahm betont auch er den großen Spaß, den alle zusammen haben.

Den meisten Spaß machten die Münchener am Sonnabend im Berliner Olympiastadion allerdings auf dem Rasen. Angeführt von Arjen Robben („Das war eines meiner besten Spiele“) spielten die Bayern den Erzrivalen aus Bremen mit ungeheurem Tempo schwindelig. Nur eine Doppelchance, die Butt gegen Claudio Pizzaro und Torsten Frings entschärfte (8. Minute) ließ die Bayern-Fans in der Westkurve kurz aufschrecken. Und auch wenn erst ein Handelfmeter von Robben (35.) für die Führung herhalten musste, hätte das Spiel zur Pause längst entschieden sein können.

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Aber auch das Timing stimmte beim Team von Trainer van Gaal. Gerade als Werder nach der Umstellung auf 4-4-2 mit Chancen von Hugo Almeida (47.) und Pizarro (50.) die Führung in Gefahr brachten, schlug Ivica Olic mit dem 2:0 (51.) zurück. „Das war genau der richtige Zeitpunkt“, sagte Lahm. „Und jeder weiß, wie gefährlich wir dann über Konter sein können.“ Nutznießer war Franck Ribery, der allein vor Bremens Torwart Tim Wiese beim 3:0 keine Mühe hatte (63.).

Werders Wille war gebrochen und zehn Minuten später nahm Ribery einen Flankenwechsel lässig an und jonglierte den Ball dreimal, ehe ihn die Bayern rund 20-mal durch die eigenen Reihen laufen ließen, ohne dass ein Bremer Fuß ihn berührt hätte – eine Demütigung.

So gefrustet stieg Frings derart in die Beine von Bastian Schweinsteiger, dass Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer ihn mit Gelb-Rot zum Duschen schickte (77.). Als Schlusspunkt setzte Schweinsteiger mit bemerkenswerter Technik sein Tor zum 4:0-Endstand (84.). Das achte Double in der Münchener Klubgeschichte war perfekt.

Doch bei all der ausgelassenen Freude, dem verspritzten und getrunkenen Champagner und Weißbier und dem nächtlichen Bankett war doch alles nur eine Momentaufnahme, schwebte doch über allem der Gedanke an das noch größere Finale gegen Inter Mailand am kommenden Sonnabend in Madrid. Und mit den Gewinn der italienischen Meisterschaft machte Inter gestern klar: Es wird ein echtes Triple-Endspiel – für beide Klubs geht es um den Dreifacherfolg aus Meisterschaft, Pokalsieg und dem Sieg in der „Königsklasse“.

„Es war wieder ein Spiel Tod oder Gladiolen, und wieder haben wir die Gladiolen“, sagte der Niederländer van Gaal. „Jetzt wollen wir sehen, ob wir auch gegen Inter eine Überraschung schaffen können.“ Schließlich wäre das Triple nicht nur historisch, sondern auch ganz im Sinne der neuen Münchener Spaßgesellschaft.